München - Eine Verwarnung wegen illegalen Coachings bringt Serena Williams zur Weißglut. Ex-Profi Alex Waske hinterfragt bei SPORT1 den Sinn der Regel.

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Es war einer der größten Aufreger in der Tennis-Geschichte.

Beim Finale der US Open rastete Superstar Serena Williams Mitte des zweiten Satzes komplett aus. Sie zertrümmerte ihren Schläger, beleidigte den Schiedsrichter und schrie wild herum.

Stein des Anstoßes im New Yorker Arthur Ashe Stadion: Eine Verwarnung wegen illegalen Coachings. Trainer Patrick Mouratoglou hatte mit Handzeichen versucht, Einfluss auf das Spiel der 36-Jährigen zu nehmen.

Williams selbst bekam dies laut eigener Aussage nicht mit und setzte nach der regelkonformen Verwarnung durch Schiedsrichter Carlos Ramos zu ihrer ersten Schimpftirade an.

Waske kritisiert Verhalten von Williams

"Die Art und Weise, wie sich Serena über die Verwarnung aufgeregt hat, welches Drama sie veranstaltet hat, ist viel zu viel und sollte einem Champion wie Ihr nicht passieren", kritisierte Ex-Tennisprofi Alexander Waske im SPORT1-Interview.

Auch wenn das Verhalten der 36-Jährigen unverständlich sei, der Referee habe sich ebenfalls nicht optimal verhalten: "Er hätte anders mit Serena reden müssen. Natürlich muss man sie zur Räson bringen, aber andere Schiedsrichter haben mehr Fingerspitzengefühl für die Situation."

So hätte Ramos Williams ein "Soft-Warning" geben müssen. "Und wenn sie so weiter macht, muss er ihr ein weiteres Warning geben, was in einem 'Game-Penalty' resultiert", so Waske: "Wenn sie ihn dann weiter als Dieb und Lügner bezeichnet, kann sich niemand mehr über weitere Konsequenzen beschweren."

Coaching-Regel veraltet

Nach den aktuellen Regeln des Tennis-Weltverbandes ist es Trainern bei Grand Slams nicht gestattet, während des Spiels in irgendeiner Form Einfluss auf die Spieler zu nehmen. Dies gilt sowohl für verbale Unterstützung, als auch für Handzeichen und sonstige Hilfen.

Laut Waske eine veraltete Regel. Auf der Tennis-Tour gibt es kaum noch Spieler, die nicht mit einem eigenen Team aus Trainer, Physiotherapeut und Fitnesscoach zu einem Turnier anreisen. Damit Spieler, die sich diesen Luxus nicht leisten können, nicht im Nachteil sind, werde es den Trainern demnach verboten, Einfluss auf das Spiel zu nehmen.

Trainer zum Rumsitzen verdammt

"Es ist blödsinnig, dass Coaches mit zigtausend Euro bezahlt werden, anschließend aber nicht eingesetzt werden dürfen. Für einen Trainer ist es zudem enorm bitter, dass man in den entscheidenden Momenten seinem Spieler nicht helfen darf", sagt Waske.

Dies soll sich in Zukunft aber ändern. Die ATP diskutiert seit längerem über eine Regeländerung. "Die ATP und ITF sind kurz davor, dass Lösungen gefunden werden. Das Coaching auf der Profitour wird kommen", ist sich Waske sicher, "bei der WTA existiert es ja schon."

Verschiedene Lösungen möglich

In welcher Form, darum wird intensiv gerungen. Zur Debatte steht unter anderem das On-Court-Coaching, welches auf der Damen-Tour bereits praktiziert wird. Dabei darf der Trainer einmal pro Satz auf den Platz kommen und mit der Spielerin reden.

Auch die Coaching-Regel, die in der Qualifikation für die US Open angewendet wurde, wäre möglich. Dabei durften die Spieler bei jedem Seitenwechsel mit ihrem Trainer sprechen, zudem waren Handzeichen erlaubt.

"Welchen der besprochenen Vorschläge man nun nimmt, das ist eigentlich egal", findet Ex-Profi Waske. "Es ist nur wichtig, dass man eine Regel findet, wie der Trainer besser integriert werden kann."

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