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München - In seiner SPORT1-Kolumne analysiert Marcel Reif den Machtkampf beim FC Bayern. Die Außendarstellung sei "jämmerlich", alle Parteien steckten in einer "Falle".

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Hallo Fußball-Freunde,

der Machtkampf beim FC Bayern beschäftigt ganz Fußball-Deutschland. Die beiden Protagonisten: Hansi Flick und Hasan Salihamidžić.

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Doch obgleich zwischen Trainer und Sportvorstand ungeahnte Emotionen hochzukochen scheinen, muss man das Ganze am Ende versachlichen. Flick und Salihamidžić – da geht es nicht um zwei Typen, die sich nicht leiden können.

Nein, es geht um Macht. Macht und Hierarchien. In England ist der Trainer zugleich Sportdirektor. Das haben wir in der Bundesliga nicht. Bayern hat einen Sportdirektor und die Hierarchie ist klar: Salihamidžić bleibt – Trainer kommen und gehen.

 So ist es normalerweise. Doch was passiert diesmal beim FC Bayern? Wer kann sich durchsetzen? (Bayern-Präsident: Flick wusste be Boateng Bescheid)

"... dann eskaliert die Nummer sogar noch weiter"

Darauf wird zunächst schwer eine Antwort zu finden sein. Viel einfacher ist aber folgende Erkenntnis: Das Bild, das der Rekordmeister abgibt, ist jämmerlich. Sollten die Bayern tatsächlich am Dienstag bei Paris Saint-Germain in der Champions League abschmieren, eskaliert die Nummer sogar noch weiter.

Denn: Einen angeblich vollzogenen Burgfrieden zwischen Flick und Salihamidžić hat es nie gegeben. Das ist Schwachsinn.

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Die Bayern müssen das Problem aber irgendwie in den Griff kriegen. Entscheidend ist doch die Frage, ob bei Transfers gegen den Willen von Flick gehandelt wurde. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Salihamidžić losgezogen ist und gesagt hat: "Guck mal, wer morgen auf dem Trainingsplatz steht."

Trotzdem ist genau das der Knackpunkt in der ganzen Zankerei. Wäre es so, wäre es bemerkenswert. Dann ist es schon eine massive Unterstellung.

Flick muss akzeptieren, dass er nicht über dem Sportvorstand steht.

Doch wie lässt sich das Problem am Ende lösen? Egal, wer ein Machtwort spricht - ob Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß -, es führt nur zum nächsten Schlagabtausch, der dann wieder allen um die Ohren knallt.

"Alle stecken in einer schlimme Falle drin"

Flick hat einen Vertrag, der nicht im Sommer endet. Ich glaube nicht, dass er einfach gehen kann - selbst wenn er wollte. Und wenn das Ganze in die Luft geht und Flick künftig Bundestrainer wird, dann hätte der DFB den Trainer auf der einen und den FC Bayern auf der anderen Seite, wo man die Dinge als höchst unhöflich betrachten würde.

Sie alle stecken jetzt in einer schlimmen Falle drin - und Flick kann es nicht selber entscheiden.

Das einzig Positive: Ich glaube nicht, dass es einen Einfluss auf die Spieler hat. Die sind schon zu lang dabei. Die haben Kovac kommen und gehen sehen, einige haben van Gaal überlebt, einige Guardiola.

Und trotzdem: Sportlich einfach ist die Situation - unabgängig von der Zankerei - bei Weitem nicht. In der Champions League wird es am Dienstag schwierig. Und fünf Punkte vor Leipzig sind auch nicht die Welt.

Julian Nagelsmann konnte sich das Grinsen am Samstag kaum verkneifen.

Wir werden sehen, wer ganz am Ende noch grinsen darf.

Bis demnächst
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.