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Mainz und München - Der FC Bayern vergibt beim Comeback von Robert Lewandowski den ersten Meisterschafts-Matchball. In Mainz wird der FCB in der ersten Halbzeit überrumpelt.

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Während die Mainzer den erlösenden Schlusspfiff ausgelassen auf dem Rasen feierten, verschwanden die Stars des FC Bayern im Eiltempo im Kabinentrakt.

Auf ihrem Weg zur neunten Meisterschaft in Serie leistete sich der Rekordmeister einen unerwarteten Ausrutscher, trotz der verdienten 1:2 (0:2)-Pleite beim FSV Mainz 05 kann die Mannschaft von Trainer Hansi Flick aber am Sonntag auf dem Sofa Meister werden. (Bundesliga: Ergebnisse und Spielplan)

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Sollte Verfolger RB Leipzig gegen den VfB Stuttgart ebenfalls verlieren, wäre den Münchnern der 31. Titel der Vereinsgeschichte angesichts von zehn Punkten Vorsprung drei Spieltage vor Schluss nicht mehr zu nehmen. Selbst bei einem Remis der Leipziger wären die Titelchancen der Sachsen angesichts der deutlich schlechteren Tordifferenz nur noch theoretischer Natur. (Bundesliga: Die Tabelle)

Der CHECK24 Doppelpass mit Roman Weidenfeller und Peter Neururer am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Bayern-Keeper Neuer: "Niederlage trifft uns schwer"

Ginge es nach Manuel Neuer, würden die Bayern den Titel lieber selbst im nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönhengladbach nach der Pokal-Pause am 8. Mai klarmachen, "weil wir uns nicht auf andere verlassen", meinte der Bayern-Keeper bei Sky. "Wir fahren jetzt erstmal runter. Diese Niederlage trifft uns schwer, aber das ist auch menschlich, so wie wir jetzt auch in den ganzen Wochen spielen mussten."

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Dabei konnte Flick beim Comeback von Robert Lewandowski, der wegen seiner Bänderdehnung im rechten Knie die vergangenen sechs Pflichtspiele verpasst hatte, personell nahezu aus dem Vollen schöpfen. Auch Serge Gnabry kehrte nach coronabedingter Zwangspause in den Kader zurück, auch Leon Goretzka lief wieder von Beginn an auf. Im Vergleich zur Final-Startelf beim Champions-League-Triumph 2020 gegen PSG fehlten nur Gnabry und der jetzt für Liverpool spielende Thiago auf dem Rasen in der Mainzer Arena.

Flick vor siebtem Titel - Bayern gehen auf dem Zahnfleisch

Doch auf dem Weg zum siebten Titel in der Amtszeit von Erfolgstrainer Flick bekommen die Bayern im Saisonendspurt offensichtlich etwas schwere Beine.

"Wir wissen alle, dass die Mannschaft in so vielen Spielen gezeigt hat, was sie für eine Qualität hat. Solche Spiele sind immer mal drin, deswegen hake ich das Spiel einfach ab", räumte Flick ein. "Wenn man das ganze Jahr nimmt, kann man verstehen, wenn die Mannschaft ein bisschen müde wirkt. In der ersten Halbzeit waren wir nicht auf dem Platz. In der zweiten Halbzeit haben wir es versucht, aber wir waren zu harmlos."

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Der SPORT1 Podcast "Meine Bayern-Woche" mit Jana Wosnitza und SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1

Und Neuer ergänzte: "Wir hatten uns viel mehr vorgenommen. Gerade die Leistung in der ersten Halbzeit war aber zu wenig von uns, so kannst du hier nicht gewinnen. Wir haben uns zu wenig Möglichkeiten herausgespielt und wurden für unsere Fehler bestraft." Thomas Müller bemängelte, dass den Münchnern beispielsweise bei den Ballannahmen immer ein, zwei Sekunden gefehlt hätten. "Ich sag' mal: Wir haben es probiert, aber am Ende haben wir es nicht verdient, hier einen Punkt mitzunehmen."

Die Mainzer befinden sich unter Bo Svensson derweil weiter im Aufwind, blieben zum siebten Mal in Folge ungeschlagen und haben mit nun 34 Punkten als Tabellenzwölfter beste Chancen auf den Klassenerhalt. "Wir haben drei Punkte mehr, drei mehr, die wir nicht eingerechnet haben. Aber es sind nur fünf Punkte vor Köln, deswegen haben wir noch nichts erreicht", sagte Sportdirektor Martin Schmidt bei Sky.

Mainzer Blitzstart schockt die Bayern

Jonathan Burkardt (3.) und Robin Quaison (37.) bescherten den Mainzern eine völlig verdiente Halbzeitführung, die durchaus auch noch höher hätte ausfallen können. Rückkehrer Lewandowski erzielte in der Nachspielzeit den Anschlusstreffer (90.+4), das 36. Saisontor des Polen kam aber zu spät. Zum "ewigen" Torrekord von Gerd Müller (40 Saisontore, 1971/72) fehlen ihm bei drei ausbleibenden Spielen nun noch vier Treffer. (Der Spielverlauf zum Nachlesen im TICKER)

Die Vorzeichen waren klar: Mit einem Sieg konnten sich die Bayern vorzeitig den zehnten Meistertitel in Serie sichern. "Wir wissen schon, dass wir den Sack zumachen können. Das ist unser Ziel", betonte Trainer Flick vor dem Spiel.

Doch auf dem Rasen legten die Mainzer los, als hätten sie die Schale vor Augen. Eine Flanke von Phillipp Mwene verlängerte David Alaba per Kopf unglücklich zu Burkardt, der Mainzer Angreifer zog zentral vor dem Tor aus der Drehung ab und düpierte damit Manuel Neuer, der nicht gut aussah (3.).

Und die Gastgeber spielten weiter furios nach vorne. Neuer lenkte einen abgefälschten Kopfball von Danny Latza an den Pfosten (10.), Robin Quaison scheiterte aus kurzer Distanz am klasse reagierenden Bayern-Keeper (16.), eine Flanke von Danny da Costa klatschte erneut ans Aluminium (18.) und bei einem Konter war Neuer gerade noch vor Quaison am Ball (21.).

Rückkehrer Lewandowski vergibt einzige Bayern-Chance in Hälfte eins

Und die Bayern? Die beste Möglichkeit im ersten Durchgang vergab Rückkehrer Lewandowski, der freistehend von der Strafraumgrenze deutlich verzog (15.). Ansonsten blieben die Angriffe der Gäste harmlos. Ein Fernschuss von Leroy Sané (24.) stellte Robin Zentner im Mainzer Tor vor keinerlei Probleme.

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Die Mainzer blieben giftig und bissig in den Zweikämpfen. Nach einem heftigen Zusammenprall zwischen Burkardt und Joshua Kimmich (29.) im Mittelfeld holte sich der Mainzer Torschütze allerdings eine blutige Nase. Zwar hielt Burkardt noch bis zur Pause durch, blieb dann aber mit Verdacht auf Gehirnerschütterung in der Kabine.

Die Bayern waren häufig einen Schritt zu spät dran, so auch Jérôme Boateng, der sich für ein Foul an Quaison am Strafraumeck die Gelbe Karte abholte (36.). Der anschließende Freistoß von Mwene führte zum zweiten Mainzer Tor. Quaison lief sich im Strafraum zwischen Alaba und Thomas Müller frei und köpfte wuchtig unter die Latte, Neuer konnte den Einschlag nicht mehr verhindern (37.).

Goretzka wandelt am Rande eines Platzverweises

Leon Goretzka hatte Glück, unmittelbar nach seiner Gelben Karte für ein hartes Einsteigen gegen Burkardt (41.) für ein zweites gelbwürdiges Foul an da Costa (43.) nicht die Ampelkarte gesehen zu haben.

Flick reagierte zur Pause mit einem Dreifach-Wechsel auf die dürftige Darbietung seiner Elf. Der gelb-rot-gefährdete Goretzka blieb ebenso draußen wie die wirkungslosen Sané und Kingsley Coman. Doch auch mit Tanguy Nianzou, Eric Maxim Choupo-Moting und Jamal Musiala änderte sich zunächst nichts am Spielstand. Die Partie wurde zunehmend zerfahrener. Anders als beim spektakulären 5:2 im Hinspiel, als die Münchner ebenfalls zur Pause 0:2 zurücklagen, gelang ihnen dieses Mal kein schnelles Anschlusstor.