Vincenzo Grifo steht bei sieben Saisontoren für den SC Freiburg
Vincenzo Grifo steht bei sieben Saisontoren für den SC Freiburg © Imago
Lesedauer: 9 Minuten

Freiburg - Vincenzo Grifo spielt mit dem SC Freiburg eine starke Saison. Im Interview spricht er auch über Christian Streich als möglichen Nachfolger von Joachim Löw.

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Zum dritten Mal spielt Vincenzo Grifo für den SC Freiburg, wo er zu den absoluten Leistungsträgern zählt. Der italienische Nationalspieler hat mit sieben Toren und sechs Assists großen Anteil daran, dass sich die Breisgauer in dieser Saison keine Sorgen um den Klassenerhalt machen müssen.

Im Interview mit SPORT1 spricht der Offensivmann über die neuen Herausforderungen als Vater, seinen rechten Zauberfuß, die italienische Nationalmannschaft und Christian Streich als möglichen Nachfolger von Joachim Löw.

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SPORT1: Herr Grifo, erst mal Glückwunsch zum Nachwuchs. Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie im letzten Monat?

Vincenzo Grifo: Bisher sehr, sehr wenig. Meine Tochter macht brutal gut mit. Sie lässt uns schlafen, wacht einmal in der Nacht auf, da will sie Milch, aber das macht meine Frau. Ich werde da geschont. Bisher läuft alles super.

SPORT1: Wie ist das Lebensgefühl? Wie ist es jetzt mit Nachwuchs im Haus?

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Grifo: Es ist etwas ganz anderes. Die ersten Wochen hat man es gar nicht richtig realisiert, dass da noch ein kleines Würmchen ist, das uns Probleme bereitet im Alltag. Meine Frau und ich haben uns sehr früh kennengelernt, sind jetzt zehn Jahre zusammen und jetzt war es einfach der richtige Schritt, Nachwuchs zu bekommen. Wir sind mega, mega happy. Sie bereitet uns unglaublich viel Freude, allein wenn sie uns anlacht. Da gibt es nichts Schöneres.

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Grifo: Das ist das Geheimnis hinter dem rechten Fuß

SPORT1: Vor ein paar Wochen habe ich mich mit Christian Günter unterhalten. Er meinte über Sie: "Das ist der mit dem goldenen rechten Fuß."

Grifo: Wenn das der Günni sagt, dann muss es ja stimmen. (lacht) Natürlich freut man sich, wenn man viel Lob kriegt. Ich verstehe mich mit dem Günni sehr, sehr, sehr gut. Wir spielen seit einigen Jahren jetzt zusammen, auch auf der linken Seite, wir verstehen uns auf dem Platz blendend, machen auch neben dem Platz sehr viel privat zusammen. Er hat auch eine kleine Tochter. Von ihm kann ich mir einiges abschauen, er hat mir einige Tipps gegeben. Günni ist ein feiner Junge, ein super Kapitän. Wenn er mich dann so lobt, nehme ich das dankend an.

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SPORT1: Was ist denn das Geheimnis Ihres rechten Fußes? (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Grifo: Viel, viel Arbeit, viel Freude, viel Spaß und natürlich auch ein Stück weit Talent. Das Talent wird dir geschenkt, aber du musst auch viel daran arbeiten, du sollst nicht stehen bleiben und dich darauf ausruhen, sondern dir auch nach dem Training die Zeit nehmen und mit dem rechten Fuß trainieren, sodass er dann irgendwann perfekt ist - was er natürlich noch nicht ist. Aber darauf arbeitet man hin. Und wenn man sich die Zeit nimmt und die Zeit auch bei dem vielen Training, das man auch hat, opfert, sich dann noch 15, 20 Minuten zu nehmen, das kann einen nur besser machen.

SPORT1: Wie oft machen Sie das?

Grifo: Bestimmt zwei, drei Mal die Woche.

Vincenzo Grifo nimmt Maß
Vincenzo Grifo nimmt Maß © Imago

SPORT1: Wie ordnen Sie die Saison bisher ein?

Grifo: Sehr gut. Der SC Freiburg hat 34 Punkte. Wir spielen eine gute Saison, auch wenn die letzten ein, zwei Spiele nicht so gut waren mit Leipzig und mit Mainz, wo wir dann eine Niederlage kassiert haben. In Leverkusen haben wir es sehr gut gemacht. Wir haben auch gegen Dortmund gewonnen. Das sind zwei Hochkaräter. Wir wollen aber noch mehr Punkte sammeln, um den Klassenerhalt schnellstmöglich unter Dach und Fach zu bekommen. Wir haben eine gute Mischung aus Kampf, fußballerischer Komponente und das Emotionale auf dem Platz. Da gilt es dann weiterzumachen.

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Grifo: "Qualität ist nicht immer alles"

SPORT1: Diese Performance war im Sommer gar nicht so zu erwarten. Viele hatten eine schwere Saison für Freiburg erwartet. Sind Sie überrascht, dass es jetzt so läuft?

Grifo: Wir haben Luca Waldschmidt, Robin Koch, Alexander Schwolow, Kapitän Mike Frantz verloren. Natürlich sind das Abgänge, die man auch erst mal kompensieren muss, aber wir haben es geschafft über die Emotionalität, die Atmosphäre, über den Teamgeist, über diese Power, die der SC Freiburg dann auch immer an den Tag legt. Wir haben es geschafft, auch guten Fußball zu zeigen. Wir haben trotz der Abgänge noch viele gute Spieler. Manchmal ist es besser, ein tolles Team als den einen oder anderen Ausnahmespieler mehr zu haben. Qualität ist nicht immer alles, sondern wie man es auf den Platz bringt.

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SPORT1: Haben Sie schon mal etwas von der Europa Conference League gehört?

Grifo: Jetzt vor Kurzem wurde es mir gesagt, auch erst vor drei, vier Tagen. Da kam das ja mit Max Kruse, dass er davon gar nichts gewusst hat. Ich habe mich jetzt noch nicht viel damit beschäftigt. Wenn man sich damit beschäftigt, kommt es erst dann, wenn man auch die Chance dazu hat, aber die sehe ich bei uns jetzt noch nicht. Es ist besser, wenn wir uns in Freiburg von Spiel zu Spiel konzentrieren.

SPORT1: Für Max Kruse ist dieser Wettbewerb gar nichts, es gibt aber auch andere Stimmen, die sagen: 'Das hat seinen Reiz'. Wo würden Sie sich denn einordnen?

Grifo: Wir sind Fußballprofis, streben immer nach dem Besten. Wenn die Chance da ist, wollen wir sie auch nutzen. Wenn wir in den nächsten drei, vier, fünf Spielen so performen, wie wir performt haben, was sehr schwer werden wird, dann überlegt man natürlich. Aber das möchte ich noch nicht zu sehr in den Mund nehmen.

Grifo: "Da geht ein Kindheitstraum in Erfüllung"

SPORT1: Bald stehen auch wieder Länderspiele an. Sie sind seit mittlerweile zweieinhalb Jahren Nationalspieler in Italien. Wie ist das für Sie?

Grifo: Ich fliege immer mit einem Lächeln nach Italien. Das ist ein Lebenstraum. Ich habe ganz viel gearbeitet, um eines Tages italienischer Nationalspieler zu werden. Wenn ich mich mit den Besten messen kann, dann gibt es nichts Schöneres. Dann ist das die Bestätigung. Das letzte Spiel war überragend mit den zwei Toren. Da geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das Trikot hängt schon im Flur. Alle waren unglaublich stolz auf mich. Wenn man früher die Spieler auf dem Bolzplatz nachgemacht hat, und jetzt trägt man das Trikot und ist selbst einer davon, dann brauche ich den Leuten da draußen nichts zu erzählen, dass es nichts Schöneres gibt.

SPORT1: Welche Spieler haben Sie nachgemacht?

Grifo: Ich habe viele nachgemacht. Luca Toni, Andrea Pirlo, Roberto Baggio, Francesco Totti - und denen läuft man jetzt einfach ab und zu über den Weg. Das ist schon etwas Unglaubliches. Man darf nie vergessen, woher man kommt. Ich habe ein schönes Leben mit Fußball und Fans, auch wenn im Moment keine da sind, solche Sachen muss man sich dann immer wieder vor Augen führen, um einfach zu wissen, wie schön es ist, bei der Nationalmannschaft zu spielen oder in der Bundesliga performen zu dürfen vor 40.000, 50.000 Fans.

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Grifo: "Wenn das Hansi Flick sagt, dann..."

SPORT1: Gibt es einen Spieler bei der Nationalmannschaft, der Sie am meisten beeindruckt? Und einen, mit dem Sie besonders dicke sind?

Grifo: Ich verstehe mich mit vielen sehr gut, weil alle lieb und nett sind. Mit Gianluigi Donnarumma verstehe ich mich gut. Letztes Mal war Roberto Soriano da. Der kommt gebürtig aus München, hat deutsch gesprochen mit mir. Ich verstehe mich auch mit Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini sehr, sehr gut, die mich immer in den Arm nehmen und fragen: 'Wie ist es in Deutschland?'

Vincenzo Grifo hat bislang vier Länderspiele für Italien absolviert
Vincenzo Grifo hat bislang vier Länderspiele für Italien absolviert © Imago

SPORT1: Wenn Sie an die EM im Sommer denken, was geht Ihnen da durch den Kopf?

Grifo: So weit habe ich noch gar nicht gedacht, weil wenn ich daran denke, platzt mir wahrscheinlich der Kopf. Es muss vieles stimmen, dass man bei der EM dabei ist. Schlafen möchte ich nicht, ich möchte auch Konkurrent sein, sodass sich der Trainer auch über mich Gedanken machen muss. Das Wichtigste ist, dass ich hier in Freiburg Gas gebe, weiter gute Spiele mache, natürlich auch für Italien. Und am Ende des Tages, wenn es dann soweit ist, beschäftige ich mich auch damit, ansonsten ist das nur Rumgespinne.

SPORT1: Hansi Flick hat gesagt, er würde Christian Streich zutrauen, Bundestrainer zu werden. Sie auch?

Grifo: Wenn das Hansi Flick sagt, dann traue ich ihm das auch zu. Jeder weiß, wie unser Trainer zu Freiburg steht, aber es ist einfach schön, wenn Christian Streich auch als DFB-Trainer gehandelt wird. Das zeigt, dass er sehr viel Potenzial hat, das hat er auch. Er hat mit Freiburg etwas unglaublich Schönes, ist der dienstälteste Trainer, hat unglaublich viel hier geschaffen, immer wieder aufs Neue. Natürlich hat man dann auch Potenzial für etwas Größeres. Es gibt Schlimmeres, als ein Kandidat zu sein.