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München - Der FC Bayern wird für seine Reise zur Klub-WM nach Katar kritisiert, auch aus der Politik. Hansi Flick reagiert angefressen. Das kommt nicht überall gut an.

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Sportlich läuft beim FC Bayern München alles nach Plan.

Der Titel bei der Klub-WM wurde am Donnerstag eingetütet, am Montag spielt das Team von Trainer Hansi Flick bereits wieder in der Bundesliga gegen Arminia Bielefeld - und kann mit einem weiteren Erfolg den nächsten Schritt in Richtung neunter Meisterschaft in Folge machen. (Bundesliga: FC Bayern München - Arminia Bielefeld ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)

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Alles in Butter also bei Flick? Mitnichten.

Als er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Ostwestfalen von SPORT1 auf die Kritik aus der Politik an der Katar-Reise angesprochen wurde, wurde Flick deutlich: "Ich finde, so langsam kann man die ganzen Corona-Experten nicht mehr hören. Herr Lauterbach hat immer irgendwas zu sagen, immer ein Thema, zu dem er sich meldet. Ich finde, die sogenannten Experten und Politiker sollen sich zusammensetzen und eine Strategie entwickeln, damit man irgendwann mal ein Licht im Tunnel sieht."

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Flick kritisiert Lauterbach - der kontert

Flicks Kritik richtete sich direkt gegen den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der im SPORT1-Interview Kritik geübt hatte.

"Den Bürgern raten wir zu Recht von jeder unnötigen Reise ins Ausland ab und der internationale Fußball setzt sich über diese Regeln einfach hinweg. Die Bürger wollen nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, nur weil es um Millioneneinnahmen durch Fernsehübertragungen geht", hatte Lauterbach gesagt.

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Lauterbach rechtfertigte seine Aussagen im Anschluss via Twitter. "'Sogenannte Experten' äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten. Wenn Hansi Flick anderer Meinung ist, soll er einfach seine Argumente bringen", entgegnete Lauterbach. Dafür müsse man kein Experte sein. Sein Appell an Flick: "Als Amateur Sportler sage ich: nicht unfair sein!"

Klub-WM war Wunsch des FC Bayern

Flick verteidigte die umstrittene Katar-Reise.

"Die Reise nach Katar, das ist unser Job. Das ist eine Sache, die wir machen müssen." Die Klub-WM werde weltweit ganz anders angesehen. Die Gegner seien wahnsinnig motiviert gewesen, weil sie sich mit den Besten der Besten messen konnten. "Das ist bei uns genauso. Wir wollten das unbedingt und haben es angenommen." (Service: Tabelle der Bundesliga)

Doch war es wirklich eine Sache, die der Triple-Sieger machen musste? Im SPORT1-Interview Anfang Februar hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Sache etwas anders dargestellt.

"Die Mannschaft ist mit dem Trainer nicht umsonst bei mir vorstellig geworden, als die FIFA die Gedankengänge hatte, das Turnier in dieser Saison aufgrund von Corona nicht stattfinden zu lassen", sagte Rummenigge. Das Team habe ihn gebeten, mit Gianni Infantino Kontakt aufzunehmen und zu versuchen, das Turnier stattfinden zu lassen. 

Ob das Turnier wirklich stattgefunden hätte, wenn der Rekordmeister seine Teilnahme abgesagt hätte? Aus sportlicher Sicht ist die Reise völlig verständlich. Wie oft hat man schließlich die Möglichkeit, sechs Titel innerhalb eines Jahres zu gewinnen? Das hatte bisher nur der FC Barcelona 2009 geschafft. In der Gesellschaft erntete das Vorgehen des Rekordmeisters jedoch teils harsche Kritik.

Müller darf trotz Infektion nach Hause

Und schon bei der Hinreise gab der Champions-League-Sieger kein gutes Bild ab.

Als der Flieger in Berlin aufgrund von Fristversäumnis am vergangenen Freitag nicht mehr starten durfte und die Bayern-Profis die Nacht im Flieger verbringen mussten, attackierten Rummenigge und Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Verantwortlichen mit deutlichen Worten.

"Wir fühlen uns von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht", polterte Rummenigge in der Bild. Hoeneß sprach im BR von einem "Skandal ohne Ende."

Welche Privilegien die Bayern im Vergleich zur restlichen Gesellschaft besitzen, wurde auch im Fall Thomas Müller deutlich. Der 31-Jährige, der kurz vor dem Finale positiv auf das Coronavirus getestet worden war, durfte trotz bekannter Infektion zurückfliegen - per Privatjet und mit einem Ganzkörperschutzanzug.

Gegen Regeln verstieß Müller damit nicht, Lauterbach meinte dennoch: "Normalerweise wäre eine Reise mit bekannter Infektion natürlich undenkbar." (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Politik sieht Sonderrolle für Fußball

Doch im Fußball ist nicht alles normal. "Es ist völlig unstrittig, dass der Fußball eine Sonderrolle für sich beansprucht", sagte die Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag dem Deutschlandfunk.

Das betonte auch Flick, unterstellte den Politikern jedoch auch, Kritik aus Eigennutz zu üben. "Ich habe das Gefühl, dass jeder aus der Situation seinen Profit herausschlagen will - wie kann er vor der nächsten Wahl die Prozentpunkte mehr machen. Aktuell ist das weit an dem Thema vorbei, welche Aufgabe sie haben", monierte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm er jedoch explizit von seiner Kritik aus.

Auch wenn Flicks Auftritt nicht nur Kritik beinhaltete, kam er - wie die gesamte Katar-Reise - in weniger privilegierten Teilen der Öffentlichkeit alles andere als gut an.