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München - Ist Klaas-Jan Huntelaar noch gut genug, um den FC Schalke 04 vor dem Abstieg zu retten? Die Klubidole Youri Mulder und Peter Neururer analysieren bei SPORT1.

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Die Augen von Klaas-Jan Huntelaar hätten eine Menge verraten, findet eine Schalker Legende.

Im Interview nach seinem Doppelpack für Ajax Amsterdam bei Twente Enschede hätte man dort "die Schwierigkeit gesehen", sagt Huntelaars Landsmann Youri Mulder im Gespräch mit SPORT1.

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Der 37 Jahre alte Huntelaar, der erst im Dezember sein Karriere-Ende nach Ablauf der Saison verkündet hat, steckt im Zwiespalt: Soll er das wirklich machen, zum FC Schalke 04 wechseln und dort als letzte Karriere-Mission gegen den Bundesliga-Abstieg kämpfen?

Genauso zerrissen sind auch viele Fans und Beobachter: Huntelaar und Schalke - ist das ein genialer Coup, der S04 den Klassenerhalt bescheren wird? Oder ist es ein Akt der Verzweiflung, der am Ende mehr Schaden als Nutzen bringt?

Bei SPORT1 bewerten der einstige Schalker "Eurofighter" Mulder und der frühere Schalke-Coach Peter Neururer den spektakulären Huntelaar-Plan und seine Chancen und Risiken.

Klaas-Jan Huntelaar mit Erfolgs-Aura

Mulder und Neururer sind sich zunächst mal einig mit Schalke-Coach Christian Gross, dass ein Deal mit Huntelaar Signalwirkung hätte, die Schalke nur guttun könne.

Der "Hunter", der für Schalke zwischen 2010 und 2017 126 Tore in 240 Pflichtspielen geschossen hat, war 2012 mit 29 Treffern Bundesliga-Torschützenkönig, er ist ein Star mit Erfolgs-Aura.

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"Ein Klaas-Jan Huntelaar vergangener Tage ist sicherlich mehr als eine Verstärkung", sagt Neururer: "In welcher Verfassung er jetzt ist, das ist die Frage."

Neururer: Huntelaar muss sich für Schalke umstellen

Huntelaars Zahlen aus der aktuellen Ajax-Saison sehen zunächst auch nicht schlecht aus: Sieben Tore in elf Liga-Einsätzen stehen zu Buche. Nur: Was sind Treffer gegen VVV-Venlo, PEC Zwolle und ADO Den Haag tatsächlich wert im internationalen Vergleich?

Neururer gibt auch zu bedenken, dass Huntelaar bei Ajax unter Trainer Erik ten Hag eine klar zugewiesene Rolle als Mann für gewisse Minuten hat, der meist von den Bank kommt - so auch gegen Enschede.

"Auf Schalke soll er ja nicht eingewechselt werden, sondern die Sturmgröße sein", sagt der 65 Jahre alte Neururer: "Die Konstellation ist völlig anders: Ajax Amsterdam spielt nur in der gegnerischen Hälfte, da hält er sich sehr viel im gegnerischen Strafraum auf, zu diesem Spiel kommt er auf Schalke nicht."

Huntelaar müsste sich für Schalke umstellen, darauf weist auch Mulder hin - ist aber sicher, dass ihm diese Umstellung gelingen würde.

Mulder sicher: Der "Hunter" ist topfit

"In Deutschland muss man mehr laufen als in Holland, aber ich habe keine Zweifel, dass er das noch kann", sagt der UEFA-Cupsieger von 1997: "Ich habe ihn in den letzten fünf Jahren nicht so fit gesehen wie jetzt."

Huntelaars Einstellung sei vorbildlich: "Er ist unglaublich ehrgeizig. Er ist keiner, der sich am Karriere-Ende die Taschen vollmachen will. Wenn er kommt, dann weil er dafür sorgen will, dass Schalke nicht absteigt."

Wird er das auch? Mulder legt sich da fest: Ja, wird er. "Man hat schon bei Sead Kolasinac gesehen, dass er der Mannschaft mit seiner Ausstrahlung einen Schub gegeben hat, eine Richtung. Huntelaar kann das auch." Und er könne die Tore liefern, die Schalke so dringend brauche.

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Eine Doppelspitze mit Huntelaar und dem jungen Hoffenheim-Helden Matthew Hoppe wäre eine vielversprechende Sturmkombination.

Ex-Frankfurter Haller als Türöffner?

Bleibt die Frage: Kommt es auch zur Reunion zwischen Schalke und Huntelaar?

Nicht nur Huntelaar müsste sich entschließen zu wechseln, auch Ajax-Sportdirektor Marc Overmars müsste den Weg freimachen.

Was dafür spricht: Ajax hat eben erst 22,5 Millionen Euro in die Verpflichtung des früheren Frankfurter "Büffels" Sébastien Haller investiert. "Ich finde, da ist Ajax jetzt eigentlich moralisch verpflichtet, ihn gehen zu lassen", sagt Mulder.

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Eine weitere offene Frage, die sich für den 51-Jährigen stellt: Ob Huntelaar gerade auch durch seinen jüngsten Doppelpack noch mal ins Grübeln kommt, ob er nicht doch noch bei Ajax weitere Glanzlichter zu setzen versucht.

Die S04-Verantwortlichen sollten Huntelaar daher klare Perspektiven bieten, um ihn zu überzeugen, womöglich auch über das Karriere-Ende hinaus, mit einer Management-Rolle oder ähnlichem.

Mulder glaubt aber dennoch, in Huntelaars Augen erkannt zu haben, in welche Richtung es sich bewegt: "Ich denke, er geht zu Schalke!"