Für Tobias Holtkamp ist Peter Bosz mit seinen Leverkusenern ein Bayern-Konkurrent
Für Tobias Holtkamp ist Peter Bosz mit seinen Leverkusenern ein Bayern-Konkurrent © SPORT1-Grafik: Getty Images/SPORT1
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SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp zeigt sich von den bisherigen Auftritten von Bayer Leverkusen angetan. Seiner Meinung nach trägt der Erfolg einen Namen.

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Die "dritte Halbzeit" bei Talk-Sendungen ist, genauso wie das Vorspiel, also wenn die Kameras noch nicht oder eben nicht mehr laufen, für alle Beteiligten meist noch ein wenig interessanter als die Debatten und Auseinandersetzungen während der Sendezeit.

Man tauscht Informationen, Denk- und Sichtweisen - in der Regel etwas direkter, unmissverständlicher und auch nicht ganz so politisch gereinigt wie im offiziellen Teil.

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Leverkusen trotz hartem Auftakt ungeschlagen

Was auffällt im Gespräch mit Beteiligten der Fußball-Szene, ob Ehemalige oder aktuell Beschäftigte, ist die hohe Meinung zu einem Mann, der vor drei Jahren schon mal Borussia Dortmund trainiert hat (und da mit fünf Spielen ohne Gegentor einen Bundesliga-Start-Rekord aufstellte) - und der auch momentan als Cheftrainer wieder einen Topwert liefert: Nicht der FC Bayern, RB Leipzig oder der BVB, nein, Peter Bosz' Bayer Leverkusen ist neben dem VfL Wolfsburg die einzige Mannschaft, die nach zehn Bundesliga-Spieltagen noch ohne Niederlage ist. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

Jetzt könnte man denken, dass es die Leverkusener in ihren sportlichen Auseinandersetzungen bisher vor allem mit den kleinen Kalibern zu tun hatten - das Gegenteil ist aber der Fall: Bayer traf schon auf die unangenehmen Wolfsburger oder Hertha, auch schon auf die Champions-League-Teilnehmer Mönchengladbach und Leipzig.

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Spannend wird es kurz vor Weihnachten, wenn Tabellenführer Bayern am 19. Dezember in Leverkusen antritt. In Frische, Spielwitz und Handlungsschnelligkeit wirkt die Werkself dem Rekordmeister dieser Tage sogar überlegen, zumindest im Fernduell. (SERVICE: Der Spielplan der Bundesliga)

Bosz beflügelt Leverkusen-Spieler

Viele, die mit Peter Bosz zusammenarbeiten, sind im Grunde doppelt begeistert: zum einen von seiner Sicht auf das Spiel. "Als würde er immer aus 10 Meter Höhe auf den Platz gucken", sagt einer, der ihn in Leverkusen täglich erlebt. Zum anderen ist es seine Art, irgendwo zwischen Kumpel, Vaterfigur, aber auch klarem Leader, die Bosz für Kollegen wie Spieler so besonders macht.

Der Typ Bosz vereint bei Bayer eine wilde Bande an Fußballern, schwört sie ein auf gemeinsame Ziele, die er alle, so heißt es, für "gut erreichbar" hält - und gibt ihnen den festen Glauben an die eigenen Qualitäten.

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Die Bilanz stärkt seine Position, der Verein folgt ihm. Während zum Beispiel Dortmund schon wieder viele Bundesliga-Punkte verschenkt hat, zuletzt fünf an acht Tagen (1:2 gegen Köln, 1:1 in Frankfurt), basteln Bosz und seine Leute, darunter als Co-Trainer Analyse auch Marcel Daum, Sohn von Meistertrainer Christoph Daum, daran, die große Saison-Überraschung zu werden.

Trennte sich der BVB zu früh von Bosz?

Bosz hat einen eigenen Stil, viele brauchen etwas länger, seine Anforderungen zum einen zu verstehen, zum anderen sie dann auf dem Platz auch umzusetzen.

Die Zeit fordert er von seinem Arbeitgeber, Rudi Völler als Geschäftsführer Sport gibt sie ihm - uneingeschränkt. Völler, selbst fast 15 Jahre Weltklasse-Spieler, hat einen besonderen Blick auf Bosz' Arbeit. Dessen "Handschrift" sei "in jedem Training erkennbar". Jeder im Verein schätze die tägliche Arbeit des Fußball-Lehrers.

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Vielleicht hätte auch Borussia Dortmund Bosz mehr Zeit geben können, ein zu schwach abgesichertes Offensivsystem wurde ihm dort zum Vorwurf gemacht. "Wer mich beurteilt," sagte Bosz zu Beginn seiner Bayer-Zeit, "ohne wirklich ein Training von mir gesehen zu haben, sondern vielleicht nur ein paar Ausschnitte im Fernsehen, deren Meinung ist mir nicht wichtig". Und die Zeit dafür zu wertvoll.

Peter Bosz konzentriert sich aufs Wesentliche. Ein guter Ansatz, wenn man so auf die Tabelle guckt. Und erst recht, wenn man den Fachleuten glaubt.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".