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Julian Brandt bleibt in Dortmund zum Saisonbeginn nur die Reservistenrolle. Da seine Teamkollegen einen Traumstart hinlegen, zählt er zu den Verlierern im Team.

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Bei dem großartigen Saisonstart von Borussia Dortmund spielte Julian Brandt nur eine Nebenrolle.

Der im Vorjahr für 25 Millionen Euro verpflichtete und mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattete Nationalspieler durfte beim klaren 5:0-Sieg im Pokalspiel beim MSV Duisburg nach Einwechslung 33 Minuten ran. Beim 3:0-Erfolg zum Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach waren es elf Minuten.

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Nach den starken Leistungen seiner Mannschaft spricht wenig dafür, dass Trainer Lucien Favre derzeit Veränderungen plant. 

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Brandt ist damit einer der Verlierer der Vorbereitung und des Saisonstarts, die es bei guten Leistungen einer Mannschaft eben auch immer gibt. Und das, obwohl er zum Ende der letzten Spielzeit erst richtig in Fahrt gekommen war.

Brandt: "Das erste Jahr war schon schwierig"

"Das erste Jahr war schon schwierig, das gebe ich offen zu", blickte Brandt zuletzt im Trainingslager in Bad Ragaz im Gespräch mit SPORT1 zurück: "Du kommst in einen neuen Verein, hast neue Teamkollegen und musst dich erstmal zurechtfinden. Das kam dann erst ab dem Winter. Irgendwann hat es Klick gemacht und ich dachte: 'Jetzt hast du die Abläufe drin.' Das erste Jahr war okay – es war nicht schlecht, aber auch nicht brillant. Aber es ist ja gut, wenn man noch Luft nach oben hat."

In 42 Pflichtspielen war der Offensivspieler letztlich auf sieben Tore und 13 Vorlagen gekommen. Er fand aber nie so wirklich seinen Platz, Favre bot ihn auf fünf verschiedenen Positionen auf - "was nicht einfach war", wie Brandt zugab.

Der deutsche Nationalspieler agierte als Linksaußen, als Rechtsaußen, als offensiver Mittelfeldspieler hinter der Spitze und als zentraler Mittelfeldspieler dahinter. Auch als Mittelstürmer bot ihn Favre auf. Doch auf keiner Position war er zu 100 Prozent zufrieden mit Brandt, der sich folglich nicht im Team festspielte. Das könnte vor allem an seinem Defensivverhalten liegen.

Nur eine Gelbe Karte in 199 Spielen

Brandt steht für ansehnlichen Offensivfußball, hat Speed und eine gute Technik. Allerdings ist seinem Coach auch wichtig, dass seine Offensivspieler nach hinten arbeiten und ins Gegenpressing gehen. Diese beiden Disziplinen sind nicht gerade die Stärken des 24-Jährigen. 

"Ich werde nie so aggressiv – im positiven Sinne – wie Emre (Can) sein", sagte Brandt. "Ich habe in der abgelaufenen Saison auch oft als Sechser gespielt, aber ich bin kein Typ wie Axel (Witsel) oder Emre. Ich bin einer für den Raum dazwischen, spiele gerne nach vorne. Ich bin kein Abräumer. Das sieht man sicherlich auch an meiner Karten-Statistik."

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Eine Bilanz, die tatsächlich aussagekräftig ist. Nach dem Spiel gegen Mainz 05 hat Brandt nun bereits 199 Bundesligaspiele bestritten. Dabei hat er eine einzige Gelbe Karte gesehen. Manch einer attestiert ihm daher, dass er auf dem Platz einfach zu nett und auch nicht für den harten Konkurrenzkampf in der Mannschaft gemacht sei.

Ein Konkurrenzkampf, der in dieser Saison noch härter geworden ist. Mit Jude Bellingham kam ein Wunschspieler Favres nach Dortmund. Der 17-Jährige scheint schon nach der Vorbereitung ein höheres Standing beim Schweizer Trainer zu haben als Brandt. 

Ausfall von Hazard als einzige Chance?

Das zentrale Mittelfeld ist mit Witsel und Bellingham damit hochkarätig besetzt, und auch auf Brandts Lieblingsposition hinter der Spitze ist kein Platz. Dort setzte Favre zum Saisonstart auf Jadon Sancho und Giovanni Reyna - und dann ist da ja auch noch Marco Reus, der schon bald wieder topfit sein sollte. 

Brandts einzige Chance könnte sich auf außen bieten. Mit Thorgan Hazard hat sich Favres Linksaußen Nummer eins gegen Gladbach einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen - der Belgier fällt wochenlang aus. 

"Es ist für den Trainer wichtig, dass er weiß, dass ich vielseitig einsetzbar bin. In einer Saison verletzen sich Spieler nun mal. Ich habe kein Problem damit, dann auch mal einzuspringen", hatte Brandt in Bad Ragaz dazu gesagt. Die vielen Positionen, auf die ihn Favre in seiner ersten Spielzeit schickte, könnten nun also ein kleiner Vorteil für den deutschen Nationalspieler sein, da er den Linksaußen im BVB-System bereits gegeben hat. 

Falls sich Favre aber gegen Brandt entscheiden sollte - oder dieser seine Chance nicht nutzen sollte - wird sich vielleicht schon im Winter die Frage stellen, ob er und Dortmund noch so richtig zusammenfinden. 

Brandts Ex-Klub Bayer Leverkusen hat sich schon in diesem Sommer vorsichtig erkundigt, ob eine Rückkehr zur Werkself denn realistisch sei. Dabei soll es eine recht klare Absage gegeben haben. Falls sich nichts an Brandts Reservistenrolle ändert, ist die Hintertüre Leverkusen aber wohl offen.