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München - Bayern-Boss Rummenigge schürt die Hoffnung, dass Lucas Hernández im zweiten Anlauf durchstarten könnte wie Lizarazu. Aber die Konkurrenz wird noch härter.

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Karl-Heinz Rummenigge hat womöglich einen Fehler gemacht, das gibt er zu.

"Vielleicht haben wir ihm keinen Gefallen damit getan, ihm gleich so ein Prädikat überzustülpen", sagte der Vorstandschef des FC Bayern München im SPORT1-Interview über Lucas Hernández.

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Rummenigge hatte dem Franzosen attestiert, der beste Innenverteidiger der Bundesliga zu sein, noch bevor er sein erstes Spiel dort gemacht hatte. Der 80 Millionen Euro teure Rekordeinkauf konnte die Vorschusslorbeeren in seinem ersten Jahr nicht einlösen, Verletzungs-Rückschläge bremsten ihn aus.

Trotzdem ist der Bayern-Boss weiter zuversichtlich, dass der 24-Jährige die riesige Investition noch zurückzahlen wird. Ein Beispiel, das ihn ermutigt, ist ein prominenter Landsmann und Weltmeister-Kollege: Bixente Lizarazu.

Rummenigge sieht Parallelen zu Lizarazu

"Das erste Jahr war ein Drama", erinnert sich Rummenigge an die Anfänge des späteren Klubidols 1997: "Im ersten Jahr hatte er im Dezember eine Leisten-Operation und es ging nicht vorwärts. Im März 1998 stand er weinend in meinem Büro."

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Rummenigge und der damalige Manager Uli Hoeneß setzten sich als Reaktion auf Lizarazus Befürchtung, die WM zu verpassen, bei Nationaltrainer Aimé Jacquet für ihn ein: "Der Rest ist bekannt, Bixente wurde als Stammspieler Weltmeister. Anschließend ist er bei uns durch die Decke gegangen."

Folgt Hernandez ihm 22 Jahre danach auf diesem Weg?

Lucas Hernandez fand beim FC Bayern bisher nicht vollen Anschluss

Bislang ist dessen Bayern-Karriere von Blessuren überschattet: Zu Beginn hemmten ihn die Folgen einer Innenbandverletzung, die ihn schon sein letztes Halbjahr bei Atlético Madrid kostete.

Im Oktober 2019 riss dann in der Champions-League-Partie bei Olympiakos Piräus das Innenband im Sprunggelenk, er fiel bis Februar aus und fand auch danach nicht den vollen Anschluss: Auf der Linksverteidiger-Position hatte sich Alphonso Davies etabliert, in der Innenverteidigung David Alaba und der neu beflügelte Jérôme Boateng.

Dem 80-Millionen-Mann blieben oft nur Kurzeinsätze.

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Transfer so gut wie ausgeschlossen

Hat Bayern am Ende zu viel Geld für einen Spieler ausgegeben, den er doch nicht so dringend braucht?

Keinesfalls, ist Rummenigge weiterhin sicher: "Wir sind alle im Verein davon überzeugt, dass er der richtige Spieler ist, weil er als Linksverteidiger eine Top-WM 2018 und bei Atlético Madrid in der Innenverteidigung auf höchstem Niveau gespielt hat. Wir haben ihn seit der WM kontinuierlich gescoutet, und können mit ihm zwei Positionen abdecken."

Rummenigge mahnt zur Geduld und schließt einen Verkauf Hernandez' im Sommer so gut wie aus: "Wir werden ihm die Chance geben, seine Klasse im nächsten Jahr zu zeigen."

Konkurrenz wird noch härter

Hernandez muss sich diese Chance aber auch im internen Wettkampf erstmal verdienen: Auf der linken Seite wird Davies seinen Platz ungern wieder hergeben wollen - zumal für diesen die Konkurrenz in der Offensive nach der Verpflichtung von Leroy Sané noch größer geworden ist.

Im Abwehrzentrum wäre Alaba dann weiterhin Konkurrent, falls er nicht wechselt, Boateng entschließt sich womöglich ebenso zum Verbleib. Und dann wird dann auch noch ein gewisser Niklas Süle bald voll von seinem Kreuzbandriss genesen sein und Ansprüche anmelden.

Und sollte Bayern auch den Plan, einen neuen Rechtsverteidiger zu verpflichten, in die Tat umsetzen, kommt auch noch Benjamin Pavard wieder als Rivale hinzu. Und das neu verpflichtete, vielseitige Talent Tanguy Nianzou schielt ebenfalls auf Einsatzzeiten in der Innenverteidigung.

In dieser Konkurrenzsituation wird es prominente Härtefälle geben. Und 80-Millionen-Mann Hernandez wird alles geben müssen, um nicht weiter einer zu sein.