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München - Drei Spieltage sind es noch. Vor allem drei Vereine müssen noch im Abstiegskampf zittern. Bei SPORT1 sprechen drei Legenden dieser Klubs über die Situation.

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Drei Spieltage sind es noch. Und drei Vereine müssen in der Bundesliga noch gewaltig um den Klassenerhalt zittern: Mainz 05 als Tabellen-15., Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz und Werder Bremen auf dem vorletzten Rang. Der 1. FC Köln (12.), der FC Augsburg (13.) und Union Berlin (14.) können etwas entspannter in die letzten drei Partien gehen.

Der SC Paderborn, der seit dem vierten Spieltag immer auf einem direkten Abstiegsplatz stand, ist nach dem 1:5 zu Hause gegen Werder Bremen am vergangenen Samstag so gut wie abgestiegen. Den Ostwestfalen hilft nur noch ein Wunder.

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SPORT1 sprach mit drei Legenden der abstiegsbedrohten Klubs über die aktuelle Situation im Tabellenkeller.

Der CHECK24 Doppelpass in der englischen Woche - am Donnerstag ab 20.15 Uhr im TV auf SPORT1

Wie sehen Frank Rost (von 1992 bis 2002 Torwart bei Werder Bremen), Michael Thurk (spielte von 1999 bis 2004 und 2005/2006 insgesamt 202 Mal für Mainz 05) und Andreas "Lumpi" Lambertz (2003 bis 2015 und seit 2018 bei der U23 von Fortuna Düsseldorf) die Lage bei ihren Herzensklubs? Wie groß ist die Abstiegsangst, wie viel Hoffnung gibt es?

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Lambertz glaubt an die Mannschaft

"Eigentlich machen alle letzten Spiele - ausgenommen gegen die Bayern - Hoffnung. Man kann beziehungsweise muss sehr vielen Punkten hinterher trauern", sagt Lambertz. "Die Leistungen waren richtig gut. Vor allem gegen Paderborn, Köln und Hoffenheim hätte man jeweils drei Punkte einfahren können. Ich glaube an die Mannschaft, deshalb habe ich auch keine Angst vor dem möglichen Abstieg."

Am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) muss die Fortuna bei RB Leipzig antreten. "Sicherlich wird es kein einfaches Spiel", meint die Fortuna-Ikone (341 Einsätze). "Aber das Spiel gegen Dortmund hat gezeigt, dass auch da etwas zu holen gewesen wäre. Also würde ich das Spiel nicht von vornherein abschreiben."

Auch Thurks Mainzer enttäuschten im Spiel am vergangenen Spieltag daheim gegen die Augsburger. "Das hat man sich sicherlich ganz anders vorgestellt. Es sollte der große Schritt Richtung Klassenerhalt sein, aber manchmal kommt es eben anders", sagt der frühere Stürmer. "Trotzdem muss dieses Negativ-Erlebnis schnellstens abgeschüttelt werden, um - wenn es auch schwer fällt - positiv nach vorne zu schauen. Mainz 05 hat es noch immer selbst in der Hand."

Rost: "Sowas kann dir das Genick brechen"

Das haben die Bremer nicht mehr. "Werder hat nach dem Sieg in Paderborn und den drei Zu-Null-Spielen nach dem Re-Start überlebenswichtige Punkte gesammelt. Das gelingt zu Hause leider nicht so gut und das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison", sagt Rost. "Lediglich sechs Punkte stehen zu buche, sogar Tasmania Berlin war mit sieben Zählern besser. Werder ist die schlechteste Heimmannschaft seit Beginn der Bundesliga und das bei einer Zwei-Punkte-Regelung. Von daher wird es noch ein hartes Stück Arbeit zum Klassenerhalt."

Rost, der für Werder 203 mal im Tor stand, geht mit seinem Ex-Klub hart ins Gericht. "In der aktuellen Runde wurden von allen Seiten immer Ausreden gesucht. Es wurden viele taktische Fehler in der Defensive gemacht und Kohfeldt (Werders Trainer Florian Kohfeldt, d. Red.) hat immer wieder das Offensivspiel gefordert. Aber die Hausaufgaben musst du hinten machen. Das kannst du trainieren. So was kann dir das Genick brechen."

Während in Mainz und Düsseldorf der Trainer ausgetauscht wurde, hält man in Bremen in stoischer Ruhe - zumindest nach außen hin - weiter an Kohfeldt fest.

Rost hat auch hierzu eine klare Meinung. "Dass man so an Florian Kohfeldt festgehalten hat, war mal ein anderer Weg, aber das ergibt sich natürlich auch aus der finanziellen Situation von Werder. Vielleicht ist es auch mal ganz gut, dass man kein Geld zur Verfügung hat. Werder ist nicht auf Rosen gebettet, deswegen ist man gezwungen an Kohfeldt festzuhalten."

"Bei einem Abstieg wird seine Zeit vorbei sein"

Ob Kohfeldt den Abstiegskampf übersteht? "Er war nie Profi und Werder ist seine erste große Trainerstation, insofern muss er Lehrgeld zahlen. Für ihn wird es wichtig sein, diese Situation gut zu überstehen. Dann kommt er auch gestärkt daraus hervor. Bei einem Abstieg wird allerdings seine Zeit vorbei sein."

Lambertz will den Düsseldorfer Trainerwechsel "gar nicht beurteilen". Die Spielweise unter Uwe Rösler habe sich aber "schon verändert". Die Mannschaft spiele mutiger, es werde früher gepresst. "Die meisten Spiele waren doch sehr ansehnlich."

Lambertz bleibt daher weiter realistisch und hoffnungsvoll, was seine Fortuna angeht. Er sieht die Situation nicht dramatisch. "Dass es schwer wird nach der letzten Saison und nur das Ziel Klassenerhalt zählt, war klar. Das Einzige, was zu bemängeln ist, ist, dass man sich für die guten Leistungen nicht belohnt hat und die Punkte teilweise auch erst kurz vor Schluss verloren hat. Aber das wissen die Jungs auch selbst."

Lob für Ex-Trainer Schwarz

Und wie sieht Thurk den Trainerwechsel in Mainz? "Ich möchte und kann die Arbeit von Achim Beierlorzer nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, wie er mit den Jungs arbeitet. Ich kann die Arbeit von Sandro beurteilen, denn ich war in seinem Trainerstab", sagt der 44-Jährige über den Ex-Trainer der Mainzer, Sandro Schwarz, der am 10. November 2019 nach nur neun Punkten in den ersten elf Spielen dieser Runde entlassen wurde.

"Er hat eine gute Arbeit abgeliefert, nur leider stimmten die Ergebnisse nicht. Das liegt aber nicht immer am Trainer. Du kannst den besten Plan haben, wenn er aber nicht gut umgesetzt wird, ist er für die Katz."

Thurk sieht ein Problem im Saisonstart. "Die Mannschaft hat ein Riesen-Potenzial, aber um daraus Qualität werden zu lassen, musst du es auch abrufen und zwar nicht nur sporadisch. Natürlich war es am Anfang der Saison auch schwierig, auf Stürmer wie Mateta oder Ji zu verzichten. Hinzu kommt dann noch, dass wir uns in guten Spielen nicht mit Punkten belohnt haben."

Mainz 05 sei aber immer am stärksten gewesen, "wenn uns das Wasser bis zum Hals stand, und jetzt ist es wieder mal soweit". Thurk ist aber davon überzeugt, "dass die Mannschaft genug Potenzial hat, die nötigen Punkte zu holen. Bekommt die Mannschaft ihre PS auf die Straße, gehören sie da unten auch nicht hin, leider schafft sie es zu selten". Das Heimspiel gegen Werder am Samstag sei ein "Endspiel", betont Thurk. "Und das werden sie gewinnen."

Vorentscheidende Partie in Mainz

Rost sieht es für Werder ähnlich. "Man muss nach vorne schauen, das Spiel gegen die Bayern (Dienstag, ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) ist lediglich ein Bonus-Programm, da erwartet niemand etwas. Vielleicht ist das von Vorteil. In Mainz wird es extrem auf die Tagesform ankommen. Das wird ein vorentscheidende Partie."

Und weiter: "Ich glaube, wenn Werder es schafft, diese eklatanten Abwehrfehler abzustellen, dann kann man es hinkriegen. Selbst gegen Paderborn wurden hinten böse Fehler gemacht, das wird gegen bessere Mannschaften sofort bestraft."

Wen erwischt es am Ende? Ein Abstieg ist für Lambertz kein Thema. "Es wird keinen Abstieg geben, von daher brauchen wir uns auch keine Gedanken darüber machen, was das für Auswirkungen haben würde."

Auch Thurk glaubt nicht, dass sein Klub den bitteren Gang in die 2. Liga antreten muss. "Das wird nicht passieren."

Das hofft auch Rost für seine Bremer und ist zuversichtlich. "Im Schnitt hat Werder mehr als zwei Gegentore bekommen. Nach dem Re-Start gab es aus drei Spielen fünf Punkte. Das solide Spiel in der Abwehr sollte die Maßgabe für die letzten drei Spiele sein."

Klar ist: Einer von ihnen wird nicht recht behalten.