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SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp erwartet einen spannenden Re-Start der Bundesliga. Drei Punkte spielen seiner Meinung eine entscheidende Rolle.

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Am Wochenende geht es nach 65 Tagen "ohne" wieder los: Der Ball rollt durch die Bundesliga-Stadien. Die Corona-Zwangspause ist - zumindest vorübergehend - beendet. Läuft alles nach DFL-Plan und -Hoffnung, dann wird Ende Juni, dank eines nie erlebten Bundesliga-Sprints mit neun Spieltagen in sechs Wochen, der Deutsche Meister gekürt, die Europapokalteilnehmer gefunden sein und zwei Absteiger feststehen.

Es gibt drei Punkte, die den "ersten" Spieltag nach dem Re-Start besonders interessant machen! 

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Die neue Atmosphäre: Wer kommt mit der ungewohnten Null-Stimmung in den Arenen am besten klar? In der Branche wird darüber wild spekuliert, viele erwarten gerade für Mannschaften, für die die Unterstützung ihres Publikums einen entscheidenden Faktor darstellt, einen Wettbewerbsnachteil.

Union gegen Bayern um wichtige Waffe beraubt

Beispiel Union Berlin: Ein ausverkauftes Stadion An der Alten Försterei, eng, laut und einzigartig auf der Bundesliga-Landkarte, verlangt auch den größten Gegnern Höchstleistungen ab - nicht nur fußballerisch, sondern gerade mental, in Fokussierung, Konzentration und Ruhe bewahren. Das fällt weg. Ein Heimspiel ohne Publikum "beraubt" Union gegen die Größeren um eine wichtige Waffe. Sicher ein Vorteil zum Beispiel für die Bayern jetzt, die Union rein qualitativ natürlich deutlich überlegen sind.

Auch Werder Bremen, für die das Publikum in entscheidenden Phasen des Abstiegskampfs immer ein entscheidender Faktor war, könnte unter der neuen Situation leiden. Bayer Leverkusen wird es am Montag leichter haben im Weserstadion.

Das Training: Aus Leipzig und München ist zu hören, dass sie sich perfekt vorbereitet sehen auf den Neu-Start. Dank modernster, auch digitaler Trainingssteuerung und -analyse konnten die herausragend aufgestellten Budgetriesen auch während der Zwangspause auf Toplevel trainieren und sogar im taktischen Detailbereich arbeiten.

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Dazu kam bei vielen Spitzenklubs der große Experten- und Coachingstaff zum Tragen, zum Beispiel in Hoffenheim, Leverkusen oder beim BVB. In vielen Bereichen konnte mit Spielern weiter individuell und sogar konkret vorbereitend auf die kommenden Gegner gearbeitet werden.

Wer kann den Druck am besten verarbeiten?

Auch in Mönchengladbach und beim 1. FC Köln unter Markus Gisdol liefen die vergangenen Wochen so gut und beinahe perfekt organisiert ab, dass an beiden Standorten von einem starken Saisonendspurt fast schon ausgegangen wird.

Der Kopf: Wer schafft es, die schwierige und vor allem ungewohnte Situation, sowohl im persönlichen Alltag als auch jetzt auf dem Spielfeld, unter Druck, so zu verarbeiten, dass er in der Lage ist, frei aufzuspielen und starke Leistungen abzurufen? Mehrere Vereine haben zum Re-Start in zusätzliche psychologische Expertise investiert. Alle versuchen, die Aufmerksamkeit auf das sportliche Geschehen zu lenken.

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Beispiel Leipzig: Julian Nagelsmann schwört seine Spieler mit einem speziellen Trick auf die entscheidenden Wochen ein, weist im Interview mit dem Kicker zum einen darauf hin, dass "mehr Zuschauer denn je" die Spiele jetzt verfolgen werden, die leere Arena also nur eine subjektive Wahrnehmung darstellt. Zum anderen schickt Nagelsmann die RB-Stars in eine Art Turnier-Modus: "Das ist jetzt wie eine EM. Und die wollen wir gewinnen." Folge: Die Leipziger wirken heißer und motivierter als einige Mitstreiter, vor allem aber absolut bereit für die bevorstehenden Aufgaben.

Der "erste" Spieltag wird anders als alles, was wir in der Bundesliga bisher gesehen haben. Und er wird hochinteressant.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".