Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt geht im Supercup gegen den FC Bayern unter. Viele Schlüsselfiguren sind weg. Immerhin gibt es einen Hoffnungsträger.

von

Sehr spät am Abend, als das für die Bayern vorbehaltene Siegerpodest längst abgebaut war und sich die Fans auf dem Heimweg befanden, sprach Eintracht Frankfurts neuer Trainer im Bauch der Commerzbank Arena über die empfindliche Niederlage im Supercup.

Auch wenn es gegen die übermächtigen Bayern ging - er werde schon etwas lauter werden gegenüber den Spielern. Das gehöre nach so einem Spiel schließlich dazu, sagte Adi Hütter.

Vorstellen mag man sich das nur schwer, wie Hütter seine Mannschaft zur Räson ruft nach diesem derben 0:5.

Der 48 Jahre alte Österreicher gilt als höflicher und bodenständiger Mensch. Gehörig, wie man in seiner Heimat Vorarlberg zu sagen pflegt. Und damit ein ganz anderer Typ Mensch und Trainer als Hütters Vorgänger Niko Kovac, der seine Spieler gerne emotional anfasst und nun mit dem FC Bayern seinen ersten Titel feiern konnte.

"Ich wünsche der Eintracht alles Gute", sagte Kovac - nur zwei Stühle von Hütter entfernt.

ANZEIGE: Jetzt Fanartikel von Eintracht Frankfurt kaufen - hier geht es zum Shop

Hütter spricht von "Schuss vor den Bug"

Keine drei Monate ist es her, dass die Frankfurter unter Kovac im Finale von Berlin die Bayern bezwangen und den Pokal gewannen. Und doch wirkt es Welten entfernt. Denn seitdem hat sich viel verändert bei der Eintracht. Bedenkenträger meinen: nicht zum Guten.

Trainer Kovac weg, "Agressive Leader" Kevin-Prince Boateng und Torhüter Lukas Hradecky ebenso, dazu Omar Mascarell und Marius Wolf. Und auch Publikumsliebling Alexander Meier bekam keinen neuen Vertrag mehr. Es sind Schlüsselfiguren, die den Frankfurtern abhandengekommen sind.

Skeptiker erinnern schon an das Schicksal des 1. FC Köln, der in der vergangenen Saison ein wenig geblendet und zugleich doppelbelastet durch die Europa League aus der Bundesliga abstieg.

"Vielleicht war es zum richtigen Zeitpunkt der Schuss vor den Bug", sagte Hütter nach der Supercup-Pleite. Hütter gilt als kluger Analytiker. Die Young Boys Bern führte er diesen Sommer in der Schweiz zur ersten Meisterschaft seit 32 Jahren. Nun muss er in Frankfurt die richtigen Schlüsse ziehen.

Schlimmes Debüt für Torwart Rönnow

Noch nicht aufgehende Gleichungen gibt es im Spiel der Eintracht genügend. Der neue Torhüter Frederick Rönnow etwa erlebte ein Pflichtspieldebüt, das schlimmer nicht hätte ausfallen können. In der ersten Halbzeit war der dänische Neuzugang eher ein Fischer von trauriger Gestalt, lediglich dazu da, die Bälle aus dem Netz zu holen. An zwei Gegentoren trug Rönnow schlichtweg Mitschuld.

-----

Lesen Sie auch:

Salihamidzic kritisiert Frankfurt

Lewy-Gala lässt Kovac schwärmen

-----

"Er ist spät zu uns gekommen und hatte in der Vorbereitung auch Pech. Er hatte ja auch Knieprobleme", sagte Hütter über seinen neuen Schlussmann und fügte hinzu: "Er ist ein Torwart mit Talent, dem wir vertrauen."

Es gibt weitere Baustellen. Wer etwa kann Boateng ersetzen, die Mannschaft mitreißen und beflügeln? Lucas Torro, ebenfalls neu bei der Eintracht, konnte das gegen die Bayern noch längst nicht. Der 24 Jahre alte Spanier hatte genug mit sich selbst zu tun. Er wirkte im Mittelfeld eher wie ein staunender Statist, der zusah, wie die Bälle hierhin flogen und die Bayern dorthin liefen.

Rebic als Hoffnungsträger

Was oder wer also kann der Eintracht Hoffnung machen? Vor allem wohl Ante Rebic.

Dass der kroatische Vize-Weltmeister weiter in Frankfurt spielt, dürfen die Eintracht-Verantwortlichen durchaus als Punktsieg gegenüber den Bayern und anderen Interessenten verbuchen. Auch wenn die Frankfurter dafür tief in die Tasche greifen müssen: Von einem Jahresgehalt über drei Millionen Euro ist die Rede.

"Wir haben alles reingelegt, was wir reinlegen können", sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Weil Rebic nach der WM noch Trainingsrückstand hat, wurde der Stürmer im Supercup erst nach über einer Stunde eingewechselt. Bewirken konnte er nichts mehr. Das soll und muss sich in den nächsten Wochen ändern.