WWE-Vorstände Stephanie McMahon und Triple H ROH Ring of Honor
Ziehen die WWE-Vorstände Stephanie McMahon und Triple H einen großen Deal an Land? © Imago

München - Verändert WWE einmal mehr die Wrestling-Landschaft? Die Showkampf-Liga will offenbar die Independent-Liga ROH kaufen, Geheim-Verhandlungen laufen.

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Es wäre ein Geschäft, mit dem WWE einmal mehr die Wrestling-Landschaft verändern würde.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge plant das weltgrößte Showkampf-Unternehmen den Aufkauf der wichtigsten US-Independent-Liga der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte: Ring of Honor (ROH).

Wie die Fachportale Pro Wrestling Sheet und der Wrestling Observer melden, hat WWE vor mehreren Monaten bislang geheime Gespräche mit der Sinclair Broadcast Group, der Eigentümer-Firma von ROH aufgenommen. Ziel sei eine vollständige Übernahme von ROH und eine Einverleibung des TV-Programms von ROH, das dann künftig über die Streaming-Plattform WWE Network laufen sollte.

Beide Medien betonen, dass der Ausgang der Gespräche offen ist. Auf Nachfrage haben weder WWE noch Sinclair die Berichte dementiert, was die Gerüchteküche zusätzlich anheizt. Der US-Sender CBS allerdings setzt einen anderen Schwerpunkt: Er zitiert zwei ungenannte Quellen, die behaupten, es werde keinen Verkauf geben.

Sprungbrett für viele WWE-Stars

Die Liga ROH wurde 2002 gegründet, kurz nachdem WWE mit dem Kauf der früheren Konkurrenzligen WCW und ECW zum Monopolisten geworden war.

ROH verstand sich nie als direkter WWE-Rivale, sondern als puristischere Alternative für Fans, denen WWE zu entertainment-geladen ist.

Bei ROH machten sich zahlreiche spätere WWE-Stars einen Namen, unter ihnen CM Punk, Daniel Bryan, Seth Rollins, Kevin Owens, Sami Zayn, Cesaro und Samoa Joe. Karrieren, die ohne den Erfolg von ROH wohl nicht möglich gewesen wären.

Die WWE-Rivalen Sami Zayn (u.) und Kevin Owens bekriegten sich schon bei ROH
Die WWE-Rivalen Sami Zayn (u.) und Kevin Owens bekriegten sich schon bei ROH © WWE 2016 All Rights Reserved

Genau das macht einen Kauf für WWE attraktiv: Die Liga von Vince McMahon bekäme so nämlich auch die Videorechte an den alten Kämpfen der besagten Stars. Diese ließen sich über das Network und künftige DVD-Projekte lukrativ verwerten.

Aus ähnlichen Gründen hoffte die McMahon im vergangenen Jahr auf einen Kauf der zweitgrößten US-Liga Impact Wrestling (TNA), der sich dann aber zerschlug.

Was würde aus ROH?

Was dann aber aus ROH würde, sollte es trotz der anonymen Dementis zu einem Deal kommen? WCW und ECW waren nach dem Kauf durch WWE schnell Geschichte, Jahre später versuchte WWE ein verwässertes Revival der Kult-Liga ECW, das mit dem rebellischen Ursprungskonzept allerdings nur noch wenig zu tun hatte.

So muss es nicht noch einmal laufen, WWE gilt inzwischen als offener für andere Einflüsse - nicht zuletzt dank des zunehmenden Einflusses der neuen McMahon-Generation mit Tochter Stephanie und deren Ehemann Paul Levesque (Triple H). Gerade die von Triple H maßgeblich verantwortete Show NXT, wo die Nachwuchstalente und Neuverpflichtungen von WWE auftreten, ist dem ROH-Konzept schon ziemlich nahe.

Eine Independent-Liga im eigentlichen Sinne wäre ROH unter dem WWE-Banner aber definitiv nicht mehr, auch personelle Auswirkungen wären kaum vermeidbar.

Aktuell sind bei ROH Talente wie Adam Cole, Dalton Castle und Will Ospreay aktiv, dazu zahlreiche Indy-Veteranen wie Christopher Daniels, Jay Lethal und die Briscoe-Brüder und auch ehemalige WWE-Stars wie Cody Rhodes und Bully Ray (Bubba Ray Dudley). Auch die von WWE heiß umworbenen Matt und Jeff Hardy haben derzeit einen Kurzzeit-Deal mit ROH.

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