Das 1:1 im Gruppenspiel legt Stärken und Schwächen der beiden Finalteilnehmer offen. SPORT1 zeigt, wie die DFB-Auswahl gegen Chile den Confed Cup gewinnen kann.

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Im Finale des FIFA Confederations Cups kommt es für die deutsche Auswahl am Abend in St. Petersburg zum Wiedersehen mit Chile (ab 20 Uhr im LIVETICKER).

"Es wird sicher einen Abnutzungskampf geben, wir werden alle Hände voll zu tun haben, zu verteidigen", sagt Joachim Löw. "Das wird unheimlich schwer. Chile ist der stärkste Gegner im Turnier." Es gilt, die richtigen Konsequenzen aus dem 1:1 von Kasan zu ziehen.

SPORT1 nennt fünf Lehren aus dem Gruppenspiel.

- Gegenhalten in der Anfangsphase:

Im Gruppenspiel legten die Chilenen los wie die Feuerwehr, die deutsche Mannschaft kam nach dem Anpfiff kaum zum Luftholen. "Wir haben die ersten 15 Minuten verschlafen", gibt Kapitän Julian Draxler zu.

Nach dem frühen 1:0 durch Alexis Sanchez hätte es in Kasan noch mehrfach einschlagen können. "Wir dürfen uns in der Anfangsphase nicht noch einmal so überrumpeln lassen", fordert Leon Goretzka. Mit dem Blitzstart gegen Mexiko lieferte das deutsche Team ein Beispiel, wie es gehen kann. Flucht nach vorne ist die Devise.

- ter Stegen mit einbinden:

Das aggressive Angreifen von Alexis Sanchez, Arturo Vidal und Co. brachte die DFB-Elf beim Spielaufbau in arge Verlegenheit. Konsequenz war das frühe Gegentor des Arsenal-Stars (6.).

Weil alle Anspielstationen für einen Kurzpass zugestellt waren, produzierte Shkodran Mustafi den folgenschweren Fehlpass. Als später Torhüter Marc-Andre ter Stegen als gleichwertige Option ins Aufbauspiel einbezogen wurde, brannte es nicht mehr ganz so oft.

Der Schlussmann löste einige Situationen mit seiner fußballerischen Klasse. "Marc hat eine unglaublich gute Spielauslösung", schwärmt der Bundestrainer. Diese Stärke sollte das DFB-Team nutzen.

- Pressing überspielen:

In Kasan ließ sich die deutsche Mannschaft zu Rückpässen drängen, die in letzter Konsequenz Matthias Ginter und Mustafi in Not brachten. Hatten sie den Ball, attackierten die Chilenen. "Wir müssen die sehr gute flexible Offensive von Chile in Schach halten und zugleich eigene Chancen kreieren", sagt Löw. "Das haben wir beides im Gruppenspiel nicht gut genug gemacht."

Schaffte es Deutschland, die erste Pressingwelle der Südamerikaner zu überspielen, taten sich wie vor dem Tor zum 1:1 (41.) ungeahnte Räume auf. Das probate Mittel: Dreiecke für das Passspiel bilden, möglichst auf den Außenpositionen, damit Chiles Angreifer bei einem Ballverlust nicht gleich blank vor dem Tor stehen.

Joshua Kimmich und Jonas Hector kommt dabei also entscheidende Bedeutung zu.

Jochen Stutzky (l.) und Martin van de Flierdt berichten für SPORT1 vom FIFA Confederations Cup © SPORT1

- Seitenwechsel einstreuen:

Als alternatives Mittel gegen die aufgerückten Chilenen wären lange Diagonalbälle sinnvoll. Die von den Südamerikanern in Kauf genommenen freien Räume auf der dem Ball abgelegenen Platzseite könnte Timo Werner mit seiner Geschwindigkeit nutzen.

Setzt Löw eher auf das Ballfestmachen, wäre Lars Stindl die erste Option. Sandro Wagner, der den chilenischen Abwehrspielern schon an Körperlänge deutlich überlegen wäre, könnte die Kugel ebenfalls für nachrückende Mitspieler ablegen.

"Wagner und Werner zusammen ist schon auch eine Option", sagte Löw bereits vor dem Halbfinale. Gezogen hat er sie noch nicht. "Es wird wichtig", sagt er voraus, "dass wir offensiv Druck machen und die Chilenen in Schwierigkeiten bringen."

- Goretzka auf die Acht

Der Schalker agierte im ersten Aufeinandertreffen gemeinsam mit Draxler hinter der einzigen Spitze Stindl. Dort war er anders als gewollt komplett mit Defensivarbeit gebunden und seiner großen Stärken beraubt. Kommt er von der Sechser- oder Achterposition, hat Goretzka das Feld vor sich - und startet in die freien Räume.

"Was seine ganz große Qualität ausmacht ist, dass er auch diese Wege geht", preist Löw den dreimaligen Turniertorschützen. "Beim 2:0 gegen Mexiko kommt er aus dem Mittelfeld - diesen Laufweg zu machen, ist das Entscheidende. Dann ist er schwer zu verteidigen." Löw wird diesen Trumpf nicht noch einmal ungenutzt lassen.

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