Pius Paschke flog in der Qualifikation 221 Meter
Pius Paschke flog in der Qualifikation 221 Meter © Imago
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München - Für die deutschen Skispringer steht mit der Skiflug-WM der erste Saison-Höhepunkt an. DSV-Hoffnung Pius Paschke spricht bei SPORT1 u.a. über Eisenbichler und Corona.

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Mit der Skiflug-WM im slowenischen Planica (10. bis 13. Dezember, alle Springen im LIVETICKER) steht der erste Saison-Höhepunkt der Skispringer an.

Markus Eisenbichler führt das deutsche Aufgebot an und gewann gleich die Qualifikation am Donnerstag, Bundestrainer Stefan Horngacher darf zudem wieder auf Vizeweltmeister Karl Geiger bauen, der zuletzt den Weltcup im russischen Nischni Tagil ausgelassen hatte, da seine Frau das erste gemeinsame Kind erwartete. Der Nachwuchs war zwar am Mittwoch immer noch nicht auf der Welt, Geiger aber schon in Planica.

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Für den Einzelwettbewerb ist auch Routinier Pius Paschke gesetzt, der sich mit zuletzt guten Leistungen empfehlen konnte. Mit dem fünften Platz in Russland feierte der 30-Jährige jüngst sein bestes Weltcup-Ergebnis.

Im Interview mit SPORT1 blickt Paschke auf das Event in Slowenien, spricht über seine Chancen und verrät, was von seinem Kollegen Eisenbichler zu erwarten ist.

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SPORT1: Normalerweise findet die Skiflug-WM eher Richtung Ende des Winters statt. Wie gehen Sie damit um, dass das Event bereits so früh in der Saison stattfindet? (Kalender der Skisprung-Saison 2020/21)

Pius Paschke: Eigentlich ganz gut. Für mich ist es eh das erste Großereignis, von daher kann ich es auch nicht mit anderen vergleichen. Diesmal steht das Skifliegen bereits im Dezember an, was sonst frühestens im Januar stattfindet. Aber das ist nicht das große Problem.

Paschke, Eisenbichler und Geiger gesetzt

SPORT1: Wo steht Ihr persönlicher Rekord beim Skifliegen und ist es Ihr Ziel, diesen am Wochenende zu verbessern? 

Paschke: Den habe ich letztes Jahr am Kulm aufgestellt und der liegt bei 220,5 Meter. Da ist noch Luft nach oben. Aber letztes Jahr sind dann noch zwei Skifliegen auf Schanzen, auf denen mehr drin gewesen wäre, ausgefallen. Daher hoffe ich schon, dass ich den Wert dieses Jahr noch nach oben schrauben kann. Es wäre schön, wenn ich die Schanze ein bisschen weiter ausfliegen könnte – sagen wir mal 250 Meter wären möglich. (Anmerkung: Das Interview wurde vor der Qualifikation am Donnerstag geführt, als Paschke auf 221 Meter flog)

SPORT1: Welche Chancen rechnen Sie sich in Planica persönlich aus?

Paschke: Ich selbst möchte einfach versuchen, gut reinzukommen. Das wäre ganz wichtig, es ist ja doch was anderes als Skispringen. Ansonsten befinde ich mich in einer guten Form, eigentlich so gut wie noch nie. Von daher hoffe ich, dass ich in dem Bereich mitspringen kann, in dem ich auch die letzten Wochen unterwegs war. Ich denke, das ist auch möglich.

SPORT1: Und wie stehen die Chancen der deutschen Mannschaft in Sachen Medaillen? 

Paschke: Markus (Eisenbichler; Anm. d. Red) ist in einer super Form und auch ein starker Skiflieger. Er wird sicherlich vorne mitmischen. Als Team sind wir auch sehr gut aufgestellt. Mannschaftlich haben wir diesen Winter schon gezeigt, dass wir gut drauf sind. Ich denke schon, dass wir um die Medaillen mitkämpfen.

Paschke über Horngacher: "Sind auf einer Wellenlänge"

SPORT1: Sie springen im Alter von 30 Jahren so erfolgreich wie noch nie. Wie erklären Sie sich das?  

Paschke: Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Grundlegend war es so, dass ich mich schon in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt habe. Ich habe einen Weg für mich gefunden, wie ich Schritt für Schritt besser werden kann. Im Vergleich zu anderen habe ich die letzten Jahre einiges zum Aufholen gehabt. Letztes Jahr bin ich schon so gut gesprungen wie nie, der Sommer war auch sehr gut und ich konnte mich noch weiterentwickeln. Das hing einfach mit der täglichen Arbeit im Kraftraum und auf der Schanze zusammen.

SPORT1: Welche Rolle spielt dabei Trainer Stefan Horngacher? 

Paschke: Schon eine recht große. Im letzten Sommer war ich noch in der B-Mannschaft und habe mit Christian Winkler und Andreas Mitter trainiert – zwei Trainer, die ich auch sehr schätze. Damals konnte ich schon gut arbeiten. Seit letztem Herbst trainiere ich mit Stefan. Das gefällt mir wirklich gut, die Abstimmung im gesamten Trainerteam funktioniert ohne Reibungsverluste, die Philosophie ist klar erkennbar und mit Steff komme ich sehr gut klar. Die Art und Weise wie er trainiert, finde ich gut. Wir sind schon auf einer Wellenlänge. Man hat im Sommer gesehen, dass es mir bereits geholfen hat, dass er für mich zuständig ist.

Pius Paschke springt im Alter von 30 Jahren so gut wie nie zuvor
Pius Paschke springt im Alter von 30 Jahren so gut wie nie zuvor © Imago

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SPORT1: Haben Sie im Vergleich zu vor dieser Saison etwas verändert an Ihrem Sprung? 

Paschke: Wir haben ein bisschen etwas umgestellt. Das hat soweit gut funktioniert. Es ist immer noch Luft nach oben, aber ich bin auf einem guten Weg. Und wir haben ein Konzept gefunden, welches bei mir funktionieren kann.

Paschke adelt Eisenbichler: Einer der besten Springer

SPORT1: Was macht Markus Eisenbichler momentan so stark und glauben Sie, dass er diese Saison um alle Titel, die zu vergeben sind, mitkämpfen wird? (Skispringen: Stand im Gesamtweltcup)

Paschke: Das Potenzial hat er auf jeden Fall. Das hat er gezeigt, auch letzten Sommer. Er ist konstant gesprungen, war auf einem guten Niveau. Er und Granerud (Halvor Egner; Anm. d. Red.) sind die besten Springer, die es aktuell gibt. Eine Saison ist lang und es kommt darauf an, wie gut man durch die Monate kommt. Aber er kann auf jeden Fall überall um die Titel mitkämpfen.

SPORT1: Die vergangenen Wochen waren von Corona-bedingten Ausfällen im Weltcup geprägt. Geht es diese Saison noch fair zu? 

Paschke: Das ist schwer zu beurteilen. Es kann auch uns mal treffen, dass Leute daheimbleiben müssen. Man hat jetzt schon die Erfahrung gemacht, dass einige Athleten gefehlt haben. Dann ist es nicht das Gleiche, wie wenn alle den gesamten Winter durchspringen. Aber wir gehen alle verantwortungsvoll mit der Situation um, so ist es dann die beste Lösung.

SPORT1: Ist Ihre Vorfreude auf die Vierschanzentournee dieses Jahr gedämpft oder bewirkt Ihr sportlicher Höhenflug sogar das Gegenteil? 

Paschke: Gedämpft ist die Vorfreude nicht. Natürlich wäre es schöner, wenn wir in Oberstdorf und Garmisch vor heimischem Publikum springen könnten. Das ist für uns neben Willingen immer das Highlight. Aber generell steht immer die sportliche Leistung im Vordergrund. Wenn man da Erfolge feiern kann, ist das auch ohne Zuschauer viel wert. Meine Motivation ist also nicht geringer.