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Vor der eigenen Haustür beginnt Karl Geiger das Abenteuer Vierschanzentournee. Mit seiner Heimschanze hat der Oberstdorfer dabei noch eine Rechnung offen.

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Karl Geiger kennt in Oberstdorf jede Straße, jede Kapelle, jeden Wanderweg.

"Ich bin hier tief verwurzelt. Ich bin in Oberstdorf geboren und aufgewachsen. Das ist Heimat für mich", sagt der Urbayer, wenn er über die Marktgemeinde am Fuße des mächtigen Nebelhorns spricht. Genau dort, vor der eigenen Haustür, startet die deutsche Skisprung-Hoffnung am Wochenende als Mitfavorit in die 68. Vierschanzentournee.

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Schon als Kind stand Geiger an der über Oberstdorf thronenden Schanze, als sein Idol Martin Schmitt zum Sieg flog. Nun werden, wieder einmal, alle Augen auf ihn gerichtet sein. Der 26-Jährige kennt diese Situation, doch in diesem Jahr ist etwas anders: Geiger wirkt so locker, so cool, und vor allem so stabil wie nie. Die Rolle des Mitfavoriten "nehme ich gerne an", sagt er vor der Qualifikation am Samstag (Vierschanzentournee: Qualifikation in Oberstdorf, ab 16.30 Uhr im LIVETICKER) selbstbewusst.

Schmitt und Schuster trauen Geiger einiges zu

Geiger mag in diesem Winter noch kein Springen gewonnen haben. Doch die Geschichte zeigt: Konstanz ist bei der Tournee mindestens ebenso wichtig. Und über diese verfügt Geiger zu Genüge, nie war er bislang schlechter als Rang sieben. Während sich Konkurrenten wie Kamil Stoch oder Stefan Kraft Ausreißer nach unten leisteten, flog Geiger verlässlich wie ein Uhrwerk. Tourneesieger ohne Tagessieg gab es in der Vergangenheit zur Genüge.

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Kann der so ruhige, bodenständige Geiger also die lange Durststrecke beenden und erster deutscher Gesamtsieger seit Sven Hannawalds Grand Slam 2001/02 werden? Martin Schmitt hält das zumindest für möglich. "Die Top drei sollten definitiv machbar sein. Ich erhoffe mir natürlich, dass er um den Sieg mitspringt und es bis zum Schluss spannend hält", sagt TV-Experte Schmitt im Eurosport-Interview.

Auch Ex-Bundestrainer Werner Schuster traut seinem ehemaligen Schützling viel zu. "Bei Karl ist toll anzusehen, wie er sich stetig weiterentwickelt hat und noch stabiler gestartet ist als letztes Jahr", sagte Schuster im SID-Interview und fügte an: "Er hat eh noch eine Rechnung mit der Tournee offen." In der Tat: Mehr als Rang elf hat Geiger beim Ritt über die vier Schanzen noch nicht erreicht.

Geiger hat noch Rechnung mit Oberstdorf offen

Das gilt auch für den Auftakt auf seiner Heimschanze: 51, 51, 38, 26, 27, 17 und 12 lauten dort seine bisherigen Platzierungen. "Am Anfang war es nicht leicht, als junger Sportler vor heimischem Publikum und ausverkauftem Haus. Da will man es besonders gut machen", sagt Geiger. Nun aber sei er gereift: "Die gute Kulisse, die wir haben, ist ein Privileg. Das will ich aufsaugen, das motiviert mich. Ich weiß, dass ich gut in Form bin."

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Vielleicht also zahlt sich der Oberstdorf-Vorteil endlich einmal aus. Dort, wo mehr Geigers als Müllers und Meiers wohnen, fühlt Karl Geiger sich schließlich pudelwohl. "Wenn man die Bergkulisse vor sich aufsteigen sieht, merkt man, wie schön es daheim ist", sagt der Hobby-Harmonika-Spieler.

Fast schon schade, dass es danach weiter nach Garmisch-Partenkirchen geht.