Stefan Horngacher (l.) und Adam Malysz betreuen gemeinsam die polnischen Skispringer
Stefan Horngacher (l.) und Adam Malysz betreuen gemeinsam die polnischen Skispringer © Imago
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Werner Schuster verlässt die deutschen Skispringer. Der DSV hat einen Nachfolger im Auge, dessen Vorgesetzter will aber nicht kampflos aufgeben und stichelt.

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Wenn Blicke töten könnten, dann wäre Stefan Horngacher gemeingefährlich. Als Polens Chefcoach beim Oberstdorfer Skiflug-Wochenende (dritter Wettbewerb um 16 Uhr im LIVETICKER) seinen Schützling Kamil Stoch von der Jury benachteiligt wähnte, wirkte es kurz so, als wolle er sich wutentbrannt vom Trainerturm stürzen.

Machte Horngacher natürlich nicht, denn eigentlich ist der mitunter so grimmig dreinblickende Steirer ein durchaus umgänglicher Typ - und vor allem ein hochbegehrter Fachmann.

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Deshalb dürften die Macher im Deutschen Skiverband, die einen Nachfolger für den zum Saisonende scheidenden Bundestrainer Werner Schuster suchen, hocherfreut vernommen haben, dass ihnen Horngacher fast schon eine Liebeserklärung machte. "Mein Wunsch war es immer, zum DSV zurückzukehren", sagte er der ARD: "Lust hat man immer, für den DSV zu arbeiten, das ist auch eine große Ehre." Na also.

Keine konkreten Verhandlungen

Freilich: Konkret werden beide Parteien noch nicht, was eine erneute Zusammenarbeit ab dem 1. Mai angeht. Der deutsche sportliche Leiter Horst Hüttel verweist auf Horngachers Vertrag in Polen (der allerdings zum Saisonende ausläuft), Horngacher selbst darauf, dass er erst nach der WM (ab 19. Februar) Gespräche führen will und dann zuvorderst mit Polens Verband.

Stefan Horngacher trainierte zuvor die polnischen Skispringer
Stefan Horngacher ist Cheftrainer der polnischen Skispringer © Getty Images

Jedoch passt alles zu gut. Der "Steff", bereits von 2008 bis 2016 in Diensten des DSV und fünf Jahre Schusters Co-Trainer, betonte stets, wie sehr ihm die Arbeit in Deutschland gefallen habe. Zudem hat die Familie Horngacher - Stefan, Ehefrau Nicole und zwei Kinder - weiterhin ihren Hauptwohnsitz in Titisee-Neustadt im Schwarzwald.

Weil das Thema Horngacher hochkocht, wird Adam Malysz zunehmend nervös. Der ehemalige Skisprung-Volksheld und heutige polnische Sportdirektor schickte freundliche Grüße ans Nachbarland.

Malysz will mit Horngacher verlängern

"Es ist wohl deutsche Meinung, dass Stefan schon mit einem Bein bei ihnen ist. Sie werden Druck auf ihn ausüben, damit er zu ihnen kommt - zumal sie keine Alternative haben, weil es bei ihnen keine Trainer dieses Formats gibt", sagte Malysz im polnischen Eurosport: "Wir möchten nicht, dass Stefan geht, und werden mit ihm über eine Verlängerung sprechen."

Das Empfehlungsschreiben seines potenziellen Vorgängers hat Horngacher indes. "Stefan ist natürlich der logische Kandidat. Er und ich haben acht Jahre zusammengearbeitet. Er ist ein fantastischer Trainer, das hat er in Polen und Deutschland bewiesen", sagte Schuster in Oberstdorf über seinen langjährigen Weggefährten.

Schuster und Horngacher verbindet viel, beide sind Österreicher, 49 Jahre alt und verfolgen einen innovativen, ganzheitlichen Trainer-Ansatz. Und doch sind es gänzlich verschiedene Typen.

Horngacher schottet sich ab

Schuster ist ein Meister der Kommunikation, redet viel und gut und öffentlich. Horngacher pflegt knappe, aber bestimmte Rhetorik. Im skisprungverrückten Polen, wo mitunter hunderte Schlachtenbummler das Teamhotel belagern, hat er gelernt, sich und seine Springer abzuschotten.

In Polen arbeitete Horngacher mit vorhandenen Strukturen, verzichtete auf einen Landsmann als Co-Trainer, würde folgerichtig auch keinen mit nach Deutschland bringen. Schusters hochverdienter Stab könnte Horngachers werden, niemand müsste weggelobt werden - vielleicht das entscheidende unter vielen guten Argumenten für den "Steff".

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