FIS Nordic World Ski Championships - Women's Ski Jumping Competition
Die DSV-Damen konnten über das erste Team-Gold in der Geschichte jubeln © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten

Die deutschen Skisprung-Damen schreiben Geschichte. Bei der Nordischen Ski-WM gewinnt das Quartett in Seefeld das erste WM-Teamspringen der Geschichte.

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Die "Golden Girls" um Katharina Althaus und Carina Vogt schritten nach ihrem historischen Skisprung-Coup würdevoll über den Roten Teppich zur Siegerehrung, selbst Bundestrainer Andreas Bauer verdrückte bei der Nationalhymne ein Tränchen.

"Ich habe schon viele Goldmedaillen gewonnen. Aber das ist die schönste, weil wir sie als Mannschaft gewonnen haben", sagte Bauer, nachdem seine Mädels die deutsche Schanzenparty von Seefeld mit dem Sieg bei der WM-Teampremiere fortgesetzt hatten.

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Beim dritten Triumph im dritten Skispringen dieser so rauschenden Tiroler Titelkämpfe zeigten die deutschen Fliegerinnen eine nervenstarke Vorstellung, füllten ihre Favoritenrolle furios aus und zwangen Österreich sowie Norwegen in die Knie.

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Althaus, die nun fünfmalige Weltmeisterin Carina Vogt sowie Juliana Seyfarth und Ramona Straub hätten eine gepflegte Fete redlich verdient gehabt. Doch gerade als Althaus "ein Gläschen Sekt" herbeisehnte, erstickte Bauer auch die leisesten Partypläne gnadenlos.

"Heute Abend muss ich leider die Spaßbremse spielen", sagte der Meistermacher mit Blick auf das Einzelspringen 24 Stunden später - dort könnte nämlich schon der nächste Coup folgen, schließlich scheint in Seefeld derzeit alles zu gelingen: Das Frauen-Gold war bereits das fünfte für den Deutschen Skiverband in Seefeld.

Deutschland auf Rekord-Kurs

"Das war heute ein großer Tag für unser Team und unseren Sport. Wir sind einfach nur glücklich", sagte Vogt, nachdem Schlussspringerin Althaus in einem packenden Wettkampf den Sieg vor Österreich und Norwegen perfekt gemacht hatte.

"Ich war brutal nervös, aber es hat soviel Spaß gemacht", sagte die Olympiazweite Althaus, die überglücklich mit Vogt, Ramona Straub und Juliana Seyfarth auf das Siegerpodest kletterte.

Nach dem Doppelschlag durch Markus Eisenbichler und das Männer-Team war es der dritte Sieg im dritten Skisprung-Wettkampf sowie das insgesamt fünfte Gold in Seefeld für das deutsche Team, das weiter einer Rekord-WM entgegensteuert. "Das war Werbung für das Frauen-Skispringen. Wir sind der verdiente Sieger, auch wenn es beileibe kein Selbstläufer war", sagte DSV-Präsident Franz Steinle. (Medaillenspiegel der Nordischen Ski-WM)

Straub wird zum entscheidenden Faktor

Das Endergebnis - Deutschland lag mit 898,9 Punkten umgerechnet knapp zehn Meter vor Österreich (880,3) und Norwegen (876,9) - spiegelte nur ansatzweise die Spannung wider. Bundestrainer Andreas Bauer musste erst einmal tief durchschnaufen.

"Es war sehr emotional, die Mädels haben grandiose Sprünge rausgehauen. Nach dem Sieg bei der Olympia-Premiere 2014 durch Carina hat es wieder geklappt, irgendwie sind wir für Premieren gemacht", sagte der Erfolgscoach.

Vogt (Degenfeld/99,0+92,5 m), Althaus (Oberstdorf/104,5+99,5), Seyfarth (Ruhla/98,0+95,0) und Straub (Langenordnach/106,0+100,0) zeigten vor 3400 Zuschauern einen Wettkampf mit Höhen und Tiefen, in dem die überraschend starke Straub zum Matchwinner wurde. "Ich wusste, es muss gehen. Jetzt ist es ein super Gefühl", sagte sie.

Neben der souveränen Althaus zeigten auch ihre großen Kontrahentinnen im Einzelwettbewerb am Mittwoch (Nordische Ski-WM: Damen Skispringen, ab 16.15 Uhr im LIVETICKER) einen starken Wettkampf ab.

Norwegens Olympiasiegerin Maren Lundby (108,0+100,5) und Daniela Iraschko-Stolz aus Österreich (104,5+96,5) unterstrichen ihre Medaillen-Ambitionen.

Wettbewerb erst vor drei Wochen ins WM-Programm aufgenommen

Der Teamwettkampf war kurzfristig und durchaus überraschend nur drei Wochen vor WM-Beginn von den Organisatoren ins Programm von Seefeld aufgenommen worden. "Der Bewerb kostet uns 150.000 Euro, aber das machen wir gerne, weil wir auch Medaillenchancen haben", sagte Österreichs Verbandspräsident Peter Schröcksnadel, der sich gerne als großer Förderer der Springerinnen sieht.

Allerdings war es in Sachen Preisgeld mit der angestrebten Gleichberechtigung nicht weit her. 5000 Franken (4400 Euro) kassierte das Frauen-Siegerteam am Dienstag, für die Männer gab es am Sonntag das Siebenfache (35.000 Franken/30.800) Euro.

Im Einzel ist der Unterschied nicht ganz so groß: Die Siegerin am Mittwoch erhält 8000 Franken (7040 Euro), Weltmeister Eisenbichler strich am Samstag 28.750 Franken (25.300 Euro) ein.

Mit der Einführung des Frauen-Teamspringens ist eine der letzte Männer-Bastionen gefallen, die allerletzten sollen zur WM 2021 in Oberstdorf genommen werden: Dort findet erstmals ein Kombinations-Wettkampf der Frauen statt, zudem ist ein Spezialspringen von der Großschanze angedacht.

"Wir sind weit gekommen. Irgendwann wird die komplette Gleichstellung zu den Männern kommen, dann wird es auch eine WM-Entscheidung auf einer Großschanze geben", sagte Bundestrainer Bauer.