Am Bergisel in Innsbruck scheiterte schon so mancher deutscher Traum bei der Vierschanzentournee
Am Bergisel in Innsbruck scheiterte schon so mancher deutscher Traum bei der Vierschanzentournee © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
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München - Markus Eisenbichler hat realistische Chancen auf den Gesamtsieg der Vierschanzentournee. Doch in Innsbruck sind diese Hoffnungen bereits für einige DSV-Adler geplatzt.

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Deutschland ist im Skisprung-Fieber!

Verantwortlich dafür ist Markus Eisenbichler. Nach den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen liegt der 27-Jährige in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee nur minimal hinter Doppelsieger Ryoyu Kobayashi aus Japan (SERVICE: Die Gesamtwertung der Vierschanzentournee)

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Die historische Chance auf den ersten deutsche Tourneesieger seit Sven Hannawald (2001/2002) ist so realistisch, wie seit langem nicht mehr.

Doch Vorsicht! Am Freitag steht das dritte Springen am Bergisel in Innsbruck (Vierschanzentournee: Springen in Innsbruck Fr. 14 Uhr im LIVETICKER) an. So malerisch die Schanze über den Dächern von Innsbruck gelegen ist, so viele Tücken hat sie auch parat.

Diese Erfahrung mussten in der Vergangenheit auch einige deutsche Springer machen. SPORT1 zeigt, warum der Bergisel die deutsche Horror-Schanze ist.

- 2018: Freitag stürzt in aussichtsreicher Position

Was Eisenbichler in diesem Jahr ist, war Richard Freitag im vergangenen - die deutsche Hoffnung auf den Gesamtsieg.

Freitag reiste als Zweiter nach Innsbruck. Sein Rückstand auf den Dominator der beiden ersten Springen, Kamil Stoch aus Polen, betrug 11,8 Punkte. Am Bergisel war Freitag in der Vergangenheit oft gut zurechtgekommen. So holte er dort 2015 den Tagessieg. 

Doch innerhalb weniger Sekunden zerschlugen sich für ihn alle Hoffnungen auf den Gesamtsieg. Der damals 26-Jährige konnte den ersten Sprung nicht stehen. 

Bei der Landung landete Freitag mit seinem rechten Ski auf dem linken, verlor dadurch das Gleichgewicht und stürzte. Als 22. wäre er für den zweiten Durchgang qualifiziert gewesen, starke Schmerzen in der Hüfte verhinderten dies allerdings. Auch beim Abschluss-Springen in Bischofshofen konnte er nicht an den Start gehen. 

- 2017: Eisenbichler hadert nach Abbruch

Auch Eisenbichler selbst musste schon einmal mit den Tücken der Bergiselschanze Bekanntschaft machen. Vor dem Springen am 4. Januar 2017 hatte er als Gesamtvierter noch alle Chancen auf einen Podestplatz. Im Windchaos von Innsbruck verspielte er dann alle Chancen. 

Eisenbichler kam bei dem nach einem Durchgang abgebrochenen Springen nur auf den 29. Rang und rutschte in der Gesamtwertung auf den sechsten Platz ab. Starker Wind hatte immer wieder zu Verzögerungen geführt, der erste Durchgang war erst nach 98 Minuten beendet.

"Wehe, die brechen ab", hatte Eisenbichler zunächst nach seinem Hüpfer auf 112,0 Meter gesagt, doch wenig später wurde das widrige Treiben beendet.

Ohne Flutlicht geriet die Jury unter Zeitdruck und schaltete die Ampel auch das eine oder andere Mal auf Grün, wenn die Bedingungen gerade so im Korridor des Erlaubten waren.

Nach dem Springen hagelte es von Springern, Trainern und Experten harte Kritik an der Vorgehensweise der Verantwortlichen.

- 2016: Freund von Patzer im Probedurchgang gestoppt

Auch für Severin Freund hält der Bergisel jede Menge Drama bereit. Bei der Tournee 2016 liegen er und sein Rivale Peter Prevc nach zwei Springen eng beieinander. Im Probedurchgang zum dritten Springen in Innsbruck prallt Freund mit dem Rücken auf den Schnee.

Freund zieht sich eine Hüftverletzung zu, die später sogar operiert werden muss. Freund beißt zwar auf die Zähne und wird starker Zweiter. Er verliert aber über zehn Punkte auf Prevc, der sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen lässt und die Tournee vor Freund gewinnt.

- 1999: Schmitt vergibt den Gesamtsieg

Sechs Weltcup-Springen hatte Martin Schmitt in der Saison 1998/1999 bis zum dritten Tourneestop in Innsbruck gewonnen. Auch in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen war der 20-Jährige einige Tage zuvor nicht zu schlagen gewesen. Viele Fachleute trauten dem damals 20-Jährigen aus dem Schwarzwald als erstem Skispringer überhaupt zu, alle vier Springen zu gewinnen. 

Bei schwierigen Bedingungen stürzte Schmitt dann in der Qualifikation. Davon sichtlich berührt flatterten ihm Tags darauf die Nerven. Er wurde 13. und vergab alle Chancen auf den Tourneesieg.

Schmitt tröstete sich im weiteren Saisonverlauf mit dem Sieg im Gesamt-Weltcup und zwei Goldmedaillen bei der nordischen Ski-WM in Ramsau.

- Tournee-Legende Weißflog mit schlechter Innsbruck-Bilanz

Vier Mal gewann Jens Weißflog die Vierschanzentournee. In Innsbruck wollte es für den Sachsen aber nicht so gut klappen, wie an den anderen drei Orten.

Zehn Tagessiege stehen für den "Floh vom Fichtelberg" zu Buche - nur einer gelang ihm am Bergisel.

"Die äußeren Bedingungen spielen in Innsbruck immer eine besondere Rolle. Die Schanze steht sehr frei und das Tal wird zur Drehscheibe vom Wind. Das macht den Wettbewerb unberechenbarer, trotz der Windnetze", hatte Weißflog 2018 in einem Interview mit Focus Online über die Schwierigkeiten der Bergiselschanze gesagt.

Seit 1984, als Weißflog das Springen in Innsbruck und die Tournee gewann, gab es nur noch zwei deutsche Siege am Bergisel. Sven Hannawald bei seinem Grand Slam 2002 und Richard Freitag 2015. Legendäre deutsche Springer wie Martin Schmitt oder Dieter Thoma siegten in Innsbruck dagegen nie.