Frida Karlsson schrie im Ziel vor Schmerzen
Frida Karlsson schrie im Ziel vor Schmerzen © Imago
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Frida Karlsson läuft rund zehn Kilometer mit einer Handverletzung und gewinnt dennoch Bronze. Therese Johaug krönt sich zur WM-Königin von Oberstdorf.

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Katharina Hennig stürmte voran, brach böse ein, stürzte, lief mit letzter Kraft ins Ziel - und war am Ende nicht einmal die beste Deutsche: Ein verwegener Angriff auf eine Sensationsmedaille bei der Heim-WM in Oberstdorf hat für Deutschlands hoffnungsvollste Skilangläuferin erneut in einem Drama geendet. (Zeitplan der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf)

Und es war nicht das einzige Drama des Rennens - aber dazu später mehr. Eine Woche nach dem Wachspech im Skiathlon kam Hennig bei einer historischen Vorstellung von Norwegens WM-Königin Therese Johaug im Klassiker über 30 km nur auf Platz 18. Glänzende Zehnte wurde Lokalmatadorin Laura Gimmler.

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"Ich habe alles probiert, gerade nach dem Skiathlon letzte Woche, aber ich habe Lehrgeld gezahlt. Plötzlich hat es den Schalter umgelegt, ich habe getaumelt, der Kreislauf ging in den Keller", sagte Hennig, die nach dem Zieleinlauf lange von Krämpfen geschüttelt im Schnee liegen blieb und wie sieben Tage zuvor bittere Tränen weinte. 

Schlickenrieder lobt Hennig

Bis zur Halbzeit des Rennens hatte die Oberwiesenthalerin hinter der in einer anderen Welt laufenden Johaug mächtig Tempo gemacht - danach ging aber fast alles schief. "Katha hat auf der Zielgeraden fast die Spur nicht mehr gefunden. Sie wollte schon aussteigen, hat es aber durchgezogen", sagte Bundestrainer Peter Sclickenrieder: "Hut ab."

Die 32 Jahre alte Johaug krönte sich mit einem Rennen für die Geschichtsbücher zur WM-Königin von Oberstdorf und sicherte sich beim vierten Start im Allgäu das vierte Gold. Am Sonntag könnte ihr Landsmann Johannes Hösflot Kläbo über 50 km gleichziehen, er steht bei drei Goldmedaillen. Mehr WM-Titel als Johaug hat nur die große Norwegerin Marit Björgen (18) gewonnen.

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Die nun 14-malige Weltmeisterin Johaug gewann nach einer Laufzeit von 1:24:56,3 Stunden mit dem schier unglaublichen Vorsprung von 2:34,2 Minuten auf ihre Landsfrau Heidi Weng. Es war der größte Vorsprung der WM-Historie in einem Frauen-Rennen. 1964 hatte die sowjetische Staffel mit 2:06,8 Minuten Vorsprung vor Schweden gewonnen.

Drama um Karlsson trotz Bronze

Bronze ging am Samstag an die Schwedin Frida Karlsson (+2:34,8), die sich bei einem Sturz verletzte und während der Siegerehrung bereits im Krankenhaus behandelt wurde.

Der Sturz ereignete sich etwa zehn Kilometer vor dem Ende, mit beteiligt waren noch zwei weitere Läuferinnen. Die Kraft reichte, um noch zu Bronze zu laufen. Im Ziel waren die Schmerzen offensichtlich jedoch so groß, dass sie lauthals schrie.

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Karlsson hatte eine große Beule am Handgelenk. In der Klinik wurde nach einer ersten Untersuchung zumindest ein Bruch ausgeschlossen - laut Auskunft des schwedischen Trainers handelt es sich "nur" um eine riesige Schwellung.

Gimmler erneut in den Top Ten

Gimmler, bereits im Sprint Zehnte, lag nach einer ganz starken Vorstellung in ihrem ersten großen 30-km-Rennen 4:08,6 Minuten zurück. "Der zehnte Platz bedeutet mir so viel. Noch mehr als im Sprint, weil er so unerwartet kam", sagte die 27-Jährige. Hinter Hennig (+5:17,0) kam Sofie Krehl (Oberstdorf) auf Platz 22 (+6:05,6), Pia Fink (Bremelau) wurde 24. (+6:25,2). 

Bei Kaiserwetter setzte sich Johaug auf der anspruchsvollen Strecke nach nicht einmal vier Kilometern ab und hatte bereits nach einem Drittel der Distanz einen Vorsprung von einer Minute. Hennig, im Skiathlon nur enttäuschte 29., lief zu Beginn ein starkes Rennen und führte immer wieder die kleine Verfolgergruppe hinter Johaug an, musste dann aber bei der Halbzeit urplötzlich abreißen lassen.

Schlickenrieder hoffte, dass seine Hoffnungsträgerin noch einmal die zweite Luft bekommt - nach einem Sturz in der Schlussphase war Hennig dann aber körperlich wie moralisch am Ende. 

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)