Hansjörg Tauscher gewann 1989 sensationell WM-Gold in der Abfahrt
Hansjörg Tauscher gewann 1989 sensationell WM-Gold in der Abfahrt © dpa Picture Alliance
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Hansjörg Tauscher gewann in seiner Karriere kein einziges Weltcup-Rennen. Bei der Ski-WM 1989 schlug aber in der Königsdisziplin seine große Stunde.

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Wer will, der kann beim Weltmeister wohnen, genau genommen: seinen Urlaub verbringen. "Hansjörg's Hüs", rote Fensterläden, Blick auf die Wiesen, gelegen am Ortsrand von Oberstdorf, beherbergt zwei schicke Ferienwohnungen, die eine heißt "Vail", die andere "Colorado".

Die Namensgebung mag ungewöhnlich sein für das Allgäu, kommt aber nicht von ungefähr. Hausherr Hansjörg Tauscher (51) hat bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften 1989 als vorerst letzter Deutscher die Goldmedaille in der Abfahrt gewonnen - in Vail, Colorado.

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Der 6. Februar war damals in Deutschland der Rosenmontag, was irgendwie passend ist für einen Tag, an dem ein 21 Jahre alter deutscher Skirennläufer die Besten der Welt zum Narren hielt. 

Tauscher mit angerissenem Kreuzband unterwegs

Der heutige Polizeihauptmeister Tauscher bretterte damals dermaßen schnell durch die Klapperschlangen-Gasse, dass ihm sein jetziger Arbeitgeber umgehend die Fahrerlaubnis entziehen würde. Die "Rattlesnake Alley" war freilich keine für den öffentlichen Straßenverkehr zugängliche Straße, sondern die Schlüsselstelle der Abfahrtsstrecke in Vail, Colorado.

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Tauscher kam 1989 mit einem halb gerissenen Kreuzband und als nicht ernst genommener Außenseiter dorthin, doch er studierte die "Rattlesnake Alley", ein extra in den Hang gebautes, einer Bobbahn gleichendes Doppel-S, so akribisch wie keiner der Favoriten.

Bei der Einfahrt in die "Gasse" lag Tauscher noch hinten, bei der Ausfahrt 200 Meter später hatte er eine dreiviertel Sekunde wettgemacht, im Ziel lag er auf Platz eins vor den Schweizern Peter Müller und Karl Alpiger. Deren Landsmann Bernhard Russi, Olympiasieger 1972, hatte das kuriose Kriterium auf dem Berg aufschütten lassen.

Dreßen fehlt bei WM - Eckert nah dran

"Das war mein amerikanischer Traum", hat Tauscher über den schier unglaublichen Aufstieg vom Platzfahrer zum Weltmeister gesagt. Der Allgäuer bestritt 47 Rennen im Weltcup, 14-mal fuhr er dabei unter die ersten Zehn, aber nur einmal aufs Siegertreppchen. Gewonnen hat er vor und nach seiner halsbrecherischen, aber durchaus klugen Fahrt in Vail nichts.

Aber auch kein anderer deutscher Skirennläufer hat seitdem bei einer WM Gold in einem Einzelwettbewerb gewonnen, geschweige denn in der Königsdisziplin. "Ein deutscher Abfahrtsweltmeister, das ist, als würde Österreich Fußball-Weltmeister werden", hat Tauscher mal im Scherz gesagt.

Aus dem Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen, der jetzt bei den Weltmeisterschaften in Are/Schweden verletzt fehlt, könnte vielleicht mal ein Weltmeister werden, "ganz nah dran", so Tauscher, "war ja mal Florian Eckert". Der Lenggrieser gewann bei der WM in St. Anton 2001 sensationell die Bronzemedaille. 

Trennung vom DSV 2002

Tauscher selbst war bei Olympia in Albertville 1992 nochmal Siebter, 1994 beendete er seine Karriere. Acht Jahre lang blieb er anschließend dem DSV als Trainer verbunden, dann trennten sich die Wege des Verbandes und seines Weltmeisters, der dazu nur gesagt hat, dass "wir halt unterschiedlicher Auffassung waren". 

Im Jahre 2002 kehrte Tauscher als Polizeibeamter nach Oberstdorf zurück. In den vergangenen Jahren hat er sich auch mit dem Skilanglauf angefreundet, bisweilen bereitete ihm dies mehr Freude als der Skirennsport.

Ganz freiwillig erfolgte der Umstieg nicht, aber eine "stark abgenutzte Halswirbelsäule", Spätfolgen der aktiven Laufbahn, macht ihm zu schaffen. Als Rennfahrer hatte sich Tauscher auch mal drei Rückenwirbel angebrochen.

Eine "Rattlesnake Alley" gibt es in Oberstdorf übrigens nicht. Wer beim Weltmeister seinen Urlaub verbringen will, der muss in die Rubinger Straße 17.