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Lindsey Vonn sichert sich zum Abschluss ihrer Karriere noch einmal eine WM-Medaille. Nach dem geschichtsträchtigen Erfolg inszeniert sie sich perfekt.

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Lindsey Vonn wollte gar nicht mehr loslassen, so glücklich war sie.

Der große Ingemar Stenmark war gekommen, um ihr letztes Rennen zu sehen, er überreichte ihr nach der umjubelten Zieldurchfahrt einen riesigen Blumenstrauß - und dann umarmte ihn die Amerikanerin so fest wie einen Siegerpokal, der ihr mehr wert war, als die überraschende Bronzemedaille, die sie tatsächlich noch gewonnen hatte zum Ende ihrer Laufbahn.

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"Das ist der Wahnsinn, ein perfekter Schluss für meine Karriere", sagte Vonn mit dem Lächeln einer Siegerin.

Und den perfekten Schluss inszenierte sie auch perfekt: Sie stellte sich für zahllose, generalstabsmäßig geplant anmutende Jubelfotos zur Verfügung, stellte für die Kameras ihre gesamte WM-Medaillensammlung ebenso zur Schau wie ihren in Winterkleidung gehüllten Hund Lucy. Siegerin Ilka Stuhec aus Slowenien? Bei der großen Vonn-Show in die Nebenrolle gedrängt.

Lindsey Vonn ließ sich in Are mit WM-Medaillensammlung und Hund Lucy feiern
Lindsey Vonn ließ sich in Are mit WM-Medaillensammlung und Hund Lucy feiern © Getty Images

Siegerin Stuhec bleibt bei Vonn-Show nur Nebenrolle 

Im Trubel um Vonn ging ziemlich unter, dass Gold an Stuhec ging, die wegen eines Kreuzbandrisses die vergangene Olympiasaison hatte auslassen müssen. Sie verteidigte in überlegener Manier ihren Titel von St. Moritz, als erste Abfahrerin seit der großen Maria Walliser aus der Schweiz (1987/89).

Zwischen Stuhec und Vonn (+0,49 Sekunden) schob sich Corinne Suter aus der Schweiz (+0,23), die fünf Tage zuvor im Super-G Viktoria Rebensburg noch von Rang drei verdrängt hatte.

Corinne Suter (l.) und Siegerin Ilka Stuhec übertrumpften Lindsey Vonn
Corinne Suter (l.) und Siegerin Ilka Stuhec übertrumpften Lindsey Vonn © Getty Images

So knapp wie am vergangenen Dienstag ging es für die deutsche Mannschaft diesmal nicht zu. Im Super-G hatten Rebensburg 0,02 Sekunden zu Bronze und 0,07 zu Gold gefehlt, auf der wegen Windes um ein Viertel auf nur noch 1672 m verkürzten Abfahrtsstrecke war ein Platz auf dem Podest weit entfernt. Rebensburg (+0,82), WM-Debütantin Michaela Wenig (+0,90) und Medaillenanwärterin Kira Weidle (+0,94) belegten die Plätze elf, zwölf und 13. Meike Pfister wurde 23.

"Brutaler Ärger, das ist nicht das, was ich draufhabe", sagte die unglückliche Weidle, die am Zielsprung beinahe gestürzt wäre. Alpinchef Wolfgang Maier zeigte sich - wie schon am Vortag über die Männer um Josef Ferstl - "sehr ernüchtert".

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Rebensburg schießt Erinnerungsfotos

Was den deutschen Damen blieb, waren letzte Fotos mit und Huldigungen für Vonn. Rebensburg kniete nieder vor der Amerikanerin und sagte dann: "Es war echt cool, die letzten Tage mit ihr zu verbringen. Wir sind ja schon gemeinsam raufgeflogen, das war eine schöne Erfahrung, wir haben einige Fotos zusammen gemacht, die werde ich in Erinnerung behalten."

Vonn, 2010 Abfahrtsolympiasiegerin, 2009 Weltmeisterin in Abfahrt und Super-G, geht mit ihrer achten WM-Medaille sowie ihrer fünften in der Abfahrt - ein Rekord, den sie sich nun mit der deutschen Ski-Legende Christl Cranz teilt.

Medaillenhoffnung Weidle blieb einstweilen nur Bewunderung. "Genau das macht sie aus, dass sie bis zur letzten Sekunden kämpft, egal was war. Einfach nur Chapeau", sagte sie.

Vonn kämpft sich nach Sturz zurück

Und wie Vonn kämpfte: Im Super-G war sie krachend ins Fangnetz geflogen, grün und blau am ohnehin durch ihre zahllosen Verletzungen ausgezehrten Körper (die Spuren im Gesicht überschminkte sie) gab sie ein letztes Mal alles.

"Ich bin mit Herz gefahren", sagte sie - und inspiriert vom großen Norweger Aksel Lund Svindal, der sich tags zuvor hinter Kumpel Kjetil Jansrud den Abschied versilbert hatte. "Ich habe gesehen, dass mein großes Vorbild Aksel noch eine Medaille geholt hat, und dachte: Ich kann das auch schaffen. Das ist mein Naturell, ich kämpfe bis zum Schluss", sagte Vonn. Ihr Lohn neben der Medaille: Eine große Abschiedsparty mit Svindal am Abend im Ortszentrum beim gemeinsamen Ausrüster.

Auch den großen oder Mit-Favoritinnen wie Sofia Goggia (Italien/15.) oder Ramona Siebenhofer (Österreich/7.) blieb da nur eines: Anerkennung - und eine letzte Umarmung. Vonn war nach eigenen Angaben am Ende so durchgeschüttelt, dass ihr nicht mal mehr die Tränen kommen wollten: "Ich habe zuletzt so viel geweint, ich bin ausgetrocknet. Ich will weinen, aber es ist nichts mehr übrig."

Das Schlusswort gebührte Stenmark, den Vonn mit SMS geradezu bombardiert hatte, damit er an ihrem letzten Tag und nicht erst wie geplant am Montag bei der WM erschien: "Es ist fantastisch, dass sie sich so verabschieden konnte. Sie hatte eine wunderbare Karriere. Dass sie nach so vielen Verletzungen zurückkommen kann ist imponierend", sagte der Schwede.