Hubertus Prinz zu Hohenlohe
Hubertus Prinz zu Hohenlohe ist einer der Exoten bei der Ski-WM © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten

Bei der Ski-WM im schwedischen Are starten auch Läufer aus Haiti oder Tonga. Doch der Aufmerksamkeit, um die sie kämpfen, setzt der Weltverband FIS Grenzen.

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Jean-Pierre Roy ist schon ein alter Hase. Und er versteht etwas von Vermarktung in eigener Sache.

Roy, 55 Jahre alt, dreifacher Großvater, Haitianer mit Wohnsitz in Paris und seit den Weltmeisterschaften vor acht Jahren in Garmisch-Partenkirchen mehr oder weniger ernst zu nehmender Skirennläufer, hält sich auch in Are dort auf, wo ihm Aufmerksamkeit gewiss ist. Geduldig wartete er etwa am Montag auf das Ende einer Pressekonferenz mit Felix Neureuther, um ein Foto mit ihm zu erhaschen.

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Ski-Exoten suchen nach Publicity

Publicity ist wichtig für Roy, den freilich hehre Motive antreiben. Genau genommen war es das fürchterliche Erdbeben 2010, das ihn dazu veranlasste, den Blick auf seine geschundene Heimat zu lenken. Und ein Haitianer im Schnee ist allemal dazu angetan, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Roy will Geld sammeln, um beim Wiederaufbau zu helfen, zur gleichen Zeit sucht der Mann, im Hauptberuf IT-Spezialist, nach sportlichen Talenten, die das Land repräsentieren können. Eine Geschichte, die auch dem Ski-Weltverband FIS gefällt.

Neben Roy gibt es längst zahlreiche Sportler, die, nun ja, nicht gerade Wintersportnationen vertreten. Der Großvater all dieser Exoten ist zweifelsohne Hubertus Prinz zu Hohenlohe, schon 60 Jahre alt geworden vor eineinhalb Wochen, aber auf Skiern gut genug, um WM-Pisten in einem Tempo zu absolvieren, das für die meisten Hobby-Skifahrer viel zu rasant ist.

Abgesehen davon ist "Hubsi" ein großartiger Selbstdarsteller: Zur WM ist er stilecht im Bentley angereist, das Logo der Luxus-Automobilmarke prangt auf seiner Jacke. Unter den Kleinen ist er der Größte.

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Längst halten sich von Hohenlohe und seine Artgenossen vorzugsweise dort auf, wo sie nicht weit entfernt sind von Mikrofonen oder Kameras - nahe des Pressezentrums am Fuße der Rennpiste in Are, oder gleich darin. 75 Nationen sind bei dieser WM vertreten, in den Meldelisten finden sich auch Länderkürzel wie BRA (Brasilien), GHA (Ghana), JOR (Jordanien), PUR (Puerto Rico) - oder auch TON (Tonga).

FIS wirbt mit exotischen Teilnehmern

Tonga erlangte 2018 bei Winter-Olympia in Pyeongchang Aufmerksamkeit: durch Pita Taufatofua, genau, den Mann mit dem entblößten Oberkörper bei Eiseskälte. In Are ist das Königreich im Pazifik, sportlich eine Großmacht im Rugby, durch Kasete Naufahu Skeen vertreten. Er ist 36 Jahre alt, wurde in London geboren, und hat es schon mal geschafft, dass er den medienwirksamen Spitznamen "Tomba aus Tonga" bekam (oder erfand).

Erwartungsgemäß hat er mit dem großen Alberto Tomba nicht viel gemein, schon gleich gar nicht die Behandlung durch die FIS. Skeen wohnt in Duved, also etwa sieben Kilometer von Are entfernt, und er muss mit dem Bus fahren.

Der Ski-Weltverband findet die Teilnahme der Außenseiter selbstverständlich ganz prima für die Optik: Hurra, wieder ein Teilnehmerrekord, seht her, wohin wir den Skisport schon überall exportiert haben! Einmal vor Ort, bleiben die Exoten dann aber lästige Statisten.

Exoten müssen sich qualifizieren

Als vergangene Woche Sportler aus Monaco, Litauen und Kosovo klagten, ihre Ausrüstung sei noch nicht da, der WM-Zeitplan möge bitte angepasst werden, sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner: "Sorry, ihr seid keine Medaillenkandidaten." Pech gehabt.

Sportlern wie Skeen und Roy ist zudem gemein, dass sie erst mal in die Qualifikation müssen. In Riesenslalom und Slalom sind nur 75 Starter zugelassen, deshalb wird am Donnerstag ein erstes Rennen vor dem Rennen veranstaltet, in dem 25 Startplätze für den WM-Wettbewerb ausgefahren werden. (Ski-WM: bei SPORT1 im LIVETICKER)

Gut für einen wie Skeen: Die Qualifikation findet in Duved statt.