China baut in Garmisch sein Ski-Olmypiateam für Peking 2022 auf
China baut in Garmisch sein Ski-Olmypiateam für Peking 2022 auf © SPORT1-Montage: Getty Images/iStock
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München - Für die Spiele in Peking 2022 bereit sich China jetzt schon generalstabsmäßig vor. Bei den Alpin-Wettbewerben soll ein Deutscher mithelfen, um erfolgreich zu sein.

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Michael Brunner hat schon viel erlebt in seiner Zeit auf Brettern. Er startete selbst im Weltcup und hat schon so manche Kuriosität im Schnee gesehen. Nun gibt er sein Wissen in seiner Skischule GaPa in Garmisch-Partenkirchen an Jung und Alt weiter.

Aber die Schützlinge, die er aktuell in die Geheimnisse von Innen- und Außenski oder das perfekte Wedeln einweist, sind schon etwas Besonderes. Nicht weniger als 35 Schüler hat er aus dem fernen China unter seinen Fittichen.

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Allerdings handelt es sich bei diesen Skianfängern nicht um eine Reisegruppe, die in Europa Winterspaß erleben will. Es ist ein ambitioniertes Projekt der Chinesischen Skisport-Assoziation CSA. Aus diesem Pool von Athleten sollen die potenziellen Vertreter Chinas bei den Ski-Wettbewerben der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking kommen.

"Einzigartiges Projekt"

Dabei hat Brunner keine besonderen Beziehungen zum Reich der Mitte. Der Kontakt kam eher zufällig zustande. "Ich habe bei Garmisch-Partenkirchen auf der Zugspitze ein Rennen für chinesische Skifahrer organisiert. Danach sind Verantwortliche auf mich zugekommen und haben den Kontakt zur CAS hergestellt", beschreibt Michael Brunner im SPORT1-Interview den Beginn der Zusammenarbeit.

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Allerdings hat ihn sofort die Herausforderung gereizt, etwas völlig Neues auszuprobieren. Immerhin weiß er aus eigener Erfahrung, wie viel Schweiß und Mühe dazu gehört, um es als Profi in den Weltcup zu schaffen. "Was wir hier gerade auf die Beine stellen, ist ein einzigartiges Projekt, das es so noch nicht gab. Bisher ist die allgemeine Lehrmeinung, dass man mit vier Jahren auf die Skier muss und ausreichend Trainingsstunden braucht, um den Schritt zum Profi zu schaffen."

China verfolgt eine andere Philosophie

Bei diesem Projekt sollen jedoch völlig neue Wege beschritten werden. Während im Westen die Meinung vorherrscht, dass ein möglichst früher Beginn mit dem Skifahren ausschlaggebend für einen erfolgreichen Rennfahrer ist, legt man in China den Schwerpunkt eher auf Körperbeherrschung. Ein guter Athlet kann demnach in jeder Disziplin erfolgreich sein.

Diesen Umstand will sich auch Michi Brunner bei seinem Projekt zunutze machen. "Die Jungs waren ja vorher schon alles Spitzenathleten und fangen nicht völlig bei Null an. Die wurden schon immer gedrillt. Die körperlichen Voraussetzungen waren also schon vorhanden. Jetzt ging es darum, ihnen das Skifahren beizubringen."

Daher hat er bei der Auswahl auch ganz genau hingeschaut, wie sich seine möglichen Schüler bewegen und welche Einstellung sie zu dem Projekt mitbringen. "Wir haben die Athleten in verschiedenen Übungen auf die Probe gestellt. Dabei standen Kraft-, Schnellkraft- und Ausdauerübungen im Fokus. Dazu habe ich mir die Leute ganz genau auf ihre Körperform und Einstellung zum Sport angeschaut", erklärt Brunner, worauf sein besonderes Augenmerk lag.

Eigenmotivation ist der Schlüssel

Am Ende haben es 35 Teilnehmer geschafft, die nun in Garmisch-Partenkirchen für Olympia gedrillt werden sollen. Wobei Drill hier nicht wortwörtlich genommen werden darf. Natürlich bekommt man immer wieder mit, dass die Ausbildung in China für europäisches Empfinden oft wie militärischer Drill wirkt. Aber bei seinen Teilnehmern steht die Eigenmotivation im Vordergrund: "Das sind alles Kinder und Jugendliche, die genauso zu Scherzen aufgelegt sind wie alle anderen auch. Sie kommen zwar alle aus Sportakademien und sind Spitzenathleten in ihren Disziplinen. Aber in erster Linie sind es Sportler, die voll dabei und motiviert sind im Training."

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"Die Jungs sind hochmotiviert. Wenn man ihnen etwas vormacht, wiederholen sie das oft noch freiwillig nach dem Training", zeigt er sich vom Trainingseifer seiner Zöglinge überrascht.

Olympia-Qualifikation ab 2021

Die Fortschritte, die er jeden Tag im Training sieht, haben seinen Zeitplan auch schon fast ad absurdum geführt. Eigentlich stand erst für den März das erste Stangentraining an. Aber dank des Lerneifers der Jugendlichen, kann er das jetzt schon in den Trainingsalltag einfließen lassen. Und je nachdem, wie sich die Lernkurve weiterentwickelt, wären erste Rennteilnahmen bei manchen nächstes Jahr schon möglich.

"Teilweise sind die Jungs ja noch im Schülerbereich. Da überlege ich, je nachdem wie die Fortschritte sind, ob sie nächstes Jahr bei regionalen Schülerrennen starten sollen.  Bei den Jugendlichen weiß ich noch nicht, wie es da mit Punkterennen aussieht", so Brunner. Definitiv losgehen soll es aber spätestens zum Auftakt der Saison 2021/22. Denn schließlich muss die Startberechtigung für Olympia erkämpft werden.

"Ab dem Winter 2021/22 sollen dann die nötigen Qualifikationspunkte für Olympia gesammelt werden. Je nachdem, vielleicht können wir schon ein Jahr früher einsteigen. Ab dem Moment wären sie dann auch reguläre Athleten, die der WADA und der FIS unterliegen", so Brunner bei SPORT1.

Fortsetzung nach 2022?

Für Michi Brunner ist das Projekt bis 2022 ausgelegt und in diesem Zeitraum gibt er alles, um seine Jungs bestmöglich auf Peking 2022 vorzubereiten. Weitergehende Pläne hat er aber nicht. Danach sollen seine 35 Zöglinge den Staffelstab übernehmen und in China weiter Pionierarbeit im Bereich Skifahren leisten. "Von mir ist nach diesem Termin keine Fortführung geplant. Im Idealfall werden die jetzt ausgebildeten Athleten Trainerpositionen übernehmen und ihrerseits weitere Athleten ausbilden."

Dass das Potenzial in China vorhanden ist, um Ski alpin zumindest im Breitensport zu etablieren, davon ist Brunner auf jeden Fall überzeugt. "Der chinesische Markt explodiert ja förmlich. Daher geht es darum, das Skifahren dort weiterzuentwickeln. Große Skigebiete sind in China schon vorhanden."

Und seine Jungs könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. "Dort können die Athleten dann mit ihren Fähigkeiten dazu beitragen, dass sich die Skiszene in China weiterentwickelt. Vor allem als Trainer können sie ihr Wissen weitergeben."