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München - Mit der Bronzemedaille bei der Abfahrt in Are beendet Lindsey Vonn ihre außergewöhnliche Karriere. Der exzentrische Weltstar wird von der Presse nicht nur gefeiert.

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Eine der größten Skisportlerinnen tritt ab: Bei der Ski-Alpin-WM im schwedischen Are bestritt Lindsey Vonn am Sonntag ihr letztes Rennen. Bei der Abfahrt holte sie die Bronzemedaille - überraschend angesichts des Sturzes beim Super G und der Form der vergangenen Wochen.

Den Rekord von 86 Weltcupsiegen von Ingemar Stenmark konnte sie nicht knacken, ihre grandiose Karriere schmälert das aber nicht. Trotzdem scheiden sich die Meinungen bei der 34-Jährigen, die als Kämpferin und Drama-Queen bezeichnet wird. SPORT1 fasst die internationalen Pressestimmen zum Ende ihrer einzigartigen Karriere zusammen.

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DEUTSCHLAND

Der Tagesspiegel: "Aufzuhören mit einer Medaille, das hätten ihr bei diesen Titelkämpfen in Are nicht mehr viele zugetraut, aber sie hat bewiesen, dass sie es nicht nur jenseits der Piste versteht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern dass sie eben eine der Größten des Skisports ist. Noch immer. Ein Bronzelauf gelang Vonn im letzten Rennen ihrer Karriere."

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Spiegel Online: "Vonn fuhr stets am Limit. Die 34 Jahre alte Speed-Spezialistin war nicht die talentierteste Skifahrerin ihrer Generation. Ihr Ehrgeiz, ihr Trainingsfleiß, ihr Mut zu Geschwindigkeit und ihre einzigartige Fokussierung auf die Besonderheiten der vielen unterschiedlichen Strecken machten Vonn aber zur besten Skifahrerin ihrer Generation."

Sportschau: "Show und Sport, laut und leise - für Lindsey Vonn immer untrennbar verbunden. (...) Selbst hartgesottene Lindsey-Vonn-Fans mussten bei ihren Auftritten rund um die alpine Ski-WM in Are einige Male tief durchatmen. Auch die traditionelle Startnummernverlosung vor der Damenabfahrt nutzte die extrovertierte Vonn zur Selbstinszenierung. Hund Lucy war - natürlich - dabei, bekleidet mit einem Einhorn-Gewand in Regenbogenfarben. Wüsste man nicht, dass ein Cavalier King Charles Spaniel von Natur aus einen eher traurigen Gesichtsausdruck pflegt - man hätte denken können, dass Lucy weint."

Die Welt (10.2.): "Diesen Sonntag beendet Lindsey Vonn bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Are ihre einzigartige Karriere. Bei keiner anderen lagen Triumph und Drama so eng beieinander. Lindsey Vonn wird fehlen. Sie ist mehr als nur die Königin des alpinen Skisports. Keine vereint so sehr die Extreme wie sie, im Sportlichen wie im Privaten, keine ließ die Welt so an ihren unglaublichen Höhenflügen und schmerzhaften Tiefpunkten teilhaben. Und auch wenn manche Träne inszeniert wirkte – Vonn tat dem Sport gut."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (10.2.): "Lindsey Vonn, 34 Jahre alt, Amerikanerin, eine der besten Skirennläuferinnen, die es jemals gab, und ganz bestimmt die nervigste. Wenn dieser Sonntag vorbei ist, ihr letztes Rennen, ihre letzte Abfahrt, wenn die Amerikanerin mit Tränen in den Augen und womöglich sogar mit einer Medaille um den Hals den Zirkus verlassen hat, dann werden viele Konkurrentinnen drei Kreuze machen und sagen: Gott sei Dank. Die Tage in Are in Schweden, wo in diesen Tagen die Weltmeisterschaften stattfinden, können noch einmal als Musterbeispiel dienen, wie sich Lindsey Vonn selbst inszeniert, wie sie sich mit allen Mitteln ins Rampenlicht schiebt, wie sie Fahrerinnen zur Seite drängt, die längst viel besser sind als sie, ihre fabelhafte Teamkollegin Mikaela Shiffrin vorneweg."

SCHWEIZ

Neue Zürcher Zeitung: "Es gibt im Skizirkus Leute, die Vonn abschätzig als PR-Maschine bezeichnen. Was ihre Kritiker nicht verstanden haben, ist die Tatsache, dass die 34-Jährige nicht nur sich selbst promotet hat, sondern den ganzen Skisport."

ÖSTERREICH

Der Kurier (10.2.): "Das letzte Rennen der Lindsey Vonn: Ein Weltstar tritt ab (...) Die 34-Jährige hat dem Skisport gewaltig auf die Sprünge geholfen. Auch vor dem letzten Rennen ihrer Karriere ist Lindsey Vonn ganz Athletin. Da mögen die Rippen noch so zwicken seit ihrem Sturz im WM-Super G am Dienstag; da mag ihr rechtes Auge noch so blutunterlaufen sein, dass kein Make-up hilft; und dass ihre beiden ramponierten Knie unter dem Rennanzug von Schienen gestützt werden, ist auch schon längst normal für die erfolgreichste Skirennläuferin aller vergangenen Zeiten."

USA

ESPN: "Es geht nicht darum, wie oft Lindsey Vonn gefallen ist, es geht darum, wie oft sie aufgestanden ist. (...) Lindsey Vonn erreichte Höhen, die vor ihr keine Frau erreicht hatte. Sie pflasterte den Weg für das 23-jährige amerikanische Wunderkind Mikaela Shiffrin, die bereits 54 Weltcup-Siege hat und Vonns Gesamtbilanz übertreffen wird, sofern nichts Unvorhergesehenes passiert. Aber das schmälert Vonns Karriere nicht. Ihr Vermächtnis ist das einer der erfolgreichsten, unverwüstlichen Athletinnen in der amerikanischen Sportgeschichte. Bis an ihr Lebensende wird sie jeden Morgen nach dem Aufstehen Schmerzen haben. Der Schmerz ist eine Erinnerung – nicht an das Ende, sondern an die harte Arbeit, die mentale Stärke und Entschlossenheit, die es für den ersten Platz brauchte. Mit der Zeit sagte ihr Körper nein. Und jedes Mal kämpfte sie sich zurück, bis ihre Antwort Ja lautete. Das ist Größe."

MSN: "In gewisser Weise sind das Ende, die Medaille nicht wichtig. Wichtig ist, dass Vonn – mit Verletzungen oder ohne – es getan hat, was andere nicht einmal versucht haben. Noch mehr als das: Sie hat es auf die einzige Art beendet, die sie kennt: Vollgas-Attacke, ohne Rücksicht auf Folgen. Die Linie zwischen mutig und verrückt ist dünn bei ihr und sie bewegte sich ihre ganze Karriere dazwischen. (...) Lindsey Vonn ist kein normaler Mensch."

Denver Post: "Lindsey Vonns finales Rennen: Eine Bronzemedaille, die so viel Wert ist wie Gold. (...) Nach 433 Rennen - inklusive Weltcups, Olympischen Spiele und WM-Rennen - verlässt Vonn den Sport, den sie dominiert hat, mit schmerzenden Knien, aber aus ganzem Herzen."

New York Times: "Wie auch immer, Vonns Durchhaltevermögen trotz Jahren voller Verletzungen, die sie zurückgeworfen haben, zusammen mit einer vermarktungsfähigen Persönlichkeit, haben das Profil des Skisports in den USA geprägt. Im Laufe der Zeit entwickelte Vonn einen nationalen und rechtmäßigen Berühmtheitsstatus."