Felix Neureuther hatte seit 13 Monaten keinen Weltcup-Slalom mehr bestritten Neureuther kämpft um seine erste Top-10-Platzierung nach seinem Comeback
Felix Neureuther hatte seit 13 Monaten keinen Weltcup-Slalom mehr bestritten Neureuther kämpft um seine erste Top-10-Platzierung nach seinem Comeback © Getty Images
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Felix Neureuther ist im zweiten Lauf des Slaloms in Saalbach-Hinterglemm auf Podiumskurs, bis er nach einem Fahrfehler weit zurückfällt. Der Sieg geht an Marcel Hirscher.

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Die Zuschauer jubelten Felix Neureuther zu, als er sich durch den steilen Zielhang kämpfte, doch außer den vielen Sympathiepunkten hatte er da schon fast alles verloren.

Bei seinem ersten Weltcup-Slalom seit 13 Monaten hatte Neureuther nach dem ersten Lauf völlig überraschend auf Rang vier gelegen und gleich einen Platz auf dem Podest vor Augen - dann aber fuhr er zu frech und stürzte beim Rekordsieg von Marcel Hirscher ab bis auf Rang 27 (DATENCENTER: Das Slalom-Ergebnis).

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"Ich muss das Positive mitnehmen", sagte Neureuther am Fuße der ruppigen "Schneekristall"-Piste in Saalbach-Hinterglemm geknickt, "ich habe Fehler gemacht, die ich nicht machen darf. Aber das Gute ist, dass ich weiß, dass der Speed passt, ich hab gesehen, dass ich nach wie vor schnell Ski fahren kann." In der Tat: Trotz eines großen Trainingsrückstands, zuletzt durch einen gebrochenen Daumen und eine Gehirnerschütterung, bewies er im ersten Lauf, dass er weiter Weltspitze sein kann (DATENCENTER: Stand im Gesamt-Weltcup).

Viele Rückschläge für Neureuther

Nach zahlreichen Rückschlägen seit dem Kreuzbandriss Ende November 2017 fehlten Neureuther auch zwölf Tage nach seinem ersten Comeback-Versuch beim Riesenslalom in Val d'Isere (20.) noch Ausdauer und Wettkampfpraxis. Im zweiten Lauf auf einem schon arg ramponierten Kurs "habe ich es zu frech versucht", sagte er im BR. "Du kannst nur vorne reinfahren, wenn du riskierst, aber ich habe dabei das Skifahren vergessen. Es dauert noch, bis ich wieder dahin komme, wo ich war."   

Die Ansätze waren freilich verheißungsvoll. "Neureuther ist ein Weltklasse-Skifahrer, so lange verletzt ausfallen und dann mit einem solchen Lauf wie im ersten Durchgang zurückkommen, das verdient Respekt", sagte Marcel Hirscher, der einen Tag nach einem ungewohnten Dämpfer im Riesenslalom (6.) zum österreichischen Rekord fuhr: Mit jetzt 63 Siegen hat er Annemarie Moser-Pröll überholt, er gewann vor dem jungen Schweizer Loic Meillard (+0,38) und dem Norweger Henrik Kristoffersen (+0,47) - bester Deutscher war David Ketterer als respektabler 18.

Neureuther will im Januar "voll angreifen"

Neureuther will nun beim Slalom am Samstagabend in Madonna di Campiglio "noch einen runterdrücken", dann über Weihnachten trainieren, um im Januar, wenn es für die Slalomfahrer Schlag auf Schlag geht, "voll angreifen" zu können. Zurückgewinnen will er vor allem jenes Selbstverständnis zwischen den Stangen, die in Saalbach-Hinterglemm der 22 Jahre alte Meillard zeigte. "Ich muss schauen, dass ich wieder ein bisschen jünger werde vom Kopf her", sagte Neureuther scherzhaft.

Richtig, genau genommen "sehr zufrieden" war am Donnerstag David Ketterer. Mit der hohen Startnummer 45 kämpfte er sich über ein "Trümmerfeld" in den zweiten Lauf, verbesserte sich dort sogar noch um sieben Plätze und erzielte dabei das beste Resultat seiner Karriere. "Es ist gut", sagte er, "wenn man mal ein Ergebnis stehen hat." Punkte gab es auch für Dominik Stehle (25.). Fritz Dopfer, Linus Straßer und Anton Tremmel waren dagegen schon im ersten Lauf ausgeschieden.

Neureuther konnte vor der Abfahrt nach Madonna di Campiglio dann doch noch lächeln. "Generell bin ich glücklich, wieder Rennen fahren zu können", sagte er, außerdem: "Meine Familie ist da, da gibt es auch noch andere Ziele, bei denen man sagt, es stimmt für mich." Aber: Das mit dem Skifahren wird auch bald wieder stimmen.