Marcel Hirscher hat Annemarie Moser-Pröll überholt
Marcel Hirscher hat Annemarie Moser-Pröll überholt © Getty Images
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München - Marcel Hirscher holt mit dem 62. Weltcup-Sieg Annemarie Moser-Pröll ein. Doch wie Vonn einem Rekord hinterjagen, das will der "Kannibale" des Skisports nicht.

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Die große "Annamirl", Österreichs "Jahrhundertsportlerin" Annemarie Moser-Pröll, hatte es kommen sehen. "Noch vor Weihnachten hat er mich eingeholt", sagte die Abfahrts-Olympiasiegerin von 1980 vor wenigen Tagen der Kronen-Zeitung.

Am Montagabend war es dann soweit: Er - also Marcel Hirscher, der nimmersatte "Kannibale" des Skisports, zog mit seinem 62. Weltcupsieg mit Moser-Pröll gleich.

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"Das ist etwas, das speziell ist in der Ski-Nation Österreich", sagte Hirscher nach seinem Erfolg im Parallel-Riesenslalom von Alta Badia über den Landesrekord, "das bedeutet etwas, besonders in Österreich".

In der Tat, am Dienstag jubelte die Krone aufgeregt: "Es ist soweit: Marcel ist nun der Allergrößte!"

Stenmark und Vonn noch besser

Nicht ganz: Zumindest international wird die Marke aktuell von Ingemar Stenmark (Schweden/86 Siege) und Lindsey Vonn (USA/82) übertroffen.

Hirscher aber war selig. "Unbeschreiblich", nannte er seinen Sprung auf Österreichs höchsten Gipfel: "Es ist ein Wahnsinn, was in den letzten Jahren passiert ist, dass so etwas überhaupt möglich geworden ist." Die Bestmarke habe für ihn "den größten Wert, weil das noch nie einer erreicht hat. Das ist wirklich etwas Besonderes."

Nach dem Finale beim Parallel-Riesenslalom in Alta Badia feierte Hirscher mit dem zweitplatzierten Thibaut Favrot
Nach dem Finale beim Parallel-Riesenslalom in Alta Badia feierte Hirscher mit dem zweitplatzierten Thibaut Favrot © Getty Images

Dabei stehen derartige Rekorde nicht sehr weit oben auf Hirschers Wunschliste. "Ich habe das nie gehabt. Ich war nie derjenige, der gesagt hat 'ich muss', sondern wenn es sich ergibt, dann passt das für mich. Logisch möchte ich so viele Rennen wie möglich gewinnen. Aber welche Zahl das am Ende schlussendlich sein wird, das weiß ich nicht", hatte der Edeltechniker vor Saisonbeginn im SPORT1-Interview erklärt.

"Glück" gegen Luitz und Co.

Der 29-Jährige reüssierte in Alta Badia mit dem Parallel-Event in einer von ihm wenig geliebten Disziplin. "Ich habe mich geplagt", sagte er - besonders im Viertelfinale gegen den später fünftplatzierten Stefan Luitz hatte er kämpfen müssen. Knappe 0,08 Sekunden lag der Dominator nur vorne. "Das ist mehr Glück, als dass man besser ist als jemand anderes", sagte Hirscher, der sich sonst lieber auf seine Klasse verlässt.

Luitz, betonte Hirscher auch in Alta Badia, tue ihm wegen der "Sauerstoff-Affäre" sehr leid - obwohl er als Zweitplatzierter von Beaver Creek von dessen Disqualifikation profitieren würde. "Es ist traurig für ihn", sagte Hirscher, der sich auf der Piste weniger sentimental gibt. "Ich habe den absoluten Willen zu gewinnen", erklärt er sein Erfolgsgeheimnis.

Hirscher war kurz vor Rücktritt

Dieser Biss speist sich auch aus den Gedanken im Sommer, als Hirscher nach den Olympiasiegen von Pyeongchang "sehr knapp" davor gestanden sei, seine ruhmreiche Karriere zu beenden: "Darum ist jedes Rennen ein Plus." Außerdem achte er nach sieben Gesamtweltcup-Siegen nicht mehr auf die Punkte, fahre "befreiter" Ski.

Diese Herangehensweise macht ihn noch besser: In seinen fünf Saisonrennen wurde er nur einmal geschlagen - von Luitz in Beaver Creek. Und diese "Niederlage" steht offiziell noch nicht fest. So gut startete der Salzburger noch nie. Doch Hirscher denkt längst über die Skikanten hinaus. Wie einst Ästhet Bode Miller aus den USA will er "eine Message rüberbringen", sagte er.

Am Mittwoch und Donnerstag in Saalbach-Hinterglemm, wo Felix Neureuther in den Weltcup zurückkehren wird, sind weitere Hirscher-Siege wahrscheinlich.

Irgendwann aber dürfte selbst der "Kannibale" satt sein. Ob er wie Vonn weitermachen wolle, bis er Stenmark erreicht habe, wurde er am Montag gefragt. Hirschers knappe, aber bestimmte Antwort: "Nein!"