Kitzbühel - Thomas Dreßen gewinnt völlig überraschend den Abfahrts-Klassiker auf der Streif - auch dank der folgenschweren Entscheidung eines österreichischen Rivalen.

Der Deutsche Thomas Dreßen hat sensationell den Abfahrts-Klassiker auf der Streif gewonnen.

Der 24-Jährige aus Mittenwald in Oberbayern siegte auf der schwersten Piste der Welt vor Weltmeister Beat Feuz (Schweiz/0,20 Sekunden zurück) und Hannes Reichelt (Österreich/0,41). Auch dank einer glücklichen Fügung, die er Reichelt zu verdanken hatte.

Mit dem sechstplatzierten Andreas Sander raste zudem ein zweiter Deutscher unter die Top Ten, ein Patzer am Zielhang kostete Sander die Chance auf einen Podiumsplatz.

Letzter deutscher Abfahrtssieger am Hahnenkamm war Sepp Ferstl auf den Tag genau vor 39 Jahren. Vor ihm war nur Ludwig Leitner 1965 erfolgreich. Ferstl hatte auf der Streif auch 1978 gewonnen. Sein Sohn Josef Ferstl (2,49) belegte Platz 20.

Dreßen: "Ich dachte, die verarschen mich"

"Im Ziel habe ich es gar nicht glauben können, ich dachte, die wollen mich verarschen. Für mich ist das auch eine Überraschung", sagte Dreßen nach dem Rennen - bei dem heftige Stürze von Johan Clarey und Jared Goldberg für Schreckmomente sorgten.

Dreßen kam nach durchgehenden Zwischenbestzeiten und schließlich 1:56,16 Minuten über die Ziellinie gerast. Unterbieten konnte es keiner.

"Einfach nur geil" fand Dreßen seinen Coup vor den Augen der versammelten Prominenz um Hollywood-Legende Arnold Schwarzenegger: "Es war immer ein Traum von mir, mal eine Weltcup-Abfahrt zu gewinnen, auch Kitzbühel, und dass ich das jetzt auf einen Streich geschafft hab, ist einfach nur unglaublich."

Eine glückliche Fügung hilft

Der Sensationssieger hatte bei seiner herausragenden Fahrt auch etwas Glück: Er konnte bei deutlich besserer Sicht abfahren, als bei seinem Start um 12.26 Uhr die Sonne herauskam.

"Er hat das schamlos ausgenutzt", sagte der drittplatzierte Österreicher Hannes Reichelt, der am Sieg des jungen Deutschen nicht unbeteiligt war: Denn Reichelt, 36 Jahre alt, Sieger von 2014, hatte am Vortag noch die Wahl zwischen den Startnummern 1 und 19. Er wählte die 1, für Dreßen blieb die 19. Ein Glücksfall.

Neureuther und der FC Bayern gratulieren

"Wahnsinn", sagte Augenzeuge Felix Neureuther über Dreßens Vorstellung, "ich hatte noch nie bei einem Rennen so Gänsehaut. Das ist ein denkwürdiger Tag für den deutschen Skisport."

Ferstl senior meinte: "Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, das hältst du auf Dauer nicht aus. Jetzt ist endlich der Mythos Ferstl-Streif erledigt."

Auch der FC Bayern gratulierte dem Überraschungssieger via Twitter.

Auf Facebook postete Markus Wasmeier sehr persönliche Glückwünsche an Dreßen.

Kontinuierliche Steigerung

Der völlig überraschende Triumph ist für Dreßen die Krönung seiner konstanten Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren. Seit 2015 ist er im Weltcup und steigerte seine Ergebnisse kontinuierlich, mauserte sich zu einer der größten deutschen Speed-Hoffnungen.

Im Dezember gelang ihm zuletzt ein Durchbruch: In der Abfahrt von Beaver Creek holte er den ersten Podestplatz, er fuhr auf Rang drei.

Dreßens Werdegang ist auch von einer familiären Tragödie geprägt: Sein Vater Dirk starb 2005 beim Seilbahn-Unglück von Sölden. "Wer weiß, vielleicht hat von oben wer zugeschaut und hat die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir", sagte Dreßen.

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