Janina Hettich gab auf
Janina Hettich gab auf © Imago
Lesedauer: 4 Minuten

München - Janina Hettich gibt bei der Verfolgung im tschechischen Nove Mesto vorzeitig auf. Ein Experte schimpft - und entschuldigt sich später.

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Janina Hettich konnte nicht mehr.

Nach fünf Fehlern nach den ersten drei Schießen beendete die deutsche Biathletin die Verfolgung im tschechischen Nove Mesto, bei der Denise Herrmann mit Rang zwei ihr bestes Saisonergebnis erreichte, vorzeitig.

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Unter Tränen wurde sie abseits der Strecke getröstet. Warum sie das Rennen beendete, war zunächst unklar.

Der ehemalige Biathlet und heutige ZDF-Experte Herbert Fritzenwenger schimpfte ob der sich zuletzt häufenden Aufgaben im Biathlon, schränkte einige Augenblicke später aber ein: "Wir müssen noch aufpassen, nicht, dass sie sich verletzt hat." (Alle Biathlon-Rennen im LIVETICKER)

Der ehemalige Biathlet Herbert Fritzenwenger ist Co-Kommentator beim ZDF
Der ehemalige Biathlet Herbert Fritzenwenger ist Co-Kommentator beim ZDF © Imago

Später wurde bekannt, dass Hettich unter Magenproblemen litt. 

"Sie hat relativ heftige Bauchkrämpfe gehabt. Das hatte sie schon häufiger gehabt. Wir dachten, wir haben das in den Griff bekommen, aber das war nicht so", sagte Deutschlands Arzt Jan Wüstenfeld im ZDF: "Sie hat starke Schmerzen gehabt, konnte beim Stehendschießen nicht mehr gerade stehen."

Nachdem Fritzenwenger von Hettichs Problemen erfahren hatte, entschuldigte er sich.

Fritzenwenger entschuldigt sich

"Unter dem Eindruck der Aufgabe von Johannes Kühn, gestern im Sprint der Männer, den ich kritisiert hatte, habe ich Janina Hettich heute zu unrecht kritisiert", erklärte er bei Facebook: "Ohne den Hintergrund ihrer Aufgabe habe ich 'losgepoltert'. Das ist ungerecht und war unprofessionell."

Fritzenwenger weiter: "Einige Sekunden danach habe ich die Einschränkung gemacht, dass es bei einer Verletzung natürlich zu entschuldigen ist. Janina hatte Magenprobleme. Dafür geht eine klare Entschuldigung an Janina Hettich."

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Es sei "ein klarer Nachteil, wenn man nicht vor Ort sein kann und das Ganze nicht aus der Reporterkabine verfolgen/einschätzen kann."

Experte schimpft über Hettich

Was war passiert? Fritzenwenger hatte – noch beeinflusst durch das Aussteigen Johannes Kühns im Sprint der Männer am Vortag – eine klare Haltung gezeigt.

"Was ist das? Wieso hört sie auf? Wieso hört sie auf?", schimpfte der 58-Jährige im ZDF, als die Kameras die Szenen einfingen.

"Wenn wir das einreißen lassen, dass die Athleten einfach aufhören, wenn es ihnen nicht gut geht, dann kann auch eine Dorothea Wierer aufhören zum Beispiel", meinte Fritzenwenger: "Ich verstehe das nicht, Entschuldigung, wenn ich mich aufrege."

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Die Italienerin Wierer schoss am Sonntag neun Fahrkarten, lief aber immerhin noch auf Rang 34. "Das tut man nicht, das ist unfair der Konkurrenz gegenüber", sagte Fritzenwenger über Hettich: "Die Letzten laufen ja auch weiter."

Gegenwind für Fritzenwenger

Für seine Aussagen kassierte die Kommentatoren-Legende auf Twitter reichlich Gegenwind, aber auch Zustimmung (Biathlon: Weltcup-Stände).

Fritzenwenger solle "den Mund halten", meinte Julia Probst. Die Bloggerin und Lippenleserin betonte, sie konnte "in der Rückblende verstehen, was eine weinende Hettich sagte zu den Betreuern. Es bleibt ihre Sache, ob sie es selbst sagen will."

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Später ergänzte Probst: "Sie sagte weinend, sie habe so Bauchkrämpfe."

Andere wiederum äußerten Verständnis für Fritzenwenger. Ein Kommentator dürfe auch mal seine Meinung vertreten, aufgeben sei "unsportlich" und "unfair".

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Kühn im Kreuzfeuer

Am Samstag hatte Johannes Kühn nach fünf Fehlern im Stehendschießen aufgegeben, nachdem er bereits liegend einmal daneben geschossen hatte. Dafür kassierte der 29-Jährige heftige Kritik von Fritzenwenger und einer weiteren Biathlon-Größe.

"Ich bin immer noch geplättet von der Einstellung, denn sie sind Vorbilder. Kinder sehen das im Fernsehen und eifern ihren Vorbildern nach. Nicht aufgeben!", appellierte Fritzenwenger.

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Auch dem viermaligen Olympiasieger Sven Fischer gefiel Kühns Verhalten nicht.

"Ich bin genauso der Meinung wie Herbert Fritzenwenger: Sie sind Vorbilder und es gehört dazu, dass man zu Ende läuft, außer man ist schwer verletzt oder hat irgendwas", pflichtete Fischer seinem Kollegen bei. Arnd Peiffer verteidigte derweil seinen Mitstreiter, es sei "seine persönliche Entscheidung".

Jacquelin sorgt für Aufsehen

Bei der vergangenen WM hatte es einen ähnlichen Fall gegeben. Verfolgungs-Weltmeister Émilien Jacquelin schoss im abschließenden Massenstart fünf Strafrunden im Liegendanschlag und wollte aussteigen.

Nachdem seine Trainer massiv auf den Franzosen eingewirkt hatten, lief er zumindest in langsamen Tempo noch ins Ziel und wurde 30 (Biathlon-Weltcup: Kalender der Saison 2020/21).