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München - Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi sind Italiens Hoffnungsträgerinnen bei der anstehenden Biathlon-WM. Das Verhältnis der beiden ist jedoch nicht gerade das Beste.

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Freundinnen werden Lisa Vittozzi und Dorothea Wierer in diesem Leben sicher keine mehr.

Zu unterschiedlich sind die beiden Biathletinnen, auf denen bei der Heim-WM in Antholz vom 12. bis 23. Februar (Biathlon-WM: Vom 13. bis 23. Februar im LIVETICKER) die Hoffnungen Italiens ruhen. Auf der einen Seite die eher extrovertierte Wierer, die förmlich vor Leben sprüht, auf der anderen Seite die eher ruhige und schüchterne Vittozzi.

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"Wir sind komplett verschieden, aber das ist normal. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Lisa ist viel ruhiger und konzentrierter als ich. Im Sommer bin ich zum Beispiel viel öfters draußen, liebe es zu reisen und neue Dinge auszuprobieren", beschrieb Wierer das Verhältnis zu ihrer Teamkollegin vor der letztjährigen WM im Interview mit der Zeitschrift Biathlon World.

WM 2019 führt zum Bruch zwischen Wierer und Vittozzi

Dass die Weltmeisterschaft im schwedischen Östersund aber zum endgültigen Bruch der beiden führen würde, das hätte wohl auch die 29-Jährige nicht gedacht.

Damals hatte die gebürtige Südtirolerin aus gesundheitlichen Gründen ihren Start in der Staffel abgesagt, nur um einen Tag später Gold im Massenstart zu holen. Was Vittozzi dabei besonders sauer aufstieß, war die Tatsache, dass ihre Kontrahentin durch den Sieg mit ihr an der Spitze der Weltcup-Gesamtwertung gleichzog. 

"Wir waren Erste und Zweite in der Gesamtweltcupwertung. Sie hat aber einen Tag länger pausieren können. Die Entscheidung, dass ich laufen musste, konnte ich nicht verstehen und habe sie auch schlecht aufgenommen", blickte die 25-Jährige nun in einem Interview mit dem Messaggero Veneto zurück.

Zudem habe Vittozzi die Entscheidung, dass sie die Staffel im Gegensatz zu ihrer Teamkollegin bestreiten musste, so "sehr nervös gemacht", dass sie beim anschließenden Weltcupfinale in Oslo ihre "Leichtigkeit verloren" habe und Wierer sich dadurch schlussendlich den Gesamtsieg sichern konnte. "Diese Affäre hat mich völlig destabilisiert", meinte Vittozzi.

Vittozzi kann sich Seitenhieb nicht verkneifen

Im Anschluss daran, so erklärte Vittozzi nun, habe sich zumindest für sie das Verhältnis zu Wierer geändert. "Sportlich gesehen hätte ich so etwas nicht gemacht", konnte sie sich einen kleinen Seitenhieb daher nicht verkneifen: "Wir haben danach auch nicht darüber gesprochen, es interessiert mich auch nicht."

Freundinnen seien die beiden ohnehin nicht, betonte die hauptberufliche Polizistin: "Wir sind Teamkolleginnen, Trainingspartnerinnen und Rivalinnen. Ich und Dorothea haben zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Und zwei unterschiedliche Charaktere kommen nicht immer gut aus. Aber wir respektieren uns."

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Allerdings kehrte sie in der ganzen Diskussion den Fakt, dass sie selbst zwei Tage vor der Staffel im Singel-Mixed-Rennen eine Pause erhielt, unter den Tisch. Stattdessen holte Wierer an der Seite von Lukas Hofer die Silbermedaille.

Ein Jahr später reisen beide nun mit unterschiedlichen Voraussetzungen zur Heim-WM. Denn während Wierer mit zwei Saisonsiegen aktuell auf dem zweiten Rang der Gesamtwertung liegt, lief Vittozzi ihrer Form aus dem Vorjahr lange hinterher und schaffte es erst beim letzten Massenstart im slowenischen Pokljuka mit Platz zwei überhaupt aufs Podest.

Wierer und Vittozzi von Grund auf verschieden

Wie unterschiedlich die beiden generell sind, macht alleine schon ihre Herangehensweise an einen Wettkampf deutlich. Denn während Wierer vor jedem Rennen darauf hofft, "nicht zu sehr leiden" zu müssen, kann Vittozzi den Start hingegen kaum erwarten.

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Gerade um diesen Willen, "stundenlang hart zu arbeiten", beneide Wierer ihre Teamkollegin daher. Vittozzi dagegen bewundere an Wierer, dass sie immer das macht, "was sie tun muss und es schafft, in Wettkämpfen alles aus sich herauszuholen".

Am Donnerstag werden die beiden nun zusammen in der Mixed-Staffel nach der ersten Medaille für Italien greifen. Vielleicht kann ein gemeinsamer Erfolg zumindest für ein wenig Frieden sorgen.