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München - Der Sprint-Sieg von Dopingsünder Alexander Loginov überschattet die Biathlon-WM in Antholz. Mit seinem befremdlichen Auftritt setzt der Russe noch einen drauf.

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Eigentlich hatte Antholz bisher eine strahlende WM der Skijäger unter tollen Bedingungen erlebt - doch seit Samstag wird das Biathlon-Highlight vom leidigen Doping-Thema überschattet (Biathlon-WM: Einzelrennen der Herren ab 14.15 Uhr im LIVETICKER).

13 Monate nach seinem bislang ersten und einzigen Einzelsieg im Weltcup sicherte sich Alexander Loginov im Sprint von Antholz völlig überraschend die Goldmedaille und schockte damit die Konkurrenz um Topfavorit und Titelverteidiger Johannes Thingnes Bö sowie Arnd Peiffer.

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Der 28-jährige Russe, der schon Ende 2014 wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden war, lag im Ziel 6,5 Sekunden vor dem Franzosen Quentin Fillon-Maillet. Bronze gewann dessen Landsmann Martin Fourcade, der nach einer fehlerfreien Leistung 19,5 Sekunden langsamer als Loginov war. Bö musste sich nach einem Schießfehler mit Rang fünf zufrieden geben.

Nur wenige Stunden vor Loginovs Triumph hatte der Weltverband IBU neben Svetlana Sleptsova auch Evgeny Ustyugov, 2014 Olympiasieger mit der russischen Staffel, des Dopings für schuldig befunden. Damit könnten die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp nachträglich Olympia-Gold von Sotschi bekommen.

Loginov-Sieg wirft laut Peiffer Zweifel auf

Der unrühmliche Gold-Coup erhitzte die Gemüter der Biathlon-Stars. Für Peiffer, der den siebten Platz im Sprint belegte, sei "natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei".

Es schwinge "natürlich ein gewisser Verdacht mit, weil der Kollege Loginov schon einmal wegen Epo-Missbrauchs gesperrt war. Und jetzt ist er wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat", äußerte der Einzel-Weltmeister seine Zweifel. 

Auf der anderen Seite müsse "man die Unschuldsvermutung walten lassen. Das fällt nicht immer leicht", so Peiffer.

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Bö: "Er verdient nicht, hier zu sein"

Der Norweger Tarjei Bö setzte nach dem Sprint noch einen drauf. "Er verdient es nicht, hier zu sein", ätzte der 31-Jährige.

Ähnlich erbarmungslos fiel auch das Urteil des Schweden Sebastian Samuelsson aus, der im Interview mit norwegischen Medien von einem "traurigen Tag für den Biathlon-Sport" sprach. Es sei "eine Schande für den Sport, dass einer nach einer Epo-Sperre zurückkommen und immer noch an Wettbewerben teilnehmen kann - und sogar noch WM-Gold holt", so Samuelsson.

Lediglich Fourcade, der als lautester und entschiedenster Vorkämpfer gegen Dopingmissbrauch in der Biathlon-Szene gilt, hielt sich erstaunlich zurück und sagte nur: "Ich bin traurig, dass ich immer wieder die gleichen Dinge wiederhole, seit ich Biathlon betreibe."

Doll unsicher im Umgang mit Loginov

Aber nicht nur der Sieg eines Dopingsünders bei der WM beschäftigte die Biathlon-Stars. Auch die Frage nach dem Umgang mit dem umstrittenen Weltmeister ließ Bedenken aufkommen.

So hatte Benedikt Doll mit einem "Zwiespalt" zu kämpfen. "Wenn man ihm im Ziel gratuliert oder die Hand schüttelt, stellt sich automatisch die Frage: Welches Bild von einem selbst wird da nun in die Welt hinausgeschickt?", sagte der 29-Jährige der Stuttgarter Zeitung.

Es sei schwierig, ihn einzuschätzen, er werde anders behandelt, fasste Doll zusammen. "Ich denke, er bekommt jeden Tag wie vor einem Spiegel vorgehalten, dass er einen Fehler gemacht hat. Wenn jemand schon einmal betrogen hat, liegt es nahe, ihm nicht mehr so vorbehaltlos zu glauben, er sei sauber. Solange niemand beweist, dass er wieder gedopt hat, erkenne ich seine Leistung an."

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Loginov verhöhnt Reporter

Mit seinem befremdlichen Auftritt bei der Pressekonferenz nach dem Titelgewinn trug Loginov jedoch das Übrige zur frostigen Stimmung gegenüber seiner Person bei.

In knapp 20 Minuten lachte der 28-Jährige kein einziges Mal. Auf die Frage, wie er denn je Vertrauen aufbauen wolle, wenn er sich nach dem Ablauf seiner Dopingsperre vor drei Jahren derart rar mache, antwortete Loginov höhnisch.

"Meine Frau und ich haben nun eine größere Wohnung und würden uns freuen, alle einzuladen, meine Alltagsroutine zu beobachten und sich zu vergewissern, dass bei mir alles sauber abläuft." Hintergrund der Frage: Loginov hatte während der WM ansonsten nicht mit Medienvertretern gesprochen.  

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Loginov blockt weitere Fragen ab

Fillon-Maillet und Fourcade, die als Zweiter und Dritter neben dem Russen saßen, verzogen keine Miene und würdigten den Sieger auch sonst keines Blickes. 

Loginov, der bestätigte, dass er in dieser Saison bereits zwölf bis 16-mal auf Doping getestet wurde, verließ nach der Presserunde schlagartig den Raum und blockte jegliche weiteren Fragen ab.  

Es passte also alles ins Drehbuch - und hinterließ vor dem Einzel der Männer einen faden Beigeschmack. Bleibt abzuwarten, ob der rehabilitierte Dopingsünder erneut einen solchen Auftritt hinlegt.