Denise Herrmann lässt am Schießstand derzeit zu viel liegen
Denise Herrmann lässt am Schießstand derzeit zu viel liegen © Imago
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München - Bei den deutschen Biathletinnen herrscht vor dem Weltcup in Le Grand Bornand Krisenstimmung. Laura Dahlmeier versucht mit einer Botschaft zu helfen.

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Laura Dahlmeier sendete am Sonntag eine Botschaft an ihre ehemaligen Teamkolleginnen.

"2017 haben wir, die deutschen Biathlon-Damen, von der Weltmeisterschaft in Hochfilzen fünf Gold- und eine Silbermedaille mit nach Hause gebracht. Wir haben das als Team geschafft. Heute sende ich den deutschen Damen ganz viel gute Stimmung und Stärke, denn das braucht ihr gerade. Ihr wisst, wie es geht, denkt einfach zurück. Das Können ist da und ihr wisst es. Unterstützt euch gegenseitig, vertraut euch gegenseitig, kämpft und gewinnt zusammen."

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Die Worte, die sie via Instagram an das DSV-Team richtete, ließen tief blicken. Und doch passen sie genau in die aktuelle Situation.

Kirchner zieht Deigentesch, Hammerschmidt und Hettich hoch

Beim Sprintrennen in Hochfilzen am Freitag schnitten die DSV-Damen so schlecht ab wie noch nie. Keine Athletin fand sich unter den Top 40 wieder. Mit fast eineinhalb Minuten Rückstand auf Siegerin Dorothea Wierer kam Denise Herrmann als beste Deutsche auf Platz 41 ins Ziel - ein sportliches Desaster.

Beim Staffelrennen zwei Tage später zeigte sich ein ähnliches Bild. 13 Mannschaften absolvierten das Rennen, Deutschland sortierte sich am Ende als Vorletzter auf Rang zwölf ein. "Wenn die Scheiße erst einmal dranklebt, dann klebt sie so richtig dran", lautete das Fazit von Vanessa Hinz.

Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner zog seine Konsequenzen: Für den Weltcup in Le Grand Bornand zog Kirchner neben den etablierten Denise Herrmann, Hinz und Franziska Preuß aus dem IBU-Team Marion Deigentesch, Maren Hammerschmidt und Janina Hettich hoch. Franziska Hildebrand, Karolin Horchler und Anna Weidel erhalten dafür eine Pause (Biathlon: Sprint der Damen ab 14.15 Uhr im LIVETICKER).

Krisenstimmung bei deutschen Biathletinnen

Bei den Biathletinnen ist Krisenstimmung angesagt. Nach dem Rücktritt von Weltmeisterin Dahlmeier klafft eine große Lücke, die im Moment niemand zu füllen vermag. Die Athletinnen präsentierten sich in den Interviews nach den Wettkämpfen niedergeschlagen und ratlos, Magdalena Neuner legte ihren ehemaligen Kolleginnen im dpa-Interview sogar den Gang zum Sportpsychologen ans Herz.

"Ich merke bei jeder Sportlerin so eine Unsicherheit irgendwie." Außerdem sei das deutsche Team auch läuferisch - mit Ausnahme von Herrmann - "echt weit weg", erklärte Neuner. Die Gründe für die Krise sind auch für Neuner unklar. "Woran es liegt, können wahrscheinlich nur die Trainer beantworten. Oder auch die Sportler selber", so Neuner. 

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Aber damit nicht genug: Die deutschen Biathletinnen sind genervt, dass Dahlmeier auch sieben Monate nach ihrem Rücktritt immer noch so sehr das gegenwärtige Geschehen überlagert. Die Fragen nach der zweimaligen Olympiasiegerin wird auch dies kaum zum Verstummen bringen - satt haben die deutschen Skijäger die ständige Erinnerung an deren Erfolge jedoch allemal.

"Ich verstehe es schon, aber mich nervt es ein bisschen", sagte Hinz in Hochfilzen. Herrmann, die nach dem Rücktritt von Dahlmeier die Rolle als neue Frontfrau übernehmen soll, sagte lapidar: "Laura ist halt nicht da." Und schon beim Saisonauftakt in Östersund hatte Erik Lesser unmissverständlich erklärt: "Wenn mich jemand fragt, wie die Saison wird und dann mit Laura kommt, da kriege ich Plaque."

Hinz: "Benötigen definitiv Hocherlebnis"

Beim Weltcup in Le Grand Bornand wollen die deutschen Biathletinnen Wiedergutmachung betreiben. Das miserable Wochenende von Hochfilzen sei "abgehakt, wir schauen voller Zuversicht der dritten Weltcup-Station entgegen", ergänzte Mehringer. Das Trainerteam hoffe, dass die drei arrivierten Athletinnen Herrmann, Preuß und Hinz "ihre Leistungsfähigkeit bestätigen können".

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Hinz begegnete der bevorstehenden Aufgabe derweil mit Galgenhumor. "Von uns erwartet ja im Moment ohnehin niemand was." Doch eines ist der 27-Jährigen trotzdem bewusst: "Wir benötigen definitiv wieder ein Hocherlebnis."

Ohne Dahlmeier starten die Biathletinnen in die nächste Aufgabe. Aber doch nicht ganz: Denn das frühere DSV-Aushängeschild muss nun als neue ZDF-Expertin bei ihrem Debüt ausgerechnet die Leistungen ihrer ehemaligen Kolleginnen bewerten.