München - Jahr für Jahr verliert der SSC Schwerin seine besten Spielerinnen. Trotzdem muss der Meister der Volleyball-Bundesliga ein titelfähiges Team zusammenstellen.

von SPORT1

Der SSC Palmberg Schwerin ist einer der führenden Vereine im deutschen Frauen-Volleyball.

Im vergangenen Jahr konnten die Norddeutschen die Meisterschaft erfolgreich verteidigen und wollen auch im Supercup am Sonntag (ab 14.30 Uhr Live im TV auf SPORT1) zum zweiten Mal in Folge triumphieren.

Doch der Erfolg ist für den Verein aus der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ist ebenso Segen wie Fluch. Jahr für Jahr muss der Klub seine besten Spielerinnen ins Ausland ziehen lassen und sich dadurch ständig neu erfinden.

Lippmann wechselt nach Italien

Erst im letzten Sommer verließ erneut eine wichtige Stütze das Team von Trainer Felix Koslowski. Nach zwei äußerst erfolgreichen Jahren zog es Nationalspielerin Louisa Lippmann zum italienischen Erstligisten Bisonte Firenze. (Spielplan der Volleyball-Bundesliga)

Die 24-Jährige avancierte 2017 und 2018 zur wertvollsten Spielerin der Volleyball-Bundesliga. Zusätzlich wurde sie 2017 zu Deutschlands Volleyballerin des Jahres gewählt.

"Finanziell sind wir in Europa nur eine kleine Nummer, so ehrlich muss man sein. Die ganz großen Gehälter werden in Italien, der Türkei oder Russland gezahlt", ordnet der Coach die Situation im SPORT1-Interview realistisch ein.

Schwerin wildert in der Bundesliga

Aber wie es in Europa die Regel ist, bedienen sich auch in Deutschland die Großen bei den Kleinen - und dort gehört Schwerin definitiv zu den Großen. Dementsprechend verstärkt man sich eben mit Spielerinnen aus der Volleyball-Bundesliga.

Gleich drei Neuzugänge kommen von den Ladies in Black Aachen - McKenzie Adams, Britt Bongaerts und Tessa Polder. "Von Vereinen wie Aachen geht der Schritt zu einem noch professionelleren Verein wie Schwerin oder Dresden und dann soll der Weg ins Ausland führen. Das ist der Lauf der Dinge", so Koslowski.

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Drewniok als Königstransfer

Der eigentliche Highlight-Transfer ist allerdings Kimberly Drewniok. Die Diagonalangreiferin vom VC Wiesbaden soll Lippmann ersetzen, ohne Lippmann zu sein.

"Louisa war schon eine sehr spezielle Spielerin und Persönlichkeit. Man darf sie und Kimberly Drewniok nicht miteinander vergleichen. Es sind unterschiedliche Spielerinnen und ich bin froh darüber", nimmt der Trainer den Druck von seinem Neuzugang und sieht auch schon eine mögliche Zukunft für sie. "Sie soll zwei, drei Jahre bei uns spielen und dann muss sie auch den Sprung ins Ausland schaffen."

Koslowski gibt Pokal-Finale als Ziel aus

Aber auch wenn sich der SSC Palmberg Schwerin ständig neu zu erfinden hat, so muss der Verein auch immer seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden. Mittelmaß ist dabei keine Option.

"Natürlich ist es als amtierender Meister schwer zu verkaufen, dass wir nicht um die Meisterschaft mitspielen wollen. Das wird auch wieder das Ziel sein", gibt Koslowski die Marschrichtung vor und schaut auch auf die anderen Wettbewerbe.

In der Champions League hofft man auf etwas Glück bei der Auslosung, um die Vorrunde zu überstehen. Im Pokal will man wieder ins Finale. "Wir würden auch mal wieder gerne ins Pokalfinale. Das haben wir letztes Jahr nicht geschafft."

Maren Fromm soll es richten

Die Schwerinerinnen gehen also ambitioniert in die neue Saison. Unterstützt wird man dabei von einer alten Bekannten. Maren Fromm streift für ihren Ex-Verein nochmal das Trikot über. Zwar hatte die 32-Jährige ihre Karriere nach der Weltmeisterschaft beendet. Aufgrund des Verletzungspechs verschiebt sie ihren Ruhestand aber nochmal um zwei Wochen.

"Weil jetzt direkt in der ersten Woche mit Supercup und Pokalspiel zwei wichtige Matches anstehen, hat unsere Teamleitung Maren als exzellente Überbrückung ins Spiel gebracht. Wir freuen uns riesig, dass sie uns den Gefallen tut", erklärte SSC-Geschäftsführer Andreas Burkard.