Robin Lehner ist der Erfolgsfaktor der Vegas Golden Knights
Robin Lehner ist der Erfolgsfaktor der Vegas Golden Knights © Getty Images
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München - Robin Lehner entwickelt sich zum Playoff-Helden der Golden Knights. So gut wie heute ging es dem Goalie lange nicht - Alkohol und Depressionen plagten ihn.

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Robin Lehner avanciert bei den Vegas Golden Knights immer mehr zum Playoff-Helden.

Seine bisherige Bilanz ist beeindruckend: 13 Einsätze hatte der Goalie in den NHL-Playoffs bislang, neun Siege, dabei vier ohne Gegentor stehen zu Buche. Sein Gegentorschnitt von 1,84 ist der beste aller in den Playoffs verbliebenen Torhüter. 

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In der Best-of-Seven-Serie gegen die Dallas Stars steht es 1:1, den Ausgleich erzielten die Golden Knights zuletzt dank eines 3:0-Sieges - und wieder sorgte Lehner für ein Shutout.

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Der Schwede entwickelt sich zum entscheidenden Faktor seiner Franchise. Und das obwohl er im Februar eigentlich nur als Backup für Marc-Andre Fleury von den Chicago Blackhawks getradet wurde.

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Diesem hat er mittlerweile aber den Rang als Nummer eins abgelaufen. Und das dürfte sich auch in den kommenden Partien nicht ändern, solange Lehner verletzungsfrei bleibt und sich keine größeren Aussetzer leistet.

"Ich fühle mich gut", sagte der 29-Jährige nach dem jüngsten Erfolg der Golden Knights, lobte aber auch seine Vorderleute für ihren Einsatz: "Die Jungs haben es mir heute leicht gemacht."

NHL-Goalie erleidet Zusammenbruch

Doch so gut wie heute ging es Lehner nicht immer. Der NHL-Profi hat eine schwierige Vergangenheit, erlitt erst vor zwei Jahren einen völligen Zusammenbruch. Mit seinem ehemaligen Team, den Buffalo Sabres, war Lehner damals gegen die Detroit Red Wings im Einsatz.

In der Halbzeit ging er in die Kabine. Der Goalie wollte sich eigentlich nur ausziehen. Aber: "Ich konnte kaum meine Ausrüstung ausziehen. Ich brach zusammen. Ich hatte eine heftige Panikattacke. Ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt. Ich hatte keine Ahnung, was vor sich ging. Ich konnte nicht mehr auf das Eis zurück", erzählte er rückblickend bei ESPN.

Er wurde nach Hause geschickt, doch auf dem Weg hielt er an, um Bier zu kaufen - so wie er es oft tat. Nach dieser Nacht bat er seine Frau, die die Sucht ihres Mannes jahrelang geheim gehalten hatte, ihn einzuliefern. 

Er begab sich auf Reha, wo er wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit behandelt wurde. Es wurden ADHS und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Drei Wochen dauerte die Entgiftung und danach begann Lehners großer Kampf mit sich selbst, der "nun durch meine eigenen Kindheitserfahrungen mit Missbrauch, Sucht und psychischen Erkrankungen" sehr schwer war.

Lehner plagen Albträume

Fast einen Monat lang hatte Lehner mit Albträumen zu kämpfen. In den meisten Nächten wachte er schwitzend auf - oder schlafwandelte. Er sah sich oft um und hatte keine Ahnung, wo er war.

"Ich begann, lebhafte Träume zu haben. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob dieser erste Monat real war", erzählte er später. Wegen der starken Abhängigkeit von Alkohol und Schlaftabletten habe er "wahrscheinlich acht Jahre lang keine Traumschlafphase" gehabt, so Lehner.

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Das änderte sich erst mit dem Entzug. "Ich habe Dinge gesehen - wirklich verrückte Dinge. Aber es war nur mein Gehirn, das den Schlaf nachholte, und da sah ich, wie mächtig es ist. Es ist hart, wenn man anfängt, zu erkennen, was man sich selbst angetan hat."

Als er die Reha nach drei Monaten verließ, fühlte er sich endlich bereit dazu, als Vater, Ehemann und NHL-Torwart bestehen zu können. Er fühlte sich stärker als je zuvor. Trotzdem riet ihm sein Umfeld, seine Geschichte für sich zu behalten - schließlich war er nach seinem Aus bei den Buffalo Sabres Free Agent.

Lehner gesteht Alkohol-Sucht

"Ich hatte nicht eine Person um mich herum, die das für eine gute Idee hielt", erzählte Lehner. Aber er selbst wollte sich nicht mehr verstecken und fasste den Entschluss, öffentlich über seine Sucht zu sprechen. "Ich hatte in meiner ganzen Karriere noch nie eine nüchterne Eishockeysaison erlebt", gab er gegenüber The Athletic zu.

Durch die Behandlung, so Lehner, habe er erkannt, dass seine psychischen Problemen nicht nur die Art und Weise beeinflussten, wie er sich neben dem Eis und mit seiner Familie gab, sondern auch sein Spiel.

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"Es war ein Muster zu erkennen", sagte Lehner. "Wenn ich hypomanisch und gut gelaunt war, zeigte ich solide Leistungen. Im depressiven Zustand nicht so sehr."

Neuer Vertrag und NHL-Auszeichnung

2018 unterschrieb er einen Einjahresvertrag bei den New York Islanders. Die Saison 2018/19 sollte die mit Abstand beste seiner Karriere werden.

Die Islanders mauserten sich zur Überraschungsmannschaft in den Playoffs, er gehörte zu den Finalisten der Vezina Trophy für den besten Torhüter der NHL und gewann die Bill Masterton Trophy, die Spielern mit Ausdauer, Hingabe und Fairness verliehen wird.

Ganz in schwarz gekleidet nahm Lehner die Trophäe in Las Vegas entgegen und erklärte: "Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich psychisch krank bin. Aber das bedeutet nicht, dass ich psychisch schwach bin."

Das beweist er auch heute immer wieder, wenn er die Vegas Golden Knights zum nächsten Sieg führt. Und mit der Meisterschaft könnte es für Lehner nach vielen Jahren des Leidens sogar noch ein Happy End geben.