J.J. Watt (mitte) läuft nun für die Arizona Cardinals auf.
NFL-Superstar J.J. Watt (Mitte) läuft nun für die Arizona Cardinals auf. © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago/instagram.com/jjwatt
Lesedauer: 5 Minuten

München - J.J. Watt will den Super Bowl gewinnen und geht überraschend zu den Arizona Cardinals. Reichen dem NFL-Superstar Hopkins, Murray und Co. trotz Talents zum Titel?

Anzeige

Nun also die Arizona Cardinals. Seit NFL-Superstar J.J. Watt bei den Houston Texans auf eigenen Wunsch entlassen wurde, hieß die große Frage: Wer schnappt sich den Quarterback-Jäger?

Von einem guten Dutzend interessierter Teams war die Rede, Watts Priorität soll die Chance auf den Super Bowl gewesen sein.

Anzeige

DAZN gratis testen und die NFL live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Doch statt wie erwartet (oder befürchtet) zu einer der gehandelten Top-Mannschaften wie Tampa Bay, Buffalo oder Baltimore zu gehen oder zu einem Herzens-Team wie Pittsburgh (wo seine Brüder spielen) oder Green Bay (Lieblingsteam seiner Kindheit), entschied sich der Defense-Riese etwas überraschend für die Arizona Cardinals.

Dabei stand die Franchise in der vergangenen Saison nicht einmal in den Playoffs. (Tabellen der NFL)

Allerdings trifft Watt dort auf einige alte Bekannte: Mit Receiver DeAndre Hopkins hatte der 31-Jährige bis 2020 noch in Houston zusammen gespielt. Und Arizonas Defensive Coordinator Vance Joseph war während Watts ersten drei NFL-Jahren ebenfalls bei den Texans, damals für die Defensive Backs zuständig. Man kennt sich also.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    So lief Bayerns Kimmich-Deal
  • Fussball / Bundesliga
    2
    Fussball / Bundesliga
    "Flick lässt sich nicht provozieren"
  • US-Sport / NFL
    3
    US-Sport / NFL
    Edelman verkündet Karriereende
  • Fussball / Transfermarkt
    4
    Fussball / Transfermarkt
    Transferticker: Supertalent bald frei - für Bayern?
  • Boulevard
    5
    Boulevard
    Bibiana Steinhaus hat geheiratet

NFL: Wie gut ist  J.J. Watt noch für die Cardinals?

Aber ist der Super Bowl, Watts erklärtes Ziel, mit den Cardinals realistisch?

Dahinter gibt es zwei bis drei Fragezeichen: Wie gut ist der verletzungsgeplagte Defensive End selbst noch? Und daran anschließend: Wie gut kann Arizonas D sein? Und was ist von der Offense um Hopkins und Quarterback-Jungstar Kyler Murray zu erwarten?

Zunächst zu Watt und der Defense: Fünf Sacks, zwei forcierte Fumbles und eine Interception in der vergangenen Saison sind für einen Quarterback-Jäger seiner Klasse überschaubare Zahlen - aber auch der schwachen Texans-D geschuldet, in der sich die Gegner voll darauf konzentrieren konnten, Watt zu stoppen.

Zumal: In den vergangenen Jahren war der 130-Kilo-Mann oft von Verletzungen geplagt - erstmals seit 2015 schaffte er in der Saison 2020 nun wieder alle 16 Spiele.

Am Talent mangelt es jedenfalls nicht, wie ein tieferer Blick in die Zahlen zeigt: Von 119 erfassten Pass Rushern lag Watt laut ESPN auf Platz 15, was die Pass Rush Win Rate angeht - also die Häufigkeit, mit der er seinen Gegenspieler im direkten Duell schlägt. Gerade angesichts seines (für NFL-Verhältnisse) fortgeschrittenen Alters ein starker Wert.

Seit 2012 (sein zweites Jahr) hat Watt satte 95,5 Sacks angesammelt. Nur ein einziger NFL-Spieler senste den gegnerischen Quarterback im gleichen Zeitraum öfter um. Sein Name: Chandler Jones (97 Sacks).

Cardinals können gefürchtete Defense stellen

Und genau dieser Chandler Jones war nicht nur 2014 mit den New England Patriots schon einmal Champion - seit 2016 spielt er bei den Cardinals. (NEWS: Alles zur NFL)

Heißt auch: Mit ihm und Watt kann Arizona in der kommenden Saison eine gefürchtete Defense stellen, bei der sich der Gegner mit gleich zwei gefährlichen Quarterback-Jägern herumschlagen muss.

Zur Erinnerung: Schon ohne ihren Superstar-Neuzugang schafften die Cardinals 2020 mit 48 Sacks die viertmeisten der Liga. Nur elf Teams ließen weniger Punkte zu.

Zahlen, die in der kommenden Saison noch besser werden können - vor allem, wenn mit Ausnahme-Cornerback Patrick Peterson der dritte große Defense-Star an Bord bleibt. Der achtmalige Pro-Bowler ist Free Agent, dürfte bei einem angemessenen Angebot aber kaum wechseln angesichts des großen Potenzials in Arizona.

Bekommt Mega-Combo Murray plus Hopkins genug Hilfe?

Potenzial ist das Stichwort auch für die Offense der Cardinals: Quarterback Murray und Top-Receiver Hopkins gehören in dieser Kombination mit zum Besten, was die NFL zu bieten hat. Spektakel ist bei diesem Duo garantiert - siehe "Hail Murray" in der zurückliegenden Saison.

Hopkins, von den Texans zuvor unbegreiflicherweise geradezu verscherbelt, untermauerte mit 1.407 Yards (Platz 3 im Ligavergleich) und 115 Receptions (Platz 2) auch im Cardinals-Trikot, dass er einer der besten Passfänger der Liga ist.

Einzig sechs Touchdowns sind für einen Mann seiner Klasse zu wenig (Platz 29).

Hier kommt Murray ins Spiel: Der Nummer-1-Pick im Draft 2019 geht in seine dritte NFL-Saison und wird noch einmal einen Sprung machen müssen, um die Cardinals wirklich zum erhofften Super-Bowl-Kandidaten zu machen. Als Läufer (819 Yards, 11 TD) ist der flinke Texaner herausragend, als Passer steht der Aufstieg zum Elite-QB noch aus.

Arizona nimmt Super Bowl ins Visier

Starken 26 Touchdowns (hier müssen auch die 11 selbst erlaufenen beachtet werden und die Tatsache, dass Murray eine Schulterverletzung plagte) stehen 12 Interceptions gegenüber. Nur fünf Quarterbacks leisteten sich vergangenen Saison mehr. Im Quarterback-Rating liegt Murray mit 94,3 als 18. auch nur im unteren Mittelfeld.

Neben dem individuellen Sprung, den der 23-Jährige in seinem dritten Jahr machen dürfte, braucht es für höhere Ziele in Arizona aber auch noch mehr Hilfe. Ein zweiter Top-Receiver neben Hopkins dürfte neben Peterson ganz oben auf der Wunschliste stehen.

Denn erstmal muss das Team in die Playoffs - und das wird in der NFC West gegen die Seattle Seahawks (Vorsaison 12-4), Los Angeles Rams (10-6) schwer genug, zumal auch die San Francisco 49ers (6-10) nach ihrer Verletzungsseuche nicht wieder so schlecht sein dürften. (Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Arizona (8-8) musste in der vergangenen Spielzeit der Jagd nach der Vince-Lombardi-Trophy am Fernseher zusehen - ebenso wie Watt, dessen Texans bei 4-12 standen.

Zumindest die Basis für einen Playoff-Run ist mit dem spektakulären Wechsel aber gelegt.