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München - Die Buccaneers schalten den besten Angriff der NFL im Super Bowl praktisch komplett aus. Der Schlüssel ist der geniale Plan mit Druck auf Patrick Mahomes.

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In seiner gesamten Karriere hat Patrick Mahomes nie ein Spiel ohne Touchdown erlebt.

Ausgerechnet auf der größten Bühne von allen hat ihn dieses Schicksal ereilt. Beim ernüchternden 9:31 in Super Bowl LV gegen die Tampa Bay Buccaneers wurde die Touchdown-Maschine der Kansas City Chiefs wie nie seit Mahomes' Ankunft entzaubert.

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"Unsere Offense war einfach nie auf einer Wellenlänge. Die Receiver hatte ich oft nicht da erwartet, wo sie waren, die O-Line war manchmal gut, manchmal ließen sie Gegner durch. In der Redzone waren wir schlecht. Sie waren einfach besser als wir", haderte der MVP des letztjährigen NFL-Endspiels.

Mahomes hatte seit seiner College-Zeit kein Spiel mehr mit mehr als einem Touchdown Unterschied verloren. Wie ist den Bucs gelungen, woran jeder Gegner zuvor gescheitert war?

Von wegen Passfeuerwerk: Buccaneers jagen Mahomes

Der Super Bowl in Tampa stellte bei allem Passfeuerwerk in der heutigen Zeit eindrucksvoll unter Beweis, wo Spiele in der NFL eben doch gewonnen werden: an der Line of Scrimmage.

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Wie im Vorfeld prognostiziert, stellte sich der Pass Rush der Buccaneers - also die Quarterback-Jäger, wenn man so will - als entscheidend heraus.

Wie schon im NFC-Finale zwei Wochen zuvor gegen Green Bay nutzten vor allem Jason Pierre-Paul und Shaq Barrett die Verletzungsprobleme der Chiefs in der Offensive Line eiskalt aus.

Dabei stechen gar nicht so sehr die am Ende drei Sacks gegen Mahomes heraus, sondern dass er laut Next Gen Stats bei einem Drittel aller Spielzüge unter Druck gesetzt wurde, obwohl die Bucs nur fünfmal einen Blitz - also direkte Angriffe zusätzlicher Verteidiger auf den Quarterback - ansagten.

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Verletzungen und Coaching-Fehler der Chiefs

Die vier Frontverteidiger JPP, Barrett, Ndamuong Suh und Vita Vea dominierten Mahomes' Beschützer, vor allem Left Tackle Mike Remmers hatte einen ganz schweren Stand. Er hatte die undankbare Aufgabe, Eric Fisher zu ersetzen, der sich im AFC-Finale gegen Buffalo die Achillessehne gerissen hatte.

Vor allem Remmers hätte einen Tight End als Unterstützung brauchen können, die Chiefs spielten dennoch mit mehr Passfängern. Das rächte sich.

Tampa-Defensivguru mit perfektem Plan

Auf dieser Dominanz fußte der geniale Plan von Tampas Defensivguru Todd Bowles. Der frühere Cheftrainer der New York Jets konnte so in über 80 Prozent der Fälle seine Safetys tief postieren, damit unter anderem den pfeilschnellen Chiefs-Star Tyreek Hill ständig doppeln und die langen Pässe der Chiefs unterbinden (Die dunkle Vita des Tyreek Hill).

KC hatte nicht einen einzigen vollständigen Pass, der mindestens 20 Yards in der Luft war. Während der Saison hatte kein Team so wenige Big Plays verbucht.

Vor allem Hill, der die Bucs im November mit drei Touchdowns und über 200 Yards bereits im ersten Viertel im Alleingang besiegt hatte, war trotz am Ende sieben Catches nie ein Faktor.

"Ich musste ihm das heimzahlen. Nachdem er beim letzten Mal direkt vor mir einen Rückwärtssalto gemacht und mir das Peace-Zeichen gezeigt hatte, musste ich ihm das zurückgeben. Das hat sich toll angefühlt", sagte Bucs-Verteidiger Antoine Winfield zu seiner Strafe wegen Unsportlichkeit. Das zeigt aber die Einstellung des Teams.

Keine Big Plays von Mahomes und Hill

Sie wollten den Ball immer vor sich halten und Mahomes damit auch seiner stärksten Waffe, dem irren Wurfarm, berauben. Das gelang nahezu perfekt.

Die besten Aktionen des Quarterbacks entsprangen improvisierten Läufen oder Pässen aus vollem Lauf, die seine Mitspieler aber auch selten festhalten konnten. Das Timing und der Rhythmus stimmten nie, während der regulären Saison waren sie mit im Schnitt 415 Total Yards pro Spiel die klare Nummer eins der NFL und erzielten fast 30 Punkte pro Partie.

Perfekt eingestellt

Natürlich spielten auch die gute Ballkontrolle der Bucs (Laufspiel und Schutz für Tom Brady) sowie die insgesamt elf Strafen eine gewichtige Rolle, aber letztlich war Tampas Verteidigung perfekt eingestellt.

Natürlich haben schon mehr Teams versucht, Druck auf Mahomes zu machen und Hill zu doppeln, Chiefs-Coach Andy Reid stellt sich darauf in der Regel mit schnellen Pässen wie Screens ein. Vor allem Linebacker Devin White ahnte diese strategischen Konterversuche aber immer wieder voraus oder verhinderte mit seiner Schnelligkeit signifikanten Raumgewinn.

So war es am Ende nur passend, dass ihm mit der zweiten Interception gegen Mahomes der Schlusspunkt gelang. Manchmal gewinnt eben doch noch Verteidigung Meisterschaften.