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München - Patrick Mahomes hat mit 25 Jahren in der NFL bereits fast alles erreicht. Eine Titelverteidigung im Super Bowl hätte dennoch doppeltes historisches Gewicht.

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Er ist ein Phänomen, so groß wie es in seinem Alter vielleicht noch keiner in der NFL war.

Patrick Mahomes, Quarterback der Kansas City Chiefs, gilt mit gerade einmal 25 Jahren bereits als unsterblich.

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Mahomes gelang, was selbst dem großen Joe Montana nicht gelungen war: Nach 50 langen Jahren führte er die Chiefs wieder in den Super Bowl und auch zum Titel, MVP der Partie wurde er ebenso. Was kommt noch, wenn man mit gerade einmal 25 quasi alles erreicht hat?

Nun, ein zweiter Super-Bowl-Triumph wäre ein Anfang (Ergebnisse und Spielplan der NFL).

Patrick Mahomes auf den Spuren von Joe Montana und Tom Brady

In der Nacht zum Montag ist gegen die Tampa Bay Buccaneers der zweite Titel in Folge möglich, was in der 55-jährigen Geschichte der Super Bowl bislang nur sieben Teams gelungen war.

Mahomes träte mit dem "Repeat" in die Fußstapfen von Premierensieger Bart Starr (Green Bay Packers 1967/68), Bob Griese (Miami Dolphins 73/74), Terry Bradshaw (zweimal mit den Pittsburgh Steelers 75/76, 79/80), Montana (San Francisco 49ers 89/90), Troy Aikman (Dallas Cowboys 93/94), John Elway (Denver Broncos 98/99) und in die eines gewissen Tom Brady (New England Patriots 2004/05).

Ebenjener Brady ist nun Mahomes' Kontrahent - und ein Sieg über ihn würde ihm den historischen Coup versüßen. Wer kann nämlich schon von sich behaupten, den GOAT im Super Bowl geschlagen zu haben, im dessen Heimstadion in Tampa obendrein?

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Mahomes ein Naturtalent auf allen Ebenen

Wie konnte der Youngster, der eigentlich Baseballer hätte werden sollen, es so schnell bis ganz nach oben bringen?

Mahomes ist die Inkarnation eines Naturtalents, vereint alles in sich, was ein perfekter Quarterback braucht: Unglaublicher Wurfarm, herausragende Athletik, verblüffende Spielintelligenz, fotografisches Gedächtnis, Kreativität - und unbändiger Wille.

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Schon 2017, beim Probetraining der NFL (Scouting Combine), wurden seine Würfe mit fast 100 km/h gemessen - die höchste Geschwindigkeit aller Zeiten. "Es war der Wahnsinn. Diesen Arm habe ich bei keinem College-Quarterback gesehen", erinnert sich ein NFL-Scout bei SPORT1.

Neben den körperlichen Anlagen ist auch Mahomes' mentale Reife erstaunlich bis unglaublich: Seitdem er 2018 Starting-Quarterback bei den Chiefs wurde, zeigt Mahomes Woche für Woche, dass er sich durch nichts aus dem Konzept bringen lässt. Er kann aus jedem Winkel oder jeder Situation noch einen Pass aus dem Ärmel schütteln, zur Not wirft er sogar auch mit links.

Mahomes wird MVP in der Debütsaison

2018, nach nur einem Lehrjahr, spielte Mahomes die wohl beste Debütsaison eines Starting-Quarterbacks in der NFL-Geschichte und wurde mit 50 Touchdown-Pässen (Liga-Bestwert!) zum MVP gewählt.

Statistisch war seine Saison 2019 zwar nicht so außerirdisch wie sein MVP-Jahr davor, doch Mahomes behielt seine aufregenden und unvorhersehbaren Wow-Pässe bei und schraubte mit nur fünf Interceptions seine Effizienz noch einmal deutlich nach oben.

Kein Spielmacher der NFL-Geschichte kam schneller auf 70 Touchdowns und hatte in den ersten drei Jahren der Karriere ein besseres Quarterback-Rating (108,9).

Mahomes schraubt Bestmarken in die Höhe

Dass er niemals aufgibt, zeigte er in den Playoffs der vergangenen Saison: Gegen die Houston Texans holte er einen 0:24-Rückstand auf, am Ende standen unfassbare 51 Punkte auf dem Konto der Chiefs. Und auch in den folgenden beiden Spielen drehte er einen zweistelligen Rückstand noch in einen Sieg (7:17 und 10:20) - NFL-Rekord!

Ein Jahr später zeigt sich das gleiche Bild: Die Chiefs zeigten die ganze Saison über famose Aufholjagden nach Rückstand, pflügten gegen die Cleveland Browns und die Buffalo Bills durch die Playoffs und stehen erneut im Super Bowl. Aus der Regular Season nahm Mahomes quasi nebenbei neue persönliche Bestmarken bei Pass-Versuchen (588), angekommenen Pässen (390, 66,3 %) sowie bei Anzahl (62) und Summe (308) der Rushing Yards mit.

Mahomes kassierte nur eine empfindliche Niederlage

Seitdem er Starting-Quarterback ist, musste er eigentlich nur eine einzige wirklich große Niederlage einstecken. Es war dummerweise eine gegen Tom Brady.

Zusammen mit den New England Patriots beendete die Quarterback-Legende 2019 in der Verlängerung des AFC Championship Games den Chiefs-Traum vom Super Bowl. Stattdessen krönten sie sich anschließend selbst zum Champion.

Am 7. Februar treffen Brady und Mahomes zum insgesamt fünften Mal aufeinander. In den bisherigen vier Matches gewann Brady zwei Mal (jeweils mit New England im Okt. 2018 und Jan. 2019) und auch Mahomes zwei Mal (gegen New England im Dez. 2019 und gegen Tampa Bay im Nov. 2020).

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Rodgers und Brees scheiterten an Brady

Was nun für Mahomes spricht: Als Titelverteidiger ist der Druck, den Super Bowl endlich wieder gewinnen zu müssen, erst einmal weg - anders als bei den anderen großen Quarterbacks, die in den diesjährigen Playoffs schon an Brady gescheitert sind - Packers-Legende Aaron Rodgers und Saints-Superstar Drew Brees, die eine größere Bürde zu schultern hatten. (Tabellen der NFL)

Generell ist auffällig, dass in den großen Spielen gegen Brady vermeintliche Underdogs mehr Glück hatten als höher gehandelte Größen: Die einzigen Super-Bowl-Niederlagen kassierte Brady gegen Eli Manning (2008 und 2012 mit den New York Giants) und Nick Foles (2017 mit den Philadelphia Eagles).

Mahomes fehlt in den Playoffs ein Sieg gegen Brady, im Titeljahr 2019/20 musste Mahomes mit den Chiefs nicht an Brady vorbei. Den schalteten damals in der Wildcard-Runde überraschenderweise die Titans aus.

Mahomes' Vermächtnis ist dennoch schon jetzt das eines NFL-Titanen - und er hat noch viel Zeit, so viele Titel anzuhäufen, dass er Brady den Rang als Größter aller Zeiten streitig machen kann.

Die Gelegenheit, das mit einem Super-Bowl-Sieg über den amtierenden GOAT zu unterstreichen, ist aber wohl eine einmalige. Im umgekehrten Fall wäre eine große Niederlage gegen den 43 Jahre alten Brady ein kleiner Makel in der Bilanz. Und einer, den er wohl nicht mehr korrigieren können würde.