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München - Die Houston Texans sorgen mit einer Reihe von Fehlentscheidungen dafür, dass Deshaun Watson das Team verlassen will. Wohin könnte es den Star-Quarterback ziehen?

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Es war ein Beben, das die NFL am Donnerstag erschütterte.

Deshaun Watson möchte gehen. Nach übereinstimmenden Medienberichten mehrerer NFL-Insider hat der Franchise-Quarterback die Houston Texans offiziell um einen Trade gebeten. (Ergebnisse und Spielplan der NFL)

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Bereits in den vergangenen Wochen hatte der Spielmacher die Gerüchte um einen Abgang befeuert. Watson ging nicht mehr an sein Telefon, wenn Team-Verantwortliche ihn anriefen, eindeutige Social-Media-Posts taten ihr Übriges. Nun herrscht also Klarheit.

Nach Informationen von ESPN-Journalist Adam Schefter soll der Sportler seinen Wunsch dem Team sogar schon vor Wochen mitgeteilt haben.

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Wie konnte es soweit kommen? Watson gehört schon seit Jahren zu den absoluten Top-Quarterbacks der Liga. Seine Zahlen sind beeindruckend, ein Team mit einem Spielmacher wie ihm müsste eigentlich um den Titel mitspielen. Doch weit gefehlt.

Mit einer Bilanz von nur vier Siegen bei zwölf Niederlagen haben die Texans die Playoffs krachend verfehlt. Aussicht auf Besserung gibt es aktuell nicht. (NEWS: Alles Wichtige zur NFL)

Watson hat Mega-Vertrag unterschrieben

Dass Watson nun klar und deutlich seinen Wechselwunsch äußert, obwohl er vor Saisonbeginn einen Mega-Vertrag über 160 Millionen US-Dollar unterschrieben hatte, liegt aber nicht an einer sportlich erfolglosen Saison alleine. Über Jahre hinweg verärgerte die Franchise ihren wichtigsten Spieler.

Den größten Ärger verursachte wohl der Trade von DeAndre Hopkins. Im März 2020 ließ das Team den Star-Receiver zu den Cardinals ziehen. Running Back David Johnson sowie ein Zweit- und ein Viertrundenpick im Gegenzug wirkten geradezu lächerlich und schockten Fans wie Experten gleichermaßen.

Die Texans machten sich nicht nur lächerlich, Watson verlor auch seine wichtigste Anspielstation.

Verantwortlich war seinerzeit Bill O'Brien, der in einer Doppel-Funktion als Head Coach und Personalentscheider bereits im Sommer 2019 mit wenig erfolgreichen Trades dafür gesorgt hatte, dass die Texans beim kommenden Draft keinen Erstrundenpick haben.

Culley neuer Headcoach - aber viele Fehler bei Texans

Nach der Entlassung von O'Brien war das Team nun monatelang auf der Suche nach einem neuen Trainer und einem General Manager. Watson, als wichtigstem Spieler des Teams, wurde dabei Mitsprache versprochen. Doch es kam anders.

Von der Verpflichtung des neuen GM erfuhr er – genau wie beim Hopkins-Trade – aus den Medien. Und auch sein Wunschkandidat für den Head-Coach-Posten wurde nicht verpflichtet.

Immerhin verpflichteten die Texans am Freitag nun David Culley: Der 65-Jährige war in den vergangenen beiden Spielzeiten Assistant Headcoach, Passing Coordinator und Wide Receivers Coach der Baltimore Ravens.

Angesprochen auf die Personalie Deshaun Watson erklärte Culley nun zwar: "Der Grund, warum ich heute in dieser Position bin, ist, dass ich weiß, dass er weiter ein Houston Texan sein wird."

Doch Deshauns Zeit bei der Franchise, dessen Trikot der Quarterback seit seinem Erstrunden-Pick 2017 trägt, neigt sich dennoch dem Ende entgegen. Wohin könnte es ihn also verschlagen?

Einfach dürften die Verhandlungen für die Texans nicht werden, egal mit welchem Team. Ein Trade-Paket wie bei Hopkins, bei dem Houston als klarer Verlierer galt, soll unter allen Umständen verhindert werden. Doch selbst wenn sich die Franchise mit einem Konkurrenten einig wird, heißt das noch lange nicht, dass ein Tausch zustande kommt.

No-Trade-Klausel im Vertrag

Grund dafür ist die so genannte No-Trade-Klausel, die Watson in seinem Vertrag hat. Der 25-Jährige kann den Trade zu einem Team blockieren, wenn er mit diesem nicht einverstanden ist. Der Gegenwert alleine zählt also nicht, auch die Meinung des Spielmachers ist entscheidend.

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Mit einem Cap Hit von gut 10,5 Millionen US-Dollar ist Watson vor allem im Jahr 2021 und in Anbetracht der Corona-Krise ein Schnäppchen. In den vier Jahren danach müssen mehr als 30 Millionen locker gemacht werden. Bei der Frage nach einem Landing Spot für Watson ist aber nicht dessen Gehalt, sondern das für die Verpflichtung nötige Paket ausschlaggebend.

Watson selbst soll laut US-Medien vor allem zwei Teams favorisieren: die Miami Dolphins und die New York Jets. Was könnten beide bieten?

Miami Dolphins

Die Dolphins haben die Playoffs trotz einer Bilanz von 10:6 knapp verpasst. Dank eines starken Teams fehlt in den Augen vieler Experten nur noch ein Star-QB für den großen Erfolg - was Rookie Tua Tagovailoa noch nicht ist. Durch den 2019 missglückten Texans-Trade hat Miami in diesem Jahr den dritten Pick, sowie den 18. in Runde eins. Mit den beiden Erstrundenpicks sowie dem aus dem Jahr 2022 und Tagovailoa obendrauf hat das Team eine gute Verhandlungsposition.

New York Jets

Das zweitschlechteste Team der vergangenen Saison ist sportlich noch kein Leckerbissen, könnte aber ebenfalls ein attraktives Draft-Paket mit zwei Erstrundenpicks 2021 bieten. Und selbst wenn Watson verpflichtet werden sollte, hätte das Team noch genügend Geld, um sich auf anderen Positionen zu verstärken. Für große Erfolge ist aber ein totaler Rebuild nötig.

Deshaun Watson ist einer der besten Quarterbacks in der NFL
Deshaun Watson ist einer der besten Quarterbacks in der NFL ©

Jacksonville Jaguars

Bei den Jaguars ist die Lage wie bei den Jets. Sportlich ist das Team nicht gut, dafür hat es viele Draft-Picks im Angebot. Der Cap Space ist sogar noch deutlich größer als beim Rivalen aus dem Big Apple.

Aber: Im Draft hat Jacksonville den ersten Pick und könnte sich mit Trevor Lawrence eines der größten Spielmacher-Talente der vergangenen Jahre sichern. Ob dieser so gut wird wie Watson, ist natürlich nicht garantiert, deutlich billiger wäre er allemal.

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San Francisco 49ers

Bei den 49ers ist nicht klar, ob der bisherige Spielmacher Jimmy Garoppolo bleibt. Das Team hat mit George Kittle einen der besten Passempfänger der Liga, zudem zählt die Defense trotz des enormen Verletzungspechs in der vergangenen Saison zur Elite.

Für San Francisco spricht, dass sie in der NFC und damit nicht in der selben Conference wie die Texans spielen. In Sachen Draft-Picks sind sie aber nicht so gut ausgestattet und müssten mehr drauflegen also nur Garoppolo. Defensiv-Monster Nick Bosa wäre eine Option, aber ob die 49ers bereit sind ihn abzugeben, darf bezweifelt werden.

Washington Football Team

In Washington ist die Lage ähnlich wie in Miami. Das Team ist gut, das Fundament steht, nur ein Super-Quarterback fehlt. Doch auch das Football Team hat kein gutes Draft-Paket im Angebot und müsste wohl die Erst- und Zweitrundenpicks der nächsten drei Jahre opfern.

Ob das reicht? Vermutlich bräuchte es zusätzlich noch einen starken Spieler. Schnell kommt das Gespräch dabei auf Chase Young. Aber würde Washington seinen wohl besten Spieler wirklich ziehen lassen?

Da der GM-Posten aber ohnehin noch unbesetzt ist, ist die Richtung des Teams schwer einzuschätzen.

Neben den genannten Teams sind aber auch noch andere Mannschaften im Rennen. Auch die New England Patriots, die Carolina Panthers und die Indianpolis Colts haben auf der wichtigsten Position Bedarf. Vor allem die Panthers scheinen dabei ein großes Interesse an Watson zu haben und wollen laut Insider Ian Rapoport "aggressiv" vorgehen, um ihn zu verpflichten.

Aber auch Carolina hat nur wenige Picks zur Verfügung und müsste wohl mindestens einen guten Spieler opfern. Zudem ist unklar, was mit dem bisherigen Spielmacher Teddy Bridgewater passieren würde.

Zu welchem Team Watson auch immer gehen mag, eines ist klar: Es könnte einer der größten Deals in der Geschichte der NFL werden. (Tabellen der NFL)