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München - Nach der Demütigung gegen die Saints schlagen die Tampa Bay Buccaneers zurück. Gelingt Tom Brady mit seinem neuen Team etwas Einmaliges in der NFL-Geschichte?

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Diese Niederlage saß tief.

Vor zwei Wochen kassierten die Tampa Bay Buccaneers eine der wohl bittersten Pleiten ihrer Geschichte. Gegen Division-Rivale New Orleans Saints ging das Team mit 3:38 unter.

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Schon zur Halbzeit hatten die Saints mit 21:0 in Führung gelegen und auch in den Vierteln drei und vier wurde es für die Bucs nicht besser. Quarterback-Superstar Tom Brady warf eine Interception nach der anderen, ein Touchdown gelang nicht.

Nach der Partie sprach der sichtlich angegriffene Brady von einer "armseligen Vorstellung". Noch nie zuvor hatte der sechsmalige Super-Bowl-Sieger ein NFL-Spiel höher verloren. "Wir müssen alle viel, viel besser spielen: angefangen mit mir", versprach der 43-Jährige. Und dieses Versprechen hielt er dann auch.

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Brady brilliert gegen Panthers

Nur eine Woche später zeigte TB12 wieder seine ganze Klasse. Gegen die Carolina Panthers gelang ein 46:23-Sieg - Brady verzeichnete ganze vier Touchdowns, wovon er einen sogar selbst in die Endzone trug.

Innerhalb von nur sieben Tagen hatte sich die Gefühlswelt in Tampa gedreht. Hinter den Saints (8:2) rangiert das Team mit einer Bilanz von 7:3 auf Rang zwei der NFC South, in strammen Schritten marschieren die Bucs in Richtung Playoffs. Und dabei scheint sich mehr und mehr zusammen zu fügen.

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Und das in einer Saison, in der mit dem Super Bowl am 7. Februar 2021 ein ganz besonderes Highlight wartet. Denn das Endspiel um die Vince-Lombardi-Trophy findet nicht irgendwo, sondern im Raymond James Stadium in Tampa statt. Noch nie in der Geschichte der NFL konnte ein Team am Super Bowl im eigenen Stadion teilnehmen, geschweige denn ihn gewinnen. Ändert sich das in wenigen Monaten?

Bucs haben viele starke Receiver

Mit der Verpflichtung von Tom Brady setzten die Bucs vor Saisonbeginn ein Ausrufezeichen. Der erfolgreichste Spielmacher aller Zeiten verließ die Patriots, um im warmen Süden einen Neuanfang zu wagen.

Und das mit Erfolg. Auch wenn er im Alter von 43 Jahren bei weiten Würfen nicht mehr ganz so treffsicher ist wie in früheren Zeiten, Brady spielt immer noch herausragend. Und vor allem hat er herausragendes Personal.

Tight End Rob Gronkowski ist wieder in Form wie zu besten Patriots-Zeiten und hilft seinem neuen Team auch in Sachen Blocking exzellent. Im Receiver-Corps hat Brady mit Mike Evans, Chris Godwin und Neuzugang Antonio Brown mehrere hochklassige Alternativen. Der gegnerischen Defense kann es dabei kaum gelingen, alle Spieler gleichzeitig abzudecken.

Brown fügt sich gut ein

Sorgenkind Brown, der bei seinen Arbeitgebern zuvor nicht zurecht kam und gegen den auch noch juristische Verfahren laufen, scheint sich nicht nur in der WG mit Brady und dessen Ehefrau Gisele Bündchen, sondern auch im Team wohlzufühlen. (NFL: Spielplan und Ergebnisse der Saison 2020/21)

Und auch das Problem im Spiel gegen die Saints, als das Laufspiel der Bucs kaum existent war, konnte vergangene Woche gegen die Panthers gelöst werden. Brady warf den Ball 39 Mal, 37 Mal versuchte sich das Team an einem Laufspielzug.

Ronald Jones sorgte dabei mit einem Touchdown-Lauf über 98 Yards für einen neuen Franchise-Rekord. Ohnehin war es zuvor nur drei Spielern in der NFL-Geschichte gelungen, einen Touchdown-Lauf über mindestens 98 Yards zu absolvieren. 

Laufspiel deutlich besser

"Im Laufspiel schlagen sie sich großartig, blocken hart und sind vorne wirklich aggressiv. Es war definitiv toll, sie heute körperlich spielen zu sehen – das haben wir gebraucht", lobte Brady nach dem Spiel.

Head Coach Bruce Arians sah sogar noch Luft nach oben. "Tom weiß, dass er bei einigen Würfen Chancen hat liegen lassen. Wir hatten AB, Mike und Gronk weit offen, aber der Wind war auch tückisch. Er ist genauso kritisch mit sich selbst wie ich, aber er hat fantastisch gespielt", sagte der Coach über seinen Quarterback.

Doch noch klappt in Tampa nicht alles. (Tabellen der NFL)

Defense der Bucs nicht konstant genug

Die Defense steht bei Weitem nicht so sicher wie benötigt – vor allem fehlt es an Konstanz über das gesamte Spiel hinweg. Zu selten wird der gegnerische Quarterback wirklich unter Druck gesetzt. Bei 18 Dropbacks in der ersten Hälfte bekam Panthers-QB Teddy Bridgewater lediglich drei Mal richtig Probleme. Nur in Woche eins gegen die Saints war die Bucs-Defense noch schlechter. 

Die Defense der Buccaneers zeigt sich noch nicht konstant genug
Die Defense der Buccaneers zeigt sich noch nicht konstant genug © Getty Images

In Halbzeit zwei lief es dagegen deutlich besser. Dort gelang es immerhin bei mehr als der Hälfte aller Versuche, Druck aufzubauen.

Training am Abend

Doch es gibt noch ein anderes Problem. Bei Spielen zur besten Sendezeit liefert die Franchise meist schlechte Leistungen ab. Bei zwei von drei Partien zu später Stunde kassierten die Bucs in dieser Saison eine Niederlage. Mit dem Monday Night Game des 11. Spieltages steht erneut ein Auftritt am späten Abend auf dem Programm.

Dieses Mal hat sich das Team aber speziell darauf vorbereitet. Um nicht erneut zu verlieren, hat Head Coach Bruce Arians während der vergangenen Woche stets unter Flutlichtbedingungen in der Dunkelheit trainieren lassen. "Wir müssen etwas ausprobieren", erklärte der Trainer. Und auch Brady hofft dadurch auf einen entscheidenden Impuls: "Es geht um unseren Prozess und darum, rauszugehen und gute Arbeit zu leisten. Was auch immer wir brauchen, um gut zu spielen, interessiert Bruce, also konzentrieren wir uns darauf."

Dass die Bucs trotz ihrer bisherigen Prime-Time-Schwäche in die Playoffs einziehen, daran dürften wohl nicht mehr allzu viele zweifeln. Ob es aber wirklich gut genug für den Super Bowl ist, muss das Team erst noch beweisen.