Le'Veon Bell (r.) trifft bei den Kansas City Chiefs auf Patrick Mahomes und Trainer Andy Reid
Le'Veon Bell (r.) trifft bei den Kansas City Chiefs auf Patrick Mahomes und Trainer Andy Reid © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
Lesedauer: 6 Minuten

München - NFL-Champion Kansas City Chiefs holt den bei Steelers und Jets in Ungnade gefallenen Le'Veon Bell. Auf dem Papier passt er perfekt, doch es gibt Fragezeichen.

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Diese Nachricht schlug in der NFL ein wie eine Bombe!

Le'Veon Bell ist nach seinem unrühmlichen Abgang bei den New York Jets nicht bei irgendeinem Team untergekommen, sondern bei DEM Team. Kansas City Chiefs! Aktueller Super-Bowl-Champion! Heißester Anwärter auf den Titel auch in dieser Saison! (NFL: Spielplan und Ergebnisse)

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So weit, so verständlich.

Doch was ist mit Bell selbst? Ist er noch der unglaublich starke Running Back aus seinen Tagen bei den Pittsburgh Steelers? Oder hat er in der Zwischenzeit zu viel seiner Leistungsstärke verloren? Und passt er überhaupt in das Teamgefüge der Chiefs?

Le'Veon Bell stellte Rekorde auf

Um diese Fragen zu beantworten, ist ein Blick in die Vergangenheit unerlässlich. 2017 war Bell bei den Steelers der Mega-Star. Knapp 2000 Yards in nur 15 Saisonspielen sind ein fantastischer Wert. Dazu stellt der wohl vielseitigste Running Back der vergangenen Jahre mit 85 Catches einen Franchise-Rekord auf.

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Er ist also nicht nur reiner Ballträger, sondern dient auch als verlässliche Anspielstation.

Diese doppelte Begabung führt bei ihm allerdings auch zu hohen Gehaltsansprüchen. Selbst die ihm angebotenen 60 Millionen Dollar sind ihm zu wenig. Er lässt es auf einen Machtkampf ankommen, bestreikt die komplette Saison 2018 - und landet schließlich bei den Jets, dem schlechtesten Team der NFL.

Dort kommt er 2019 zwar wieder regelmäßig zum Einsatz, seine Werte aber rauschen in den Keller. Unter dem umstrittenen Chefcoach Adam Gase bringt er es in seiner gesamten Jets-Zeit im Schnitt pro Lauf nur noch auf kümmerliche 3,3 Yards.

Ist Bell noch so gut, wie er bei den Steelers war?

Es sind also durchaus Zweifel angebracht, ob der 28-Jährige nach dieser schweren Phase noch einmal an seine Glanzzeit wird anknüpfen können.

Auf der anderen Seite gehört aber auch zur Wahrheit, dass die Position des Running Backs bei den Jets der wohl undankbarste Job der NFL ist. Die Grünen sind in ihren Offensiv-Optionen derart limitiert, dass es für gegnerische Abwehrreihen regelmäßig ein Genuss ist, sich auf die einzig bedrohliche Option zu stürzen - und den Running Back aus dem Spiel zu nehmen.

Weder die Offensive-Line noch der Quarterback haben die Klasse, die Defensive des Gegners durch vielfältige Optionen in Schwierigkeiten zu bringen.

Das aber sieht in Kansas City ganz anders aus. Die Offensive des Meisters ist das komplette Gegenteil der Jets. Mit NFL-Rekordverdiener Patrick Mahomes verfügen die Chiefs über den derzeit besten Quarterback der Liga. Er diktiert und variiert das Angriffsspiel seines Teams wie ein Dirigent sein Orchester, strahlt durch seinen unglaublichen Arm und die schnellen Beine permanent Gefahr aus.

Mahomes hat dafür aber auch die geeigneten Mitspieler. Mit Travis Kelce, dem vielleicht besten Tight End der Liga, und dem brutal schnellen Wide Receiver Tyreek Hill (ebenfalls einer der besten auf seiner Position) sucht die Offensive der "Häuptlinge" ihresgleichen.

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Patrick Mahomes heißt Bell willkommen

Wenn tatsächlich irgendwo noch ein Upgrade realistisch möglich war, dann auf Running Back.

Rookie Clyde Edwards-Helaire ist anstelle von Damien Williams, der wegen Corona von der sogenannten "Opt out"-Regel gebraucht gemacht hat, der Starter und zeigte bereits starke Ansätze. Seine 344 Rush-Yards bedeuten Platz 10 im Ligavergleich. Mit durchscnittlich 4,2 Yards pro Lauf ist aber noch Luft nach oben.

In den letzten vier Partien inklusive der ersten Saison-Niederlage gegen die Las Vegas Raiders am vergangenen Sonntag haben die Chiefs im Laufspiel nur 108 Yards pro Partie zustande gebracht und liegen damit ligaweit nur auf Platz 19.

Kein Wunder also, dass auch Mahomes über die nahende Ankunft von Bell mehr als angetan ist und seinen neuen Teamkollegen auf Twitter sogleich als "Bruder" herzlich willkommen heißt.

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Schon bevor der Deal feststand, hatte der 500-Millionen-Dollar-Quarterback von Bell geschwärmt: "Er ist natürlich ein gigantischer Spieler. Einer, der alles kann - den Ball fangen und mit dem Ball laufen", sagte er jüngst in einem Mediengespräch.

Für Bell selbst war offenbar eine andere Personalie ausschlaggebend für den Wechsel zu den Chiefs. Wie Jim Trotter von ESPN aus dem Umfeld des Spielers erfahren haben will, begründete dieser seinen Wechsel mit nur zwei Worten: Andy Reid.

Trainer Andy Reid ist der Spielerflüsterer

Dem Coach der Chiefs könnte es tatsächlich gelingen, den schwierigen Charakter Bell in sein Team zu integrieren. Denn der 62-Jährige gilt wie kein Zweiter in seiner Zunft als "Players's Coach", also ein Trainer, der ein Gespür für die einzelnen Spieler hat und weiß, wie er mit ihnen umgehen muss.

Das wird im Zusammenhang mit Bell nötig sein. Denn Damien Williams fehlt zwar die ganze Saison, und aktuell ist Wide Receiver Sammy Watkins ist verletzt, wodurch offensive Touches übrig sind - Bell wird sich zu einem gewissen Grad aber mit dem starken Edwards-Helaire aber die Einsatzzeiten teilen müssen.

Der Vorteil der Chiefs: In ihrer High-Power-Offense gibt es theoretisch für alle Stars genug Platz, um zu glänzen.

Ob die Beziehung zwischen Bell und den Chiefs wirklich gelingt, wird sicherlich hauptsächlich davon abhängen, inwieweit sich der Running Back in Kansas City als Teamplayer einbringen kann.

Sollte das gelingen, wäre dieser Deal ohne Frage eine Win-Win-Situation. Bell würde sich mit diesem Team höchstwahrscheinlich endlich seinen großen Traum vom Super-Bowl-Triumph erfüllen können - und die Chiefs hätten mit Bell den Mosaikstein gefunden, der sie als Super-Team der nächsten Jahre noch einmal eine Stufe beängstigender macht.