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München - Jakob Johnson von den New England Patriots wird zum zweiten Deutschen, der in der NFL einen Touchdown schafft. Dabei half ihm auch die Landesgartenschau.

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Jamal Adams stand ziemlich angeschmiert da. Soeben hatte der erfahrene Safety der Seattle Seahawks Jakob Johnson durchbrechen lassen, den wendigen Deutschen in Diensten der New England Patriots.

Der 25 Jahre alte Fullback entwischte in der Endzone, fing dort völlig frei den Pass seines Star-Quarterbacks Cam Newton und erzielte den ersten NFL-Touchdown seiner noch jungen Laufbahn in der stärksten Football-Liga der Welt.

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Sechs Jahre, nachdem Markus Kuhn bei den New York Giants 2014 erstmals als deutscher Spieler einen Touchdown in der NFL erzielte hatte, trug nun also auch Johnson den Ball in die Endzone. (Hier zum NFL-Spielplan 2020/21)

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Johnson vermerkte hinterher zwar pflichtschuldig, dass ihm ein Sieg lieber gewesen wäre - die Pats verloren 30:35. Dennoch ist die persönliche Errungenschaft die vorläufige Krönung einer so ungewöhnlichen wie unwahrscheinlichen NFL-Karriere.

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Von der Landesgartenschau in die NFL

Der gebürtige Schwabe, 1,91 Meter groß, 116 kg schwer und zwischenzeitlich am College in Tennessee aktiv, hatte im vergangenen Jahr völlig unerwartet den Sprung in den 53er-Kader um den damaligen Quarterback Tom Brady geschafft.

Noch 2018 war er für die Stuttgart Scorpions in der GFL aktiv, kellnerte im Sommer bei der Landesgartenschau - was er im SPORT1-Interview vor einem Jahr als durchaus hilfreich für seinen weiteren Karriere-Weg einordnete: "Auf dem College wird dir alles hinterher getragen, du lebst praktisch in einer Blase. Kellnern, Abspülen, Besoffene aus dem Bierzelt schmeißen, das gibt dir wieder ein ganz anderes Mindset. Da geht man mit einer ganz anderen Motivation ins Training."

Head Coach Bill Belichick, bei dessen Patriots Johnson allein wegen eines Förderprogramms für internationale Spieler landete, hatte dabei zunächst wenig Wert auf die Anwesenheit des Deutschen in seinem Team gelegt. 

"Ohne das Pathway Program hätten wir ihn nie unter Vertrag genommen. Ich kann nicht sagen, dass wir zu Beginn vollauf begeistert waren, ihn verpflichtet zu haben", gab Belichick vor einem Jahr offen zu. 

Doch dann überzeugte der Sohn einer Deutschen und eines Amerikaners bei seinem NFL-Debüt und dem Sieg gegen die New York Jets am 3. Spieltag, machte in vier Spielen mit einem gefangenen Pass für fünf Yards und mit wichtigen Blocks auf sich aufmerksam - ehe eine Schulterverletzung ihn vorläufig stoppte.

Belichicks Wohlwollen hatte er sich dennoch nachhaltig erarbeitet: "Man muss echt sagen, dass er all seiner Energie in diesen Job und in unser Team steckt. Er hat sich den Respekt aller verdient", lobte der sonst wortkarge Coach.

Johnson als Konterpart zu Cam Newton 

Gegen die Seahawks hätte Johnson dieses Lob beinahe ein weiteres Mal bestätigt: Neben seinem Fang zum 23:28 im dritten Viertel hätte sich Johnson beinahe erneut mit einem Glanzlicht hervorgetan, als er drei Sekunden vor Schluss für Newton auf dem Weg einem weiteren Touchdown den Weg freizublocken suchte.

Doch diesmal hatten die Seahawks und Johnsons Gegenspieler ihre Hausaufgaben gemacht und erstickten den Offensiv-Vortrag. "Wir haben den Spielzug angesagt und sind zu kurz gekommen", analysierte die Nummer 47 der Pats hinterher.

So oder so: Johnson hat sich bei dem überragenden Teams des vergangenen Jahrzehnts schneller etabliert als von vielen Experten für möglich gehalten - das offenbart auch die Tatsache, dass ihn Star-QB Newton bereits als Zielspieler für einen Touchdown heranzieht.

Nervös machte das Johnson nach eigenen Angaben nicht: "Ich bin selbstbewusst, ich habe solche Situationen trainiert", hielt er nach dem Spiel fest.

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Kuhn, Nzeocha und VfB Stuttgart gratulieren

Johnson wirkte bemüht, nicht zu viel Euphorie aufkommen zu lassen - das überließ er anderen. Pionier Kuhn zum Beispiel, der zu den ersten Gratulanten seines Nachfolgers zählte. "Glückwunsch!!! Willkommen im Club", schrieb der ehemalige Defensive Tackle auf Twitter.

Auch Linebacker Mark Nzeocha von den San Francisco 49ers freute sich über den "Touchdown für Deutschland" - während Fritzle, das Maskottchen von Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart, in einem Social-Media-Post Konfetti in die Luft warf.

Umgekehrt fiebert Johnson übrigens auch mit dem VfB mit. "Ich bin sehr erleichtert, dass der VfB wieder erstklassig ist", hielt er bei einer Medienkonferenz vor dem Saisonstart fest: "The sky is the limit."

Eine Prognose, die nicht nur für den VfB gilt ...