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Tom Brady spricht ausführlich über seine neues Team Tampa Bay Buccaneers und seine Zeit bei den Patriots. Einen Seitenhieb gibt es für Ex-Coach Bill Belichick.

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Das Beben, das der Wechsel von Superstar Tom Brady von den New England Patriots zu den Tampa Bay Buccaneers ausgelöst hat, ist noch immer nicht verebbt.

Nun beschreibt die Quarterback-Ikone in einem ausführlichen Beitrag für The Players' Tribune seine Erwartungen an den neuen Klub und die eigenen Ambitionen, gewährt dabei viele Einblicke in seine Gefühlswelt - und spricht nicht zuletzt auch über seine Anfangszeit bei den New England Patriots.

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Einen Seitenhieb verpasst Brady dabei indirekt auch seinem Ex-Coach Bill Belichick, mit dem es in der Endphase seiner 20 Jahre in New England nach sechs Super-Bowl-Siegen knirschte - und von dem Brady dem Vernehmen nach schließlich nicht mehr das Vertrauen spürte. 

Zur Erinnerung: Zuletzt zeigte sich der Quarterback frustriert, dass in Skandalprofi Antonio Brown sowie Josh Gordon zwei hochtalentierte Receiver und Anspielstationen die Patriots verlassen mussten.

Belichick wiederum war es ein Dorn im Auge, dass mit Jimmy Garoppolo (jetzt San Francisco 49ers) und Jacoby Brissett (jetzt Indianapolis Colts) gleich zwei vielversprechende QB-Nachfolger die Franchise verließen – nur weil Brady immer wieder betont hatte, bis 45 spielen zu wollen und das Duo so keine Aussicht auf regelmäßige Einsätze habe.

SPORT1 fasst die wichtigsten Aussagen zusammen. Tom Brady über...

...Erwartungen an die Buccaneers:

"Der Empfang und die Wärme, die ich von den Spielern und Trainern in Tampa Bay erhalten habe, war so erfreulich. Sie haben mich als einen der ihren willkommen geheißen, sie wollen sich anhören, was ich zu sagen habe. Ich freue mich darauf, dass ich für das, was ich den Bucs geben kann, voll und ganz wertgeschätzt werde. Im Gegenzug bin ich bereit, eine Mannschaft zu tragen, die von dem, was ich tue und was ich einbringe, überzeugt ist - und auch bereit ist, mit mir auf diese Reise zu gehen.

"Es wird anders sein – das liegt schon an der Gegend. Andere Trainer. Andere Mitspieler. Andere (Trainings-)Programme. Im Moment habe ich keine Ahnung, wie ich zum Raymond James Stadium (Spielstätte der Bucs; Anm.d.Red.) komme oder wo die Sitzungsräume sind. Ich weiß auch nicht, wo jeder Einzelne sitzen wird."

...die persönlichen Ambitionen:

"Für die Tampa Bay Buccaneers zu spielen, ist eine Veränderung, eine Herausforderung, eine Gelegenheit, zu führen und zusammenzuarbeiten, und auch gesehen und gehört zu werden. Und ich weiß, dass meine Zeit dort auf ihre eigene Weise genauso erstaunlich sein wird wie das, was vorher kam. Es geht darum, all die Dinge, die ich bisher in meinem Leben gelernt habe, zusammenzutragen und an eine andere Küste, in einen anderen Teil des Landes und in eine andere Kultur zu bringen. Viele erfahrene Spieler waren während meiner Jahre als Patriot Mentoren für mich. Ich tue alles, was ich kann, um jüngeren Spielern zu helfen, sich als Menschen und Spieler weiterzuentwickeln. Ich habe in meinen 20 Jahren in Neuengland so viel gelernt - und ich möchte diese Dinge in eine neue Mannschaft einbringen. Ich liebe meinen Sport. Ich möchte für meine neue Mannschaft, meine neuen Trainer und meine neuen Teamkollegen etwas leisten. Ich will niemanden im Stich lassen. Ich werde alles geben, was ich habe."

...die Motivation nach sechs Super-Bowl-Triumphen:

"Ich liebe das, was ich tue.  Aber im Moment muss ich mir selbst noch einiges beweisen. Der einzige Weg ist der Weg hindurch. Wenn ich es nicht tue, werde ich nie wissen, was ich hätte erreichen können. Etwas tun zu wollen, ist etwas anderes, als es tatsächlich zu tun. Es ist eine große Chance, eine große Veränderung und eine große Herausforderung. Reiten wir los: Mal sehen, was wir haben. Ich will allen zeigen, was ich habe. Ich bin aufgeregt, vor allem aber bin ich motiviert."

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... die Bilanz nach 20 Jahren Patriots:

"Ich hatte im Laufe der Jahre so viele Freunde und Teamkollegen, die gekommen und gegangen sind. Ich war immer der Einzige, der nie umziehen musste. Aber Jahr für Jahr dasselbe zu tun, bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Ein vertrauter Rhythmus kann tröstlich und großartig sein. Aber er kann auch dazu führen, dass man andere Rhythmen aus den Augen verliert, die einen an alles erinnern, was noch nicht getan wurde.

...seinen Start bei den Patriots:

"Ich wusste nicht, wie lange ich für die New England Patriots spielen würde, oder ob ich überhaupt die Gelegenheit bekommen würde, für sie zu spielen. Ich hatte keine Ahnung, dass ich die nächsten 20 Jahre in Neuengland verbringen oder dort eine Familie gründen würde. Übrigens war in der sechsten Runde (seines Drafts 2000, Anm. d. Red.) nicht Coach Belichick selbst am anderen Ende der Leitung - ich glaube, es war sein Assistent Berj, der sagte: 'Wir wollten Sie nur wissen lassen, dass Sie von den New England Patriots ausgewählt worden sind.'" 

...Orientierungsprobleme in New England als Kalifornier:

"Ich hatte ehrlich gesagt keine klare Vorstellung davon, wo sich Neuengland tatsächlich befand. War Neuengland tatsächlich ein Ort (die heutigen Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont, Anm. d. Red.)? Als der Draft vorbei war, flog ich nach Osten, landete nicht in Boston, sondern in Providence (Hauptstadt des Staates Rhode Island; Anm. d. Red.), und fuhr dann zum alten Foxboro-Stadion (in Massachusetts, Anm. d. Red.). Es war Mitte April. Ich erinnere mich, dass ich in diesen ersten Wochen versucht habe, mich an einem Ort zu orientieren, von dem ich nicht wusste, dass er für die nächsten zwei Jahrzehnte meine Heimat sein würde."

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...die Fans der Patriots:

"Sie werde ich am meisten vermissen. Die Unterstützung und Liebe der New-England-Fans war immer bedingungslos. So viele großartige Momente ragen heraus – die überfüllten Trainingsplätze, die Siegesparaden, die zehntausenden Anhänger, die kamen, wenn wir das Flugzeug bestiegen, um zum Super Bowl zu fliegen. Ob Sieg oder Niederlage – die gleiche Anzahl an Menschen kam, um uns zu begrüßen, wenn wir wieder mit dem Flugzeug landeten."

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...das nahende Karriereende:

"Für mich wird das Footballspielen keine zehn Jahre mehr dauern. In der verbleibenden Zeit stellt sich die Frage: Wie kann ich das, was ich tue, weiterhin maximieren, alles einsetzen, was ich kann, und es so gut wie möglich machen? An diesem Punkt meiner Karriere muss ich nur mir selbst etwas beweisen. Körperlich bin ich so fähig, meine Arbeit zu tun, wie ich es bisher immer war. Jetzt will ich sehen, was ich noch tun kann. Ich will sehen, wie großartig ich sein kann. Ich will andere Leute sagen hören: 'Hey Mann, das ist es, was uns gefehlt hat! Das ist es, was wir brauchen! Das ist es, wonach wir gesucht haben!' Tief im Inneren weiß ich, was ich tun kann. Ich weiß, was ich liefern kann."

...sein Idol:

"Über meinem Schreibtisch hängt ein Poster von Joe Montana (viermaliger Super-Bowl-Sieger mit den San Francisco 49ers; Anm. d. Red.). Er war mein Held, als ich aufgewachsen bin. Daneben sind Fotos meiner Kinder, die mich in Patriots-Trikots im Stadium oder zu Hause vor dem großen TV-Bildschirm anfeuern. Kinder haben immer Platz für Helden, und es gibt nur wenige Dinge, die mich mehr ehren, als wenn mir jemand erzählt, dass ich diese Rolle für einen Sohn oder eine Tochter gespielt habe."