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München - Die Patriots sind nach dem Abgang von Tom Brady auf der Suche nach einem Starting Quarterback. Erfüllt ein junger Spielmacher aus Green Bay die Erwartungen?

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Es war der 16. April 2000, an dem die Geschichte der New England Patriots entscheidend beeinflusst wurde. In der sechsten Runde des NFL-Drafts schnappte sich das Team an Position 199. einen jungen Quarterback. Sein Name: Tom Brady.

Nur auf Anraten des Quarterback-Coaches schlugen die Pats zu. Was folgte war eine beispiellose Erfolgsserie. Neun Mal führte Brady sein Team in den Super Bowl, sechs Ringe staubte der heute 42-Jährige dabei ab.

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Mit dem Wechsel zu den Tampa Bay Buccaneers ist das Kapitel von TB12 in New England abgeschlossen.

Patriots scouten James Morgan

Wie geht es jetzt weiter? Wiederholen sich vielleicht schon bald die Ereignisse von 2000 und die Patriots draften in den letzten Runden einen Spielmacher, den manch anderer gar nicht auf der Rechnung hatte?

Nach Informationen von Mike Reiss, Patriots-Reporter bei ESPN, hat das Team von Head Coach Bill Belichick einen ganz speziellen Spieler ins Auge gefasst: Quarterback James Morgan.

Wer ist der junge Mann, was zeichnet ihn aus und was spricht für ein Engagement bei den Pats?

SPORT1 stellt den 23-Jährigen vor.

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Nach dem Abgang von Tom Brady und der Entlassung von Cody Kessler stehen nur noch zwei Quarterbacks im Kader der Patriots. Zum einen der im vergangenen Jahr gedraftete Jarrett Stidham, zum anderen Routinier Brian Hoyer, den die Franchise kürzlich als Free Agent verpflichtet hat.

Nur noch zwei Quarterbacks

Laut US-Medienberichten traut man Stidham den Job als Starting Quarterback durchaus zu, allerdings soll er sich diesen durch einen erfolgreichen Konkurrenzkampf erst verdienen. An dieser Stelle kommt James Morgan ins Spiel.

Der Spielmacher, der in der Nähe von Green Bay aufwuchs und dessen Vater als Punter bei den Packers spielte, hat in der letzten Zeit das Interesse diverser Teams geweckt. So sollen neben den Patriots auch die Packers, Bears, Colts, Raiders, Giants, Bills, Jets und Dolphins ein Auge auf ihn geworfen haben. 

Vor allem das Interesse der Patriots gilt als konkret. Weil in Zeiten von Corona keine normalen Treffen möglich sind, fand zwischen beiden Parteien bereits eine Videokonferenz statt.

Beim Combine zeigte Morgan vor kurzem zwar einen starken Arm, aber bei den auf Genauigkeit ausgelegten Übungen nur durchschnittliche Leistungen. Was könnten die Pats also von ihm erwarten?

Morgan bewahrt Ruhe

Der 23-Jährige spielte in den zurückliegenden zwei Jahren für die Florida International University (FIU), nicht unbedingt die erste Adresse in Sachen College Football. In seinem Debüt-Jahr beeindruckte er mit 26 Touchdowns in zwölf Spielen und stellte damit einen neuen FIU-Rekord auf.

In der zurückliegenden Spielzeit gelangen ihm dagegen nur noch 14 Touchdowns bei fünf Interceptions. 58 Prozent seiner Pässe kamen an - nicht sonderlich gut für dieses Level, schließlich spielt Florida International nicht jede Woche gegen NFL-Talente.

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Seine Stärken hat der Spielmacher vor allem in der Pocket. Selbst wenn der Druck durch die gegnerische Defense immens ist, bewahrt Morgan Ruhe. Sein Arm gilt als stark, vor allem in den kurzen und mittellangen Würfen.

Bei weiten und in der NFL so wichtigen Timing-Würfen mangelt es dagegen noch an der nötigen Präzision. Zudem braucht der 23-Jährige häufig noch zu lange, ehe er auf dem Spielfeld eine Entscheidung fällt.

Belichick fördert Stärken der Spieler

Ob ein Spieler mit seiner Spielweise zum Team passt, hatte bei den Patriots und Trainer Belichick noch selten oberste Priorität. Findet die Franchise einen Profi gut, wird er meist verpflichtet, egal ob er zum System passt oder nicht. Belichick versteht es dabei wie kaum ein anderer, sich auf die Stärken der Spieler einzustellen und das Beste aus ihnen herauszuholen.

Im diesjährigen Draft kann New England mit den Picks 87, 98 und 100 gleich drei Spieler in der dritten Runde abgreifen. Will die Franchise sicher gehen, dass Morgan nächstes Jahr im Gillette Stadium spielt, könnten sie einen dieser Picks dafür verwenden. Allzu wahrscheinlich ist das aber nicht. Von Experten wird Morgan eher in den Runden fünf oder sechs erwartet.

Sollten ihn die Pats in Runde sechs draften, würde dies so manche Parallele zu Tom Brady hervorrufen. Nicht nur, weil Morgan bereits mit der Rückennummer zwölf unterwegs ist. Morgan wäre allerdings ein Enwicklungsprojekt, wäre 2020 nicht bereit - das war Brady freilich auch nicht. Erst ein Jahr später übernahm er nach der Verletzung des Starters Drew Bledsoe.

Morgan will Anwalt werden

Die Patriots sind aktuell auf der Suche nach einem Starting Quarterback, aber nicht nur das. Im Team mangelt es auf diversen Positionen an hervorragenden Verstärkungen. Diese Lücken könnten in den vorderen Draft-Runden geschlossen werden, dann bliebe nur noch ein hinterer Pick für einen Spielmacher übrig.

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"Wenn meine Zeit in der NFL vorbei ist, dann will ich Anwalt werden. Meine Tante und mein Opa waren beide Anwälte und ich habe immer zu ihnen aufgeschaut." Seinen ersten NFL-Vertrag kann er also gleich selbst prüfen.