In der NFL sorgt der neue Tarifvertrag für Zoff zwischen Eignern und Stars
In der NFL sorgt der neue Tarifvertrag für Zoff zwischen Eignern und Stars © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Die Spieler könnten schon bald über den neuen Tarifvertrag mit der NFL abstimmen. Mehr Teams in den Playoffs, 17 Spiele, mehr Geld. Aber einige Stars sind dagegen.

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Der so gefürchtete Spielerstreik bleibt der NFL wohl erspart.

Nach zähen Verhandlungen über den neuen Tarifvertrag gibt es nun einen Vorschlag, der schon für die kommende Saison einschneidende Änderungen bringen könnte.

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Die Eigentümer haben dem neuen Deal bereits zugestimmt, eine Abordnung der Spieler um Gewerkschaftsboss DeMaurice Smith ebenfalls, die Abstimmung aller Spieler könnte bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen erfolgen.

Allerdings sind längst nicht alle Spieler erfreut: der so verhasste Franchise Tag wird bleiben und die Eigner erhalten die Option, die Saison auf 17 Spiele auszudehnen. Lautstärkster Kritiker ist Superstar Aaron Rodgers von den Green Bay Packers. Er fürchtet die Mehrbelastung.

SPORT1 erklärt die wichtigsten Punkte des Deals, der die NFL über das nächste Jahrzehnt grundlegend verändern könnte.

Die wichtigsten Punkte

Sportlich sind zwei Punkte des Deals entscheidend. Zum einen werden die Playoffs um zwei Teams erweitert. Es wird ein Wildcard-Team mehr pro Conference geben.

Das heißt: in der ersten Playoff-Runde gibt es nun drei statt bisher zwei Spiele, somit hat nur noch das beste Team der Conference spielfrei. Die drei anderen Divisions-Gewinner treffen auf die Wildcard-Teams, ab den Divisional Playoffs bleibt alles beim Alten.

Während dieses Format schon ab der Saison 2020 in Kraft treten würde, steht die eigentliche Revolution noch nicht fest.

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Vielmehr bekommen die Eigner das Recht, zwischen 2021 und 2023 die reguläre Saison auf 17 Spiele zu verlängern - was sie zweifellos tun werden. Damit einhergehend wird wohl die Preseason verkürzt, der Saisonstart würde wohl eine Woche nach vorn verlegt.

Kadergröße und Franchise Tag

Die Spieler waren eigentlich mit dem Ziel in die Verhandlungen gegangen, den Franchise Tag abzuschaffen. Die Zwangsoption einer Vertragsverlängerung um ein Jahr ist den Stars um Rodgers schon lange ein Dorn im Auge. Darüber haben die Eigentümer aber von Beginn an nie diskutiert. Da der alte Vertrag eigentlich noch 2020 läuft, könnten die Teams in diesem Jahr zwei Spieler taggen (Franchise und Transition), falls der neue Deal nicht unterschrieben wird. Im neuen CBA gäbe es nur noch einen.

Zudem werden - nicht zuletzt wegen des 17. Spiels - die Kader vergrößert. An Spieltagen dürfen dann 48 statt bisher 46 Spieler eingesetzt werden – einer der beiden muss allerdings ein Offensive Lineman sein.

Die Practice Squad wird zunächst von zehn auf zwölf Spieler, ab 2022 auf 14 Spieler erhöht. Zudem dürfen zwei Spieler pro Woche aktiviert und zweimal wieder zurückgeschickt werden, ohne dass man riskiert, sie an andere Teams zu verlieren. Es gibt also mehr Flexibilität im Kader.

Die Vorteile für die NFL-Profis

Was haben also die Spieler davon? Die Antwort ist einfach: mehr Geld! Aktuell erhalten sie 47 Prozent der Einnahmen der NFL, diese Zahl würde ab 2012 auf 48 Prozent steigen - je nachdem wie lukrativ der neue TV-Deal wird, könnten es sogar 48,8 Prozent werden.

Das sind gewaltige Summen, allein durch die Vergrößerung der Playoffs sind das in der kommenden Saison geschätzte 70 Millionen Dollar - nur durch zwei Spiele mehr.

Außerdem bekommen sie Anteile aus dem Stadionprojekt in Los Angeles und dem neuen Glücksspielgeschäft.

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Zudem wird die Gehaltsobergrenze deutlich ansteigen, das heißt die Verträge werden noch fetter. Von 188 Millionen wird der Salary Cap 2020 auf über 200 Millionen schießen. Schon in der Free Agency (ab 16. März) könnten die Spieler also profitieren. (Der NFL-Transferticker)

Neben den Topstars profitieren davon vor allem die Spieler mit dem Gehaltsminimum (etwa 60 Prozent aller NFL-Profis). Sie bekommen je nach NFL-Erfahrung pro Jahr etwa 100.000 Dollar mehr. 2030 wird das Minimum zwischen einer Million und 1,5 Millionen Dollar liegen, aktuell sind es zwischen 500.000 und 800.000 Dollar.

Weniger Drogentests

Der neue Tarifvertrag legalisiert Marihuana. Es wird während der Saison keine Tests oder Sperren mehr geben. Lediglich in der Vorbereitung wird getestet und eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen. Es geht also nur noch um Gesundheit. Diverse Bundesstaaten der USA haben die Droge ja ohnehin bereits legalisiert. Die Wirkung in der Medizin ist unbestritten.

Allerdings werden positive Tests auf leistungssteigernde Mittel (bis zu 8 Spiele) und Trunkenheit am Steuer (3 Spiele) härter bestraft.

Laufzeit des neuen Deals

Der Tarifvertrag würde sofort in Kraft treten und 2020 parallel zum alten Deal laufen. Die Vereinbarung gilt bis 2030 - also effektiv elf Jahre. Die Spieler würden finanziell von mehr TV-Geld und dem eventuellen 17. Spiel ebenfalls profitieren.

Das kritisieren Rodgers und Co.

Man könnte also meinen, was haben die Spieler eigentlich zu meckern? Mehr Geld und Jobs und etwas mehr Freiheit (weniger harte Einheiten in der Vorbereitung), trotzdem sind einige Spieler gegen den Deal.

Der Franchise Tag ist ein Punkt, es wird auch keine kürzeren Rookie-Verträge geben. Die Spieler hatten dafür gekämpft, um früher Free Agents werden zu können.

Es wird ebenfalls keine garantierten Verträge, wie zum Beispiel in der NBA üblich, geben. Die NBA-Stars handelten dies über die Jahre individuell mit den Teams aus, so müssten das auch die NFL-Profis durchsetzen - wie unlängst Kirk Cousins. Der Tarifvertrag ist dafür nicht das richtige Vehikel.

Der schärfste Kritiker ist Rodgers. Er kritisiert vor allem, die Erweiterung der Saison sie sei nur aus finanziellen Gründen erfolgt: "Die Eigentümer haben klargestellt, dass das 17. Spiel für die finanziellen Vorteile der Spieler zahlen soll und hatte nichts mit dem höheren Gesundheitsrisiko bei mehr Spielen zu tun", sagte Rodgers.

Ähnlich äußerte sich Star-Cornerback Richard Sherman. Aus ihrer Sicht ist das nachvollziehbar, sie kassieren ohnehin genug Gehalt und haben mehr Risiko. Aber die Masse der NFL-Profis profitiert mit deutlich mehr Geld und besserer Absicherung (zum Beispiel Krankenversicherung).

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So läuft die Spieler-Abstimmung

Die Führung der Gewerkschaft stimmte knapp mit 17:14 für den neuen Deal. Damit wird er nun der kompletten Gewerkschaft (ca. 2000 Spieler) vorgelegt. Es ist nur eine einfache Mehrheit notwendig. Der Entwurf wurde offenbar bereits an die Spieler verschickt, diese haben nun sieben Tage Zeit, um abzustimmen.

Die Chance ist relativ groß, dass die Spieler ihr Okay geben und der revolutionäre Deal schon 2020 eine neue Ära der NFL einläutet. Gewinner sind die Eigner, sie setzten ihre Kernpunkte durch (Franchise Tag, mehr Spiele), dafür bekommen die Spieler mehr Geld. Falls nicht, wird die kommende Saison wohl ausgespielt und es wird für 2021 neu verhandelt. Dann wäre ein Streik, den die Eigner im Zweifel länger aushalten, wieder eine Möglichkeit.

Die Macht behalten aber vorläufig so oder so die Eigentümer.