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Miami - SPORT1-Redakteur Eric Böhm findet nach dem grandiosen Super-Bowl-Comeback, dass die NFL den neuen Stars wie Patrick Mahomes auf Knien danken sollte.

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Symbolträchtiger hätte die Szenerie gar nicht sein können. Vor dem Super Bowl LIV standen sie da: Joe Montana, Dan Marino und Tom Brady.

Anlässlich des Höhepunktes ihrer 100. Saison hatte die NFL all ihre großen Quarterback-Legenden aufgefahren. Speziell das letzte Viertel des Endspiels in Miami zwischen den Kansas City Chiefs und den San Francisco 49ers machte aber deutlich, dass eine neue Ära der NFL begonnen hat.

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In einem Jahr, das von schwarzen Quarterbacks geprägt war - Lamar Jackson wurde MVP, Kyler Murray Rookie des Jahres, Dwayne Haskins weckte in Washington gegen Ende des Jahres Hoffnungen - überragte am Ende der beste unter ihnen: Patrick Mahomes.

Mit seinem phänomenalen Schlussviertel bescherte er den Chiefs nicht nur den ersten Super-Bowl-Triumph seit 50 Jahren, er verdeutlichte auch, dass eine neue Zeitrechnung angebrochen ist.

Nach Jahren der ewig gleichen Namen wie Brady, Drew Brees, Aaron Rodgers, Ben Roethlisberger, Eli Manning oder Philip Rivers drängen nun endlich frische Namen ins Rampenlicht.

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Während Manning schon verdrängt wurde und Roethlisberger die nahezu komplette Saison verletzt verpasste, schieden Brady und Brees in den Playoffs früh aus, beide denken zumindest an Rücktritt.

Rodgers kam noch am weitesten, scheiterte aber an der starken Verteidigung der 49ers, die mit Jimmy Garoppolo selbst einen hochtalentierten Spielmacher, der mit 28 noch viele gute Jahre vor sich hat, in ihren Reihen haben.

Das Alter ist dabei aber nur ein Faktor, Mahomes (24) oder Jackson (23) stehen mit ihrer spektakulären Spielweise und ihrer Persönlichkeit für eine neue NFL, die sich nach 100 Jahren auch neu erfinden kann - über diese neuen Gesichter.

Denn neben den Dauerthemen Gehirnerschütterungen und Fehlverhalten jeder Art schwebt auch der drohende Tarifkonflikt über der erfolgreichsten Sportliga der Welt. Imagepflege steht aktuell ganz oben auf der Liste des nicht unumstrittenen Commissioners Roger Goodell.

Insofern dürfte er den Football-Göttern auf Knien für diesen Super Bowl danken. Mahomes ist der jüngste Quarterback, der jemals zum MVP gewählt wurde - dank eines spektakulären Comebacks. Die ganze Woche über war sein Trikot in Miami am häufigsten zu sehen.

Er hat die sportliche Qualität und das Charisma, das neue Gesicht der NFL zu werden - gemeinsam mit einem Lamar Jackson.

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Auch gesellschaftlich hätte dies in den aktuell wie nie gespaltenen USA eine große Wirkung, denn das Klischee vom schwarzen Quarterback existiert durchaus noch in so manchem Kopf.

Und gerade das eklatante Missverhältnis zwischen farbigen Spielern und Coaches zeigt, dass die NFL diesbezüglich beileibe keine Ausnahme bildet.

Die NFL braucht dringend eine neue Ära, mit diesem Super Bowl könnte sie begonnen haben.