Jim Marshall von den Minnesota Vikings in der NFL 1964
Jim Marshall hat am 25. Oktober 1964 den größten Blackout der NFL-Geschichte © dpa Picture Alliance
Lesedauer: 5 Minuten

München - Jim Marshall läuft am 25. Oktober 1964 mit dem Ball in die falsche Richtung. Bis heute belastet ihn die Aktion, die ihn womöglich die Hall of Fame kostete.

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Der 25. Oktober 1964 verfolgt Jim Marshall bis heute.

Der inzwischen 81-Jährige war ein herausragender NFL-Verteidiger mit zwei Pro Bowls und einer Super-Bowl-Teilnahme mit den Minnesota Vikings.

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Aber bekannt ist er bis heute für diese eine Aktion: Beim Spiel gegen die San Francisco 49ers verlor deren Star Billy Kilmer den Ball. Marshall schnappte sich das Ei, wie man das als Verteidiger macht, rannte los und erreichte 66 Yards später die Endzone. Statt eines Touchdowns für die Vikings, gab es aber zwei Punkte für die 49ers, denn Marshall war tatsächlich in die falsche Richtung gerannt.

Marshall: "War schon sehr hart damals"

Es ist auch 55 Jahre später noch die größte Blamage der NFL-Geschichte. "Es war schon sehr hart damals. Ich nahm meine Karriere sehr ernst. So einen Fehler willst du nicht in deinem Lebenslauf", sagte Marshall vor Jahren.

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Die Bitterkeit schwingt mit, wirklich über die Aktion reden, die seit Jahrzehnten in jedem Pannenfilm der NFL gezeigt wird, wollte er nie. Wer will schon für eine solche Aktion berühmt sein? Man stelle sich vor, so etwas würde heutzutage in Zeiten von Social Media und Internet-Trollen passieren. Der Spott wäre wohl unerträglich.

"Twitter wäre explodiert, hätte es das damals schon gegeben", sagt der damalige Teamkollege Carl Eller: "Ich dachte erst, wow, er macht einen längeren Touchdown als ich. Dann habe ich es gemerkt, aber es war schon zu spät."

Kostete Blamage Marshall Hall-of-Fame-Platz?

Dabei war es doch eigentlich ein x-beliebiges NFL-Spiel. Die 49ers standen bei zwei Siegen und vier Niederlagen, die Vikings bei je drei Siegen und Niederlagen. Für Marshall sollte das Kezar Stadium - dort spielten die 49ers, bis sie 1971 in den Candlestick Park umzogen - zum Schicksalsort werden.

Eller vermutet sogar, dass diese Aktion bis heute verhindert hat, dass Marshall in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Nur 2004 gehörte er bei der jährlichen Wahl zu den Finalisten. Zu stark ist sein Name mit der peinlichsten Aktion in der Liga aller Zeiten verbunden.

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Seine Karriere wäre für die Aufnahme mehr als legitim. Marshall spielte 20 Jahre in der NFL - bis heute schaffte kein Verteidiger mehr Saisons. In 282 Spielen in Folge hielt er die Knochen hin. Auch das ist ein Rekord, ebenso wie die 30 eroberten Fumbles. Auch wenn er wohl sehr gut mit 29 hätte leben können. Die Vikings vergeben seine Nummer 70 nie mehr. Dreimal wurde er ins All-Pro Second Team berufen.

Dabei hatte sein Run nicht einmal Einfluss auf den Spielausgang. Die Vikings gewannen 27:22 - der Safety war das zwischenzeitliche 27:19, aber daran erinnert sich logischerweise niemand mehr.

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Kicker Cox: "Das ist die größte Dummheit"

Selbst einige der damaligen Mitspieler nehmen kein Blatt vor den Mund. "Was mich angeht, ist das die größte Dummheit. Wer kann schon begreifen, wie ein Typ den Ball aufnimmt und in die falsche Richtung rennt", sagte Fred Cox einst, der damalige Kicker.

Immerhin stärkte ihm der für sein aufbrausendes Temperament bekannte Coach und frühere Quarterback Norm Van Brocklin den Rücken. "Jeder wusste, er konnte bei Fehlern richtig sauer werden, aber es kostete uns nicht das Spiel. Er sagte nur: 'Hey Jim, vergiss es einfach'. Das habe ich immer versucht", sagte Marshall.

Gelungen ist es ihm nicht.

Im Rose Bowl 1929 war etwas ähnliches einem gewissen Roy Riegels passiert, seine Teamkollegen stoppten ihn damals an der Ein-Yard-Linie, dennoch war Riegels bis zu seinem Tod 1993 als "Wrong Way" bekannt.

Nach Marshalls Fauxpas schickte ihm Riegels eine Nachricht. Darauf stand: "Willkommen im Klub."

Legendärer Live-Kommentar von Bob Fouts

Marshall wurde dabei auch seine Athletik zum Verhängnis. Trotz seiner 120 Kilogramm war er für seine Schnelligkeit bekannt. "Er lief unseren Jungs immer weiter davon. Etwas Wahnsinnigeres habe ich nie gesehen", erinnerte sich Offensive Tackle Grady Alderman.

Zur Legende wurde auch der Live-Kommentar des Reporters Bob Fouts, dessen Sohn Dan führte für ihn mit 13 Jahren die Statistik und wurde später ein Hall-of-Fame-Quarterback. "Ich war geschockt und sprachlos. Dann habe habe ich einfach immer wieder 'er rennt in die falsche Richtung' geschrien."

Marshall lebt inzwischen in St. Louis und verpasst niemals ein Spiel der Vikings im TV, seine Szene verfolgt ihn allerdings nach wie vor. "Es ist ironisch. Es ist eine der bekanntesten Aktionen der NFL-Historie, aber es lenkt einfach von Jims großartiger Karriere ab. Ich glaube, er ist immer noch empfindlich. Ich gehe damit sehr respektvoll um", sagt Eller.

Er hat Marshall in all den Jahren niemals auf die Aktion angesprochen.