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Atlanta - Der Super Bowl wurde zum Triumph für Patriots-Trainerlegende Bill Belichick. Wie zog er der Wunder-Offensive von Guru Sean McVay den Zahn? Die Analyse.

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Damit hatte niemand gerechnet.

Dass der Super Bowl zwischen Tom Bradys New England Patriots und der Wunder-Offensive der Los Angeles Rams jener mit den wenigsten Punkten aller Zeiten werden würde, verwundert. (Der Super Bowl LIII zum Nachlesen im TICKER)

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Das 13:3 der Patriots war vor allem ein Triumph für Trainerlegende Bill Belichick. Der Altmeister zog mit seinem sechsten NFL-Titel nicht nur mit den Rekordhaltern George Halas und Curly Lambeau gleich, er erteilte Zauberlehrling Sean McVay auch eine heftige Lektion.

Dessen hochgelobter Angriff kam erst als zweites Team der Super-Bowl-Ära nicht über drei Punkte hinaus.

"Coach Belichick hat das herausragend gemacht. Ich fühle mich gerade wie betäubt, ich wurde auf jeden Fall ausgecoacht", musste McVay im Nachhinein zerknirscht eingestehen. (Die Stimmen zum Super Bowl LIII zwischen Patriots und Rams)

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Aber wie genau entnervten die Patriots den besten Angriff der NFL? SPORT1 analysiert die fünf Kernpunkte.

- Laufspiel der Rams lahmgelegt

Der Plan der Patriots war von Anfang an klar: das gefährliche Laufspiel der Rams über Todd Gurley und C.J. Anderson zu unterbinden und damit den unerfahrenen Quarterback Jared Goff zwingen, das Spiel zu entscheiden. In der Theorie wollte das in dieser Saison wohl jeder Gegner der Rams - es gelang zuvor aber nur den Chicago Bears.

Belichick hatte wieder einmal die richtige Taktik ausgetüftelt. Er spielte von Beginn an mit sechs Spielern an der Line of Scrimmage und stopfte so die Lücken der recht weit auseinander spielenden Offensive Line der Rams. Dazu wechselten die Linemen der Patriots recht häufig vor dem Snap die Positionen ("Stunts") - damit kamen die Rams nicht klar. Zudem schien Star-Running-Back Todd Gurley nicht fit zu sein.

- Überragende Manndeckung

Um an der Line mit sechs Leuten spielen zu können, mussten Belichick und sein Assistent Brian Flores das Risiko gehen, ihre Passverteidiger allein zu lassen. Hatten sie gegen Kansas City im AFC-Finale noch Receiver Tyreek Hill gedoppelt, entschieden sie sich gegen die Rams für Manndeckung gegen L.A.'s besten Receiver Brandin Cooks.

Stephon Gilmore, der Cooks aus dem gemeinsamen Jahr 2017 bestens kannte, legte eine überragende Vorstellung hin – gekrönt durch die entscheidende Interception in der Endphase. Aber auch der noch junge Jon Jones trumpfte gegen Robert Woods auf, hatte am Ende die meisten Tackles der Pats, darunter ein Sack gegen Jared Goff. Auch die Linebacker und Safetys bewegten sich gut gegen den Pass.

- Druck auf Jared Goff

Aus der herausragenden Manndeckung resultierte auch der dritte Punkt. Weil Rams-Quarterback Jared Goff praktisch immer warten musste, bis eine Anspielstation frei war, geriet er häufig unter Druck. Viermal wurde er gesackt, aber sehr viel häufiger gejagt und zu ungenauen Würfen gezwungen. Das ineffiziente Laufspiel tat sein Übriges.

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Als junger Spielmacher fehlt ihm noch die Erfahrung, komplizierte Abwehrsysteme schnell zu lesen. Darauf hatte Belichick gesetzt und bestrafte dies eiskalt. Die Interception am Ende entsprang dem ständigen Druck in den Minuten zuvor. Goff geriet schlicht in Panik, auch einen völlig offenen Cooks im dritten Viertel fand er deshalb zu spät in der Endzone.

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- Tight Ends komplett aus dem Spiel genommen

Wenn die Receiver gut abgemeldet sind und Gurley als Anspielstation - aus welchen Gründen auch immer - ausfällt, gäbe es ja noch die Tight Ends. McVay trainierte diese Position als junger Assistent in Washington bei den Redskins und liebt Formationen mit Tight Ends.

Trotzdem warf Goff nur einmal in die Richtung von Gerald Everett oder Tyler Higbee. Dafür waren die beweglichen Linebacker der Pats um Kyle Van Noy und Dont'a Hightower verantwortlich, die an der Line sehr physisch zur Sache gingen. Außerdem mussten die Tight Ends der teilweise überforderten O-Line zu oft beim Blocken helfen.

- Eigene Ballkontrolle mit Lauf und Edelman

Neben der Defense, trug aber auch New Englands Angriff zum Scheitern der Rams-Offensive bei. Sie erzielten zwar erst spät einen Touchdown, kontrollierten jedoch über weite Strecken den Ball mit Running Back Sony Michel (18 Läufe für 94 Yards) und den Pässen auf MVP Julian Edelman (141 Yards).

Edelman bestrafte die Zonenverteidigung der Rams immer wieder, indem er die freien Räume fand - egal welcher Cornerback auf ihn angesetzt wurde. Die meisten seiner Catches waren für First Downs. 22 First Downs und mehr als 33 Minuten Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. So kontrollierten die Pats das Spiel und hielten ihre Abwehr frisch. Belichicks genialer Plan ging meisterhaft auf.