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Atlanta - Die Patriots trotzen seit zwei Jahrzehnten den unausweichlichen NFL-Gesetzen - dank genialen Personal-Strategien. Zwei Stars erklären SPORT1 das Erfolgsgeheimnis.

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Neun Super Bowls, 14 AFC-Endspiele (acht in Folge), 16 Divisionstitel – die Dynastie der New England Patriots hat alles bisher Gesehene in den Schatten gestellt.

Dabei sollte so etwas in der modernen NFL mit rigider Gehaltsobergrenze und Free Agency eigentlich gar nicht möglich sein. Natürlich sind die wichtigsten Väter des Erfolges Head Coach Bill Belichick und Quarterback Tom Brady, aber das wahre Erfolgsgeheimnis der vergangenen fast 20 Jahre ist ein anderes.

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Die Pats finden unter Belichick mit traumwandlerischer Sicherheit Diamanten, die sonst niemand sieht. Das wird im Vergleich mit Super-Bowl-Kontrahent L.A. Rams besonders deutlich. (Super Bowl LIII: Los Angeles Rams - New England Patriots, ab 0.30 Uhr im Liveticker)

Super Bowl: Patriots finden "überall gute Spieler"

Der glänzendste Diamant war natürlich Brady - Pick 199 im NFL-Draft 2000, aber der Spielmacher ist beileibe kein Einzelfall.

Julian Edelman war ein kleiner College-Quarterback, Chris Hogan war ein Lacrosse-Spieler, der in Buffalo ein Durchschnittsreceiver war, James White war ein kleiner, nicht superschneller Running Back mit nur einem College-Jahr als Starter, Rex Burkhead war bei den Bengals ein Special Teamer mit 31 Laufyards in seinen ersten drei NFL-Jahren. Man könnte die Liste beliebig verlängern.

"In erster Linie sind es die großartigen Coaches und der gesamte Staff. Sie sind stolz darauf, dass sie überall gute Spieler finden. Das muss man anerkennen, sie entwickeln dich auch weiter, damit du dem Team zum Erfolg verhelfen kannst", sagte Burkhead zu SPORT1.

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Burkhead ist der klassische Patriots-Held

Burkhead und White sind dafür klassische Beispiele. White war mit drei späten Touchdowns der Held des Super Bowls vor zwei Jahren bei dem Mega-Comeback gegen die Atlanta Falcons.

Burkhead war im AFC-Finale – trotz des starken Erstrundenpicks Sony Michel – der Go-to-Guy gegen Kansas City. Sein zweiter Touchdown des Abends brachte New England in der Verlängerung zurück in den Super Bowl.

SPORT1-Reporter Eric Böhm berichtet vor Ort vom Super Bowl 2019
SPORT1-Reporter Eric Böhm berichtet vor Ort vom Super Bowl 2019 © SPORT-Grafik: Getty Images

Für den 28-Jährigen aus Kentucky ist das einer der Gründe für die unglaublichen Erfolge der vergangenen zwei Jahrzehnte.

"Du weißt nie, wann du gebrauchst wirst, deshalb schaltest du im Training auch nie ab. Selbst wenn du gerade nicht auf dem Feld stehst, bleibst du mental dabei. Du bist jederzeit bereit und fokussiert, denn du weißt nie, wann der Ball in deiner Hand ist", betonte Burkhead.

Das Team ist entscheidend

Auch schon früher gelangen Belichick und Co. Glücksgriffe, die sich sofort in die von Burkhead beschriebene Erfolgsgemeinschaft einreihen: spätere Picks wie Brady, Edelman oder Marcus Cannon, aber auch anderswo als schwierig geltende Fälle wie Randy Moss oder Rodney Harrison lieferten Topleistungen ab.

Defensive End Lawrence Guy - selbst ein Siebtrundenpick der Green Bay Packers 2011 - hält im Gespräch mit SPORT1 die selbstreinigende Funktion innerhalb des Teams für einen Schlüssel.

"Sobald du dieses Trikot überziehst, verstehst du, dass es nur um das Team geht. Du machst deinen Job, du gibst alles für dieses Team - egal wo du herkommst. Das ist unser Motto, das wird von dir erwartet. Diese Erwartungen willst du keinesfalls enttäuschen", erklärte Guy.

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Patriots-Strategie ist auch finanziell effektiv

Ein weiterer unterschätzter Nebeneffekt dieser Strategie: sie ist kosteneffektiv. Natürlich sparen die Patriots dadurch viel Geld, dass Brady freiwillig deutlich weniger Gehalt bezieht als Aaron Rodgers, Matt Ryan oder sogar Kirk Cousins, aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Durch ihr Diamantenauge holt die Truppe aus Boston relativ billige Spieler, macht sie besser und zu perfekt passenden Bausteinen.

Zudem ziehen sie rechtzeitig die Notbremse, wenn nicht essentielle Spieler zu teuer werden könnten, wie Chandler Jones, wie der einstige Super-Bowl-Helden Malcolm Butler, wie 2018 Brandin Cooks (jetzt Rams).

Großer Dollar-Unterschied zu Rams

Dadurch haben die Pats dann auch Geld zur Verfügung, wenn es einmal einen Engpass gibt und ein teurer Spieler her muss, wie 2017 Cornerback Stephon Gilmore.

Nur fünf Spieler verdienen in der aktuellen Saison über zehn Millionen Dollar - bei den Rams sind es elf, dazu kommen einige teure Free Agents 2019.

Die Strategie der Patriots ist so genial, dass sie offenbar nicht einmal annähernd zu kopieren ist. Alle anderen NFL-Teams operieren in Fenstern von vier bis fünf Jahren, danach kommt ein Abschwung - so will es die Liga letztlich auch, aber das Überteam schafft es immer wieder, dem Unausweichlichen zu entgehen.

Man kann von den Patriots halten, was man will, respektieren muss man diese Leistung definitiv.

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