München - Wide Receiver Adam Thielen wird für die Minnesota Vikings gegen die Philadelphia Eagles zum Matchwinner. Dabei hatte er seinen NFL-Traum zwischendurch aufgegeben.

von Franziska Wendler

In der Partie zwischen Vikings und Eagles sind noch 1:09 Minuten zu spielen. Nach einem Touchdown von Zach Ertz hat der Super-Bowl-Sieger nur noch zwei Punkte Rückstand.

Anstatt zu punten, versuchen die Eagles einen Onside-Kick. Ist dieser erfolgreich, bleibt das Team von Quarterback Carson Wentz im Ballbesitz und kann erneut versuchen, Punkte auf das Scoreboard zu bringen.

Doch es läuft nicht wie gewünscht. Der Kick von Jake Elliott landet in den Armen von Adam Thielen. Der Wide Receiver der Minnesota Vikings rettet nicht nur seiner Franchise den knappen 23:21-Sieg, er krönt auch einen mehr als nur denkwürdigen Abend.

Thielen erzielt NFL-Rekord

Gegen die Eagles fängt der 28-Jährige sieben Bälle für 116 Yards, zudem gelingt ihm ein Touchdown.

Thielen schafft es als erster Spieler in der Historie der Super-Bowl-Ära, in den ersten fünf Saisonspielen jeweils mehr als 100 Receiving Yards zu erzielen.

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In der NFL wird der Passempfänger für seine geschichtsträchtige Leistung mit Lob überschüttet. Dass dem in Minnesota geborene Thielen einmal etwas Derartiges gelingen würde, war in seiner Anfangszeit nicht abzusehen. Denn Thielen ist der unscheinbarste Mega-Receiver der NFL - und er musste einen langen und beschwerlichen Weg gehen.

Kein renommiertes College

Während seiner Highschool-Zeit siegte der heute 28-Jährige bei den Staatsmeisterschaften im Golf. Auch im Basketball und Baseball konnte Thielen glänzen. Seine eigentliche Leidenschaft galt aber immer dem Football.

Vor Beginn seiner College-Zeit bewarb sich der Wide Receiver deshalb auf alle möglichen Stipendien – erfolgreich war er damit nicht. Nach vielen Enttäuschungen wurde er mit einem minimalen 500-Dollar-Stipendium ausgestattet. Und das nicht etwa an einem renommierten College.

Thielen studierte an der Minnesota State University in Mankato. Im College-Football alles andere als eine Top-Adresse. An eine mögliche NFL-Karriere dachte der Wide Receiver damals nicht. Alles was er wollte: Football spielen.

Keine Einladung zum Combine

In seinen drei Jahren am College fing er 198 Bälle für mehr als 2.800 Yards, dabei gelangen ihm 20 Touchdowns.

Für eine Einladung zum NFL-Scouting-Combine reichte all dies nicht. Thielen musste sich selbst kümmern, bei regionalen Veranstaltungen überzeugen. NFL-Scouts sind dort nicht anwesend, nur die Leistungsdaten werden an die NFL-Teams weitergeleitet.

Mit seiner Geschwindigkeit konnte Thielen trotzdem überzeugen. Einige Scouts verlangten Videomaterial, beim Receiver wurden Hoffnungen geschürt. Doch beim Draft 2013 passierte nichts. Kein Team wählte ihn aus.

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Vikings verpflichten Thielen

Dennoch wurde er von Minnesota und den Carolina Panthers im Anschluss zu deren Rookie Camps eingeladen. Dass daraus etwas werden könnte, glaubte Thielen nicht. Stattdessen bewarb er sich bei einer Firma für Medizinprodukte.

Doch es kam ganz anders. 2013 wurde er in die Practice Squad der Vikings aufgenommen. Dank harter Arbeit schaffte es Thielen in den Kader der Franchise und durfte sich beweisen.

Seit nunmehr vier Jahren trägt der Wide Receiver das lila Trikot, der Knoten platzte dann in der vergangen Saison - als unter anderem ein gewisser Moritz Böhringer sein Konkurrent unter den Passempfängern war. 69 gefangene Bälle für 967 Yards und fünf Touchdowns waren eine amtliche Ansage.

Mit der Verpflichtung von Quarterback Kirk Cousins sind in dieser Saison auch die Zahlen des 28-jährigen Thielen explodiert. 66 Targets (Platz 1 der NFL), 47 Receptions (Platz 1), 589 Yards (Platz 2) und drei Touchdowns stehen nach fünf Spielen schon für ihn zu Buche.

Cousins: "Thielen will nie frei nehmen"

Der Passempfänger erfreut die Fans mit seinen Fabelzahlen und auch finanziell hat sich viel getan. Während er in den ersten drei Jahren rund 1,5 Millionen kassierte, bekommt er zwischen 2017 und 2020 mehr als 19 Millionen Dollar.

"Wenn wir trainieren, dann will er sich nie frei nehmen. Wenn er für einige Minuten an keinem Spielzug beteiligt ist, dann ist er frustriert, weil er dem Team nicht helfen kann. Er will sich einfach immer messen", schwärmt Cousins von seinem Lieblings-Receiver.

Genau diese Einstellung ist es, mit der sich Thielen von einem unbedeutenden College-Spieler zu einem der besten Wide Receiver der NFL hochgearbeitet hat.