Sexismus in der NFL Nur sechs der 32 Teams in der NFL haben keine Cheerleader-Squad
Sexismus in der NFL Nur sechs der 32 Teams in der NFL haben keine Cheerleader-Squad © Getty Images
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München - Bailey Davis verklagt die NFL-Franchise New Orleans Saints wegen Geschlechterdiskriminierung. Dabei kommen unwürdige Vertragsdetails ans Licht.

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Football und Cheerleading – das gehört in den USA zusammen wie Texas und Cowboyhüte.

Wenn die Spieler der NFL-Teams in die Stadien einlaufen, werden sie meist von jungen Frauen am Seitenrand mit Kostümen und Pompons angefeuert. Diese ewig lachenden und stets gut gelaunten Damen sind prominente Botschafter ihrer Teams.

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Dementsprechend begehrt sind die Jobs in den einzelnen Squads der Teams.

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Die dunkle Seite der Cheerleader-Squads in der NFL

Allerdings kommen auch immer wieder die dunklen Seiten des Cheerleadings an die Oberfläche.

Bereits 2014 veröffentlichte die New York Times, dass fünf Cheerleaderinnen der Buffalo Bills (damals hatten die Bills noch eine Cheerleader-Squad) ihre Franchise wegen Diskriminierung verklagen. So mussten sie immer wieder springen, um zu überprüfen "ob am Körper etwas wackelt" . Des Weiteren mussten die Cheerleader bei einem Charity-Golfturnier im Bikini Rückwärtssaltos machen, wenn die Teilnehmer dafür bezahlten, sogenannte "Flips for Tips".

Auch andere Franchises wurden schon von ihren Cheerleaderinnen verklagt. So haben mehrere Tänzerinnen ihre Klagen gegen die Oakland Raiders, die Cincinnati Bengals, Tampa Bay Buccaneers oder die New Jersey Jets gewonnen. Sie bekommen nun einen Mindestlohn oder müssen ihr Make-Up und Uniformen nicht mehr selber bezahlen.

Und die Cheerleader der Washington Redskins mussten sich für ein Fotoshooting oben ohne ablichten lassen - offenbar vor Besuchern. Dazu soll von den Tänzerinnen verlangt worden sein, männliche Sponsoren in einen Nachtklub zu begleiten. Ehemalige Tänzerinnen der Dallas Cowboys und Houston Texans klagten unter anderem wegen unzureichernder Bezahlung.

Bailey verklagt die Saints wegen Geschlechterdiskriminierung

Nun wird die NFL erneut von schweren Anschuldigungen getroffen. Bailey Davis, eine ehemalige Cheerleaderin der New Orleans Saints, wurde im Januar aufgrund von Verletzungen geltender Arbeitsrichtlinien entlassen. Nun verklagt sie das Team wegen Geschlechterdiskriminierung.

Um zu zeigen, dass es ihr dabei nicht um Geld geht, verlangt sie nur einen symbolischen Dollar Entschädigung. Aber im Laufe dieses Falles kommen nun erstmals auch Vertragsdetails an die Öffentlichkeit, die der New York Times vorliegen. Ein fester Teil des Vertrags sind achtseitige Verhaltenskodexe.

Entlassen wurde die 22-Jährige offiziell wegen einem Unterwäschebild auf ihrem Instagram-Account und weil sie auf derselben Party war wie ein Spieler.

Allerdings verneint sie die Anwesenheit auf der Party, es gebe auch keine Beweise dafür. Und der Vorwurf mit dem Bild entbehrt nicht einer gewissen Scheinheiligkeit.

Denn schließlich mussten die Cheerleaderinnen kurz zuvor für einen Bikini-Kalender des Teams posieren, den sie auch noch vor den Spielen verkaufen sollen. "Wir wurden gedrängt, vor jedem Spiel 20 Kalender zu verkaufen. Wem das nicht gelang, der durfte nicht bis zum Ende des Spiels mittanzen. Sie sagten uns, wir sollten in sexy, knappen Zweiteilern zu den Fans gehen, um mehr Kalender zu verkaufen", so Davis im ZDF Auslandsjournal.

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Des Weiteren ist laut der der Zeitung vorliegenden Dokumente jeglicher persönliche Kontakt zwischen Cheerleadern und Spielern verboten. Dies gelte auch für die sozialen Medien. Allerdings liegt demnach die Verantwortung rein bei den Frauen. Sie müssten die Spieler auf ihrem Profil blockieren. Bei Verstößen werden aber nur die Tänzerinnen bestraft.

Zudem dürften die Cheerleader nicht im selben Restaurant essen und müssen dies verlassen, wenn ein Spieler das Lokal betritt.

Regeln sind zum Schutz der Frauen

Laut den Teams passiere das zum Schutz der Cheerleaderinnen. Eine Sichtweise, die Davis' Anwältin nicht akzeptieren kann: "Dieses antiquierte Vorurteil, dass Frauen zu ihrem eigenen Schutz versteckt werden müssen, ist in den USA nicht zulässig – und schon gar nicht am Arbeitsplatz."

Die NFL hingegen verweigert jeden Kommentar zur Causa Davis und sieht das als Angelegenheit zwischen der Cheerleaderin und ihrem ehemaligen Team. Wie lange sich dieser Fall hinziehen wird, ist noch ungewiss. Aber Bailey Davis will es auf jeden Fall durchziehen. Nicht, um den Saints zu schaden, sondern um ihren Nachfolgerinnen die gleichen Erfahrungen zu ersparen.

"Ich tue dies für das Team. So können sie das machen, was sie lieben und fühlen sich dabei beschützt. Dazu werden sie dadurch unterstützt, sich als ein weiblicher Athlet zu fühlen, der sich nicht verstecken oder unwichtig fühlen muss."

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